Religion  und  Profanfächer.  Religionslehrer.  145

erfordert  der  Plan  des  Unterrichtes  und  verlangt  die  Gesamtbildung,  der  der
Schüler  zugeführt  werden  soll.  Diese  Hinweise  bilden  im  katholischen  Religionsunterricht
  nur  gelegentliche  Nebenhinweise,  während  der  evangelische  Religionsunterricht
  seiner  Anlage  und  seinem  Katechismus  nach  mehr  von  vornherein
auf  diese  Seite  der  Abwehr  und  Begründung  hingerichtet  ist.  Selbstverständlich
muß  bei  diesen  Differenzpunkten  die  Begründung  des  verstandesmöglichen  und
pflichtmäßigen  treuen  Festbaltens  am  katholischen  Glauben  begründet  werden.
So  lernt  der  Schüler  seine  Kirche  verstehen  und  wird  mit  Achtung  und  Dankbarkeit
  gegen  dieselbe  erfüllt.

Religionsunterricht  und  die  anderen  Fächer.

‘Der  Religionsunterricht  kann  aber  dort  nur  zur  vollen  Wirksamkeit  gedeihen,
  wo  ein  religiöser  Sinn  das  ganze  Anstaltsleben  durchdringt.!)  Als
früher  der  Unterricht  noch  unter  vollständiger  Leitung  der  Kirche  und  jedes
einzelne  Fach  in  der  Hand  geistlicher  Lehrer  war,  lag  die  Gelegenheit  nahe,
überall  Anknüpfungs-  und  Überleitungspunkte  auf  das  religiöse  Gebiet  zu  suchen
und  alles  um  die  Religion  als  Zentrum  zu  gruppieren.  Dieser  Gedanke  lag  der
damaligen  Zeit  so  nahe,  daß  man  für  den  Religionsunterricht  nicht  einmal
eigene  Stunden  ansetzte.e  Auch  heute  liegen  den  einzelnen  Fächern  dieselben
Vergleichungspunkte  noch  nahe,  aber  weder  geistliche  noch  weltliche  Lehrer
werden  heute  auf  die  Verwertung  derselben  für  den  Religionsunterricht  altzuviel
Gewicht  legen  können.  Aber  es  gibt  doch  noch  genug  unverfängliche  Verbindungspunkte,
  und  jede  vernünftige  Pädagogik  wird  durch  weise  und  maßvolle
Verbindung  derselben  die  Anschaulichkeit  des  Unterrichtes  gefördert  sehen.?)

Bildungsgang  des  Religionslehrers.

Der  Bildungsgang  des  Religionslehrers  ist  durchschnittlich  der  des  gewöhnlichen
  Geistlichen:  Gymnasial-,  Universitäts-  und  Seminarbildung.  Die  Kirche
betrachtet  ihre  Geistlichen  der  Hauptsache  nach  als  Seelsorger,  und  so  findet
der  neugeweihte  Priester  durchgehends  seine  erste  Anstellung  als  Seelsorger.
Je  nach  Bedürfnis  wählt  sich  der  Bischof  aus  den  jüngeren  Seelsorgegeistlichen
seine  Religionslehrer  aus,  oder  öfter  noch  schlagen  die  städtischen  Anstalten
einen  Seelsorgegeistlichen  für  die  Religionslehrerstellen  vor.?)  Dem  neu  ernannten
Religionslehrer  läßt  man  einige  Zeit,  um  das  —  meist  —  rückständige  Examen  pro
facultate  zu  machen.  Eine  Dispens  von  demselben  wird  heute  von  der  Schulbehörde
wohl  nicht  mehr  gegeben.  Wünschenswert  wäre  für  den  Religionslehrer  neben
dem  theologischen  ein  gründliches  philologisches  oder  philosophisches  Wissen
und  die  Erwerbung  eigentlicher  philologischer  Lehrfakultäten.  Das  gibt  ihm

1)  Schrader  9.  327.  Grimmig  8.  22,  28,  26.

?,  Über  Konzentration  des  Religionsunterrichts  im  Lehrbetrieb  vgl.  Grimmich  S.  48,
566.  Schiller  S.  277.  Vergleichungspunkte  für  den  Religionsunterricht  ergeben  sich  allenthalben;
  aus  den  Klassikern  (vgl.  Grimmich  S.31  ff.  Walter  S.  60),  aus  Kunst  und  Kulturgeschichte
  (W.,  3.  56,  60),  Naturwissenschaft  (W.,  S.  88,  85),  Goethe  (W.,  S.  54,  56),  aus
anderen  Fächern  (W.,  S.  38.  Schiller  290,  225).

9  Die  staatl.  Bestimmungen  siehe  bei  Wiese-Kübler  I.  S.  167;  II.  S.  86.

Handbuch  für  Lehrer  höherer  Schulen.  10