Religionslehrer,  sein  Weiterstudium,  sein  Fach.  149

folgung  der  bloßen  Erscheinungen  auf  einigen  Gebieten  erfordert  mehr  als
Manneskraft.  Der  Religionslehrer  müßte  eigentlich  auf  jedem  Gebiete  zu  Hause
sein  und  die  Neuerscheinungen  in  jedem  Fache  beobachten.  Er  vermag
dieses  nicht.  Aber  durch  ein  freundschaftliches  Verhältnis  zum  Kollegium
kann  er  die  neuen  Erfolge  wenigstens  durch  Mitteilungen  kennen  lernen  und
weiß,  wo  sein  Wissen  und  Unterricht  neue  Zuträge  erhalten  kann.  Gerade
durch  diese  Verbindung  mit  Kollegen,  durch  Austausch  und  Benutzung  von
Fachzeitschriften,  durch  die  Verwertung  der  modernen  Erfolge  und  Berücksichtigung
  der  jeweiligen  Irrungen  gewinnt  sein  Unterricht  Interesse  und  wird
aktuell.  So  imponiert  der  Lehrer  im  Interesse  der  Schüler  und  zum  Wohle
seines  Faches.  Die  Verwertung  all  dieser  Bestrebungen  zeigt  ihn  den  Schülern
als  Mann  der  Wissenschaft,  der  in  Beruf  und  Pflicht  das  möglichste  leistet.  Es
ist  wohl  kein  Fach  in  dieser  Hinsicht  so  universell  wie  das  des  Religionslehrers,
und  an  seine  Vielseitigkeit  wird  man  die  höchsten  Anforderungen  stellen.  Die
Wissenschaft  ist  heute  popularisiert,  und  auf  Grund  dessen,  was  heute  jedermann
  über  die  entlegensten  Fragen  in  Zeitschriften  und  Tagesblättern  liest,
drängt  sich  aus  Bürgerschaft  und  Lehrerkollegium  manche  Anfrage  an  den
Religionslehrer  heran,  und  beständiges  Ausweichen  würde  seine  Autorität  schnell
erschüttern.  Andererseits  dagegen  wird  das  mühevolle  Weiterstreben  des  Religionslehrers
  ihm  bei  Schülern,  Lehrern  und  Bürgern  Achtung  einbringen  und  seinem
Fache  zum  Nutzen  gereichen.

Auch  wird  dann  jeder  Lehrer  gerne  bei  gegebenen  Fällen  den  Schüler  an
den  Religionslehrer  verweisen,  der  über  die  angeregten  Unterrichtsfragen  vom
Standpunkte  der  Religion  genauere  Auskunft  geben  werde.

Religionslehre  als  Fach.

Der  heutige  Religionsunterricht  ist  als  ein  einzelnes  Fach  mit  zwei  oder
höchstens  drei  wöchentlichen  Lehrstunden  dem  Gesamtunterrichte  eingegliedert.
Freilich  kann  in  dieser  beschränkten  Zeit  nicht  der  ganze  für  die  religiöse  Erziehung
  des  Schülers  verwendbare  und  wünschenswerte  Stoff  verarbeitet  und
fruchtbar  gemacht  werden,  und  es  erklingen  deshalb  mancherseits  in  den  berufenen
  Organen  lebhafte  Rufe  nach  Vermehrung  der  gewährten  Stundenzahl.
Wenigstens  auf  einzelnen  Klassen  will  man  eine  dritte  Wochenstunde  eingesetzt
wissen.  Der  Religionslehrer  muß  vorläufig  mit  der  einmal  gesetzmäßig  gegebenen
  Zahl  von  Unterrichtsstunden  rechnen  und  kann  immerhin  in  dieser
Zeit  ein  gehöriges  Pensum  verarbeiten.  Für  das,  was  tiber  seine  Kräfte  geht,
ist  der  einzelne  nicht  verantwortlich.  Sache  der  kirchlichen  Behörde  ist  es,
diese  Klagen  der  Religionslehrer  zu  prüfen  und  eventuell  mit  der  staatlichen
Behörde  zu  verhandeln.  Man  will  beklagen,  daß  der  Religionsunterricht  ein
bloBes  Fach  ist.  Gewiß  war  es  früher  anders.  Da  ruhte  der  ganze  Unterricht
auf  religiöser  Grundlage;  da  wurde  freilich  immer  und  überall  das  religiöse
Moment  betont,  und  in  jedem  Fache  konnten  ohne  Zeitverlust,  zumal  da  es
weniger  Fach-  als  Klassenlehrer  gab,  bedeutende  Hinweise  auf  die  Materien  des
Religionsunterrichtes  gegeben  werden.  Da  wirkte  nicht  nur  in  Internaten,  son-