150  Carıtamz:  Katholischer  Religionsunterricht.

dern  auch  in  Externaten  der  religiöse  Geist  ganz  gewaltig.  Die  gemeinsame,
vollständig  religiöse  Erziehung  ist  zugleich  religiöse  Belehrung.  Der  tägliche
Besuch  der  heiligen  Messe,  das  gemeinschaftliche  Morgen-  und  Abendgebet,
religiöse  Andachten  und  Predigten,  selbst  die  Lektüre  bei  den  gemeinschaftlichen
  Mahlzeiten  bringen  den  Schülern  immer  neue  Anregung  und  Belehrung,
sowie  auch  neue  Gnade.  Wo  damals  die  geschlossene  Ordnung  noch  nicht  so
enge,  das  in  jedem  Fache  durchzunehmende  Pensum  noch  nicht  so  genau  festgegrenzt
  war,  konnten  auch  die  Lehrer,  wenn  sie  vom  religiösen  Geiste  erfüllt,
zumal  wenn  sie  Geistliche  waren,  überall  auf  die  religiösen  Verbindungspunkte
hinübergreifen  und  dies  um  so  mehr,  als  sie  regelmäßig  neben  dem  Religionsunterricht
  auch  noch  auf  den  einzelnen  Klassen  anderen  Unterricht  erteilten.
Gerade  letztes  Moment  erhöht  die  Autorität  des  Religionslehrers.  Der  heutige
Religionslehrer  hat  an  den  Vollanstalten  durchschnittlich  nur  sein  Fach  und
höchstens  noch  Hebräisch.  Beide  sind  Nebenfächer;  man  ist  geneigt,  sie  als
solche  zu  betrachten  und  gering  zu  schätzen.  Dazu  können  noch  bei  den  verschiedensten
  sonstigen  Fällen  die  im  Religionsfache  gegebenen  Mitteilungen
bespöttelt  und  direkt  verurteilt  werden.  Da  ist  die  Aufgabe  dieses  Unterrichts
eine  doppelt  schwere.

Charakterisierung  dieses  Unterrichtes.

Da  muß  den  Schülern  zum  Bewußtsein  kommen,  daB  der  Religionsunterricht
  zwar  nur  als  Fach  gelte,  aber  über  die  wichtigsten  und  heiligsten  Wahrheiten
  Aufschluß  gebe,  daß  dieses  Fach  für  das  Wichtigste  und  Schönste  erziehe,
  was  es  für  den  Menschen  gibt,  für  den  Himmel.  Wenn  hier  der  Religionslehrer
  seine  ganze  Erziehungskunst  verwendet,  wird  er  auch  in  seinem
“Fache’  Gutes  leisten,  ja  er  wird  auch  in  zweistündigem  wöchentlichen  Unterrichte
  seine  Schüler  zu  Charakteren  heranbilden  und  zu  glaubensmutigen  Christen
erziehen  können.  Wohl  mag  hier  und  da  manche  drückende  Fessel  ihn  einschnüren.
  Gerade  der  religiöse  Unterricht  möchte  sich  bisweilen  gerne  freier
entfalten,  entsprechend  dem  Geiste  der  Freiheit,  der  das  ganze  Neue  Testament
beherrscht.  Aber  der  Unterricht  ist  gebunden  an  mancherlei  Bestimmungen,
und  über  deren  Befolgung  hat  das  Gewissen  des  Religionslehrers  sich  zu  prüfen.!)

Die  verschiedenen  Klassenstufen.

Grund  und  Kern  des  Religionsunterrichtes  ist  die  katholische  Glaubensund
  Sittenlehre.  Dreimal,  in  immer  sich  erweiternden  Kreisen,  wird  dieselbe
auf  der  Vollanstalt  durchgenommen.  Der  Hauptwert  ist  auf  die  positive  Dar-!)

  Über  die  Anlage  des  ganzen  Religionsunterrichtes,  über  die  Vorzüge  der  einzelnen
Lehrpläne,  über  die  Stoffverteilung  kann  man,  wie  auch  Walter  9.  24,  25  gesteht,  verschiedener
  Meinung  sein.  Da  die  Lehrpläne  von  der  staatlichen  und  kirchlichen  Behörde  geprüft
  und  verordnet  sind,  so  kann  man  mit  gutem  Gewissen  ihnen  folgen.  Der  pädagogische
Takt  des  Religionslehrere  muß  wissen,  was  kürzer  oder  ausführlicher  zu  behandeln  ist;  er
wird  auch  die  spoziellen  Bedürfnisse  der  einzelnen  Anstalten  und  des  jeweiligen  Schülermaterials
  unschwer  herausfinden.