Die  einzelnen  Fächer,  biblische  Geschichte.  153

für  die  Menschen  der  damaligen  Zeit  geschrieben.  Gleichwohl  sind  sie  auch  für
uns  wichtig  und  als  notorische  Urkunden  der  Erbarmung  und  Offenbarung  heilig
und  wahrhaft.  Aber  als  nächsten  Zweck  des  belehrenden  religiösen  Unterrichtes  ist
doch  nicht  die  Geschichte  der  Offenbarung,  sondern  ihr  Inhalt  zu  betrachten.')
Als  Grundlage  und  Protokoll  der  göttlichen  Offenbarung,  sowie  zur  Einführung
und  Gewöhnung  in  den  biblischen  Sprachgebrauch?)  muß  das  biblische  Argument
  in  allen  Religionsdisziplinen  verwertet  werden.  Nichts  Anschaulicheres
für  das  Kind  als  die  biblische  Geschichte.  So  soll  sie  zunächst  beim  Katechismus
  herangezogen,  in  ihren  Belegen  und  Beispielen  benutzt  und  geschätzt
werden,  umgekehrt  aber  sollen  auch  die  einzelnen  Lehrstücke  der  biblischen
Geschichte  mit  dem  Katechismus  zusammengebracht°?)  und  die  im  Katechismus
entwickelten  Nutzanwendungen  oder  Glaubenswahrheiten  aus  ihr  herausgeschält
werden.  Der  gesamte  Überblick  über  das  Alte  und  Neue  Testament  ist  in
seinen  Grundzügen  beständig  vor  Augen  zu  halten?)  und  muß  den  Zweck  der
Behandlung  mit  den  Kindern  immer  hervortreten  lassen.  Von  diesem  Gesichtspunkte
  aus  muß  dann  der  Lehrer  sich  über  den  Zweck  der  einzelnen  Lehrlektionen
  und  ihrer  Einfügung  in  das  Ganze  klar  werden  und  dabei  die  weiteren
Zwecke  für  die  Durchnahme  dieser  Lektionen  in  ihrer  dogmatischen  und  moralischen
  Wichtigkeit  heraussuchen.  Daß  hierbei  auf  den  unteren  Klassen  mehr
das  rein  Anschaulich-Geschichtliche,  auf  den  Tertien  Hauptgewicht  auf  die  dogmatische
  und  moralische  Verwertung  gelegt  wird,  ist  selbstverständlich.  Auf
Untersekunda,  d.  h.  wo  speziell  Apologetik  gelehrt  wird,  soll  aber  heutzutage
gerade  wegen  der  Angriffe,  die  auf  die  Bibel  gemacht  werden,  auch  die  rein
geschichtliche  Seite,  aber  doch  mehr  in  positiver  als  apologetischer  Form,  gewürdigt
  werden.  Der  in  den  Schulbibeln  vorhandene  Stoff  ist  durchgängig  so
reichlich,  daB  er  wohl  nirgends  in  gleicher  Weise  ausführlich  oder  überhaupt
einmal  ganz  wird  durchgenommen  werden  können.  In  letzter  Zeit  haben  die
Religionslehrer  einen  Kanon  aufgestellt,  der  die  wichtigeren  Partien  herauswählte
  und  verteilte.?)

)  Vgl.  Schiller  S.  277,  278,  279.  Das  Lehrpensum  ist  für  die  einzelnen  Länder  durchgängig
  dasselbe;  über  Bayern  vgl.  Walter  S.  25ff.,  über  Österreich  Grimmich  9.  74—87.

”,  Vgl.  Brunner-Rethwisch  1889.  S.  83ff.;  1890.  8.  18ff.  Schiller  S.  280.

5,  Über  die  Verbindung  von  Bibel  und  Katechismus  vgl.  Liessem,  Lehrziel,  Lehraufgeben
  und  methodische  Einrichtung  des  katholischen  Religionsunterrichtes;  Münster  8.  42—76.
So  verbindet  sich  ganz  natürlich  der  biblische  und  katechetische  Lehrstoff,  so  vereinigt
  sich  von  selbst  das  Systematische  mit  dem  Historischen,  eine  Praxis,  die
die  „Münchener“  Schule  jetzt  überall  betont.  Lit.  Handw.  1905.  13.  9.  494—  4986.
Vgl.  MB.  I.  2:  “Über  Kenntnis  und  Beschäftigung  mit  der  Hl.  Schrift  an  den  höheren  Lehranstalten’.
  III.  1,  2,3:  “Biblische  Geschichten’.  IV.  8:  “Kanon  für  den  bibl.  Geschichtsunterricht’.
  III.  10:  “Der  biblische  Geschichtsunterricht  in  Untertertia’.  II.  8,  9:  “Die
Gleichniereden  Jesu’.  IV.  84:  “Wissenschaft  wie  Kritik  der  Neuzeit  und  das  Alte  Testament’.
  II.  1:  “Warum  sollen  wir  im  Katechismusunterricht  auf  die  biblische  Geschichte
zurückgreifen?’

*)  Anders  Schiller  S.  278.  Vgl.  Brüll,  Bibelkunde.  Freiburg  1905.  10.  Aufl.  Brunner  S.  84.

2)  MB.  IV.  8.