152  Carıtamns:  Katholischer  Religionsunterricht.

Da  muß  der  Priester  sachlich  und  taktvoll  vorgehen.  Freilich  die  Wahrheit
ist  unerbittlich,  aber  der  Priester  wird  die  Schüler  lehren,  die  Achtung  vor  dem
Gegner  des  Glaubens  mit  Achtung  und  unverbrüchlicher  Auffassung  des  Glaubens
vereinigen.  Der  Lehrer  kann  die  Nichtigkeit  der  Einwände  zeigen  und  muß
betonen,  daß  der  Glaube  eine  Gnade  ist  und  auf  göttlicher  Erleuchtung  des
Verstandes  und  auf  göttlicher  Anregung  des  Herzens  beruht.  Er  wird  zeigen,
daß  sich  die  Beweise  für  den  Glauben  nirgends  mit  mathematischer  Sicherheit
ergeben,  daB  vielmehr  der  Glaube  eine  Unterwerfung  des  Menschen  unter  Gott
und  Kirche,  daß  er  deshalb  zwar  schwer,  aber  doch  möglich,  daß  er  vernünftig
und  verdienstlich  ist.  Im  übrigen  wird  der  Schüler  die  Unvernünftigkeit  und
Unehrlichkeit  vieler  Gründe  gegen  Glauben  und  Kirche  schon  selbst  einsehen
und  auch  gerne  bei  sachlicher  Prüfung  des  Religionslehrers  sich  für  die  Kirche
und  ihren  Glauben  begeistern  lassen.  Sonst  aber  gilt  als  Grundsatz:  ‘Für  das
Kampfesfeld  theologischer  Kontroversen  hat  die  Schule  keinen  Raum’.')  Auf
der  Oberstufe  gewinnt  der  Unterricht  sehr  viel  an  Fruchtbarkeit  und  Interesse,
wenn  auf  die  früher  behandelten  Partien  zurückgegriffen  und  anschaulich  die
innere  Zusammengehörigkeit  des  ganzen  kirchlichen  Lehrgebäudes  betont  wird.
So  lernt  der  Schüler  alles  im  Lichte  des  Glaubens  betrachten,  alles  nach  der
Lehre  seiner  Kirche  auffassen,  allen  Wert  oder  Unwert  der  Dinge  und  der
Welterscheinungen  nach  dem  Maßstabe  des  Ewigen  und  Himmlischen  betrachten;
so  wird  die  Welt  und  werden  die  Weltdinge  für  den  katholischen  Jüngling
eine  Brücke  zum  Himmel.  Auf  dieser  Stufe  werden  dem  Schüler  die  Kenntnisse
  besonders  in  Literatur,  Geschichte  und  Philosophie  große  Dienste  erweisen.
Ein  solcher  Unterricht  wird,  soweit  es  am  Religionslehrer  liegt,  auch  am
sichersten  das  doppelte  Unterrichtsziel  erreichen,  daß  die  Schüler,  solange  sie
unter  der  Zucht  der  Schule  stehen,  gehorsam  und,  wenn  sie  allein  im  Leben
stehen,  freiwillig  gern  ihre  religiöse  Überzeugung  bewahren  und  nach  dem
Glauben  leben.

Die  einzelnen  Fächer  des  Religionsunterrichtes.

Der  gesamte  Religionsunterricht  gliedert  sich  in  eine  Reihe  von  Hauptund
  Nebenfächern,  die  alle  gebührend  berücksichtigt  werden  wollen.  Der
biblische  Geschichtsunterricht  ist  im  gewissen  Sinne  der  Hintergrund  oder  vielmehr
  die  Grundlage  für  den  gesamten  Religionsunterricht.  In  anschaulichster
Form  belehrt  er  über  das  Woher  und  Wohin  des  Menschengeschlechtes  und
gibt  eine  Erklärung  für  die  dunkelsten  Rätsel  des  Lebens.  Er  lehrt  einen  tberweltlich
  persönlichen  Gott,  der  sich  großartig  als  Schöpfer,  Weltenleiter,  Erlöser
  und  Heiliger  geoffenbart  hat.

Biblische  Geschichte.

Freilich  ist  dieser  biblische  Geschichtsunterricht  nicht  eigentlich  Selbstzweck.
  Der  Katholik  empfängt  seinen  Glaubensinhalt  aus  den  Händen  der
Kirche.  Die  biblischen  Bücher  sind  nicht  zunächst  für  uns,  sondern  wurden

!)  Brunner  bei  Rethwisch  1890.  Ergänzungsheft  8.  3.