Katechismus,  Kirchengeschichte.  155

weise  bei  der  Lehre  von  der  Kirche,  den  Sakramenten  und  besonders  von  der  Kommunion
  eine  steife,  mancherorts  sicher  unüberwindliche  Analyse  vor,  so  ist  er
doch  in  seinem  großen  Ganzen  klar  synthetisch  aufgebaut  und  wird  in  seiner
wesentlichen  Ausführung  sicher  lange  seine  gegenwärtige  Gestalt  bewahren.
Für  die  einzelnen  Unterrichtsstufen  hat  man  den  kleinen  und  großen,  oder  den
Katechismus  mit  und  ohne  Sternchen  eingerichtet,  und  der  Lehrer  wird  urteilen,
welche  Art  des  Buches  und  welche  Stoffauswahl  seinem  Schülerkreise  am  besten
entspricht.  Bezüglich  der  Handhabung  dieses  Buches  herrscht  abweichende
Praxis.  Ob  es  geraten  ist,  die  Fragen  und  Antworten  lernen  zu  lassen,  oder
bloß  die  Antworten,  wird  verschieden  beantwortet.  Es  empfiehlt  sich  wohl,  die
Fragen  mitlernen  zu  lassen,  um  dadurch  den  Schüler  an  eine  vollständige  Hersagung
  des  Gelernten  selbständig  zu  gewöhnen.  Eine  vollständig  freie  Wiedergabe
  der  Katechismusantworten  würde  genügen,  aber  sie  bleibt  ein  zweifelhaftes
Ideal.  Ein  einziges  falsch  angebrachtes  Wort,  das  im  Gedächtnisse  des  Schülers
bleibt,  kann  gefährliche  Irrtümer  mit  sich  bringen.  Gerade  durch  das  wörtliche
  Merken  des  Katechismus  mit  Fragen  und  Antworten  wird  auch  am  besten
der  auf  den  oberen  Klassen  so  gerne  einreißenden  Zerfahrenheit  und  Flüchtigkeit
  im  Auffassen  und  Memorieren  vorgebeugt,  und  bei  der  Gedächtnisfähigkeit
des  zarten  Alters  wird  sicher  ein  Teil  der  gelernten  dogmatischen  Begriffe  auch
für  die  folgenden  Klassen  Eigentum  des  Schülers  bleiben.  Manche  Lehrer
haben  die  Gewohnheit,  je  eine  der  beiden  Wochenstunden  für  Katechismus  und
die  andere  für  die  biblische  Geschichte  zu  verwenden,  während  andere  jede
Religionsstunde  halb  für  Bibel  und  halb  für  Katechismus  ausnutzen.  Beides
läßt  sich  begründen;  das  Schülermaterial  ist  hier  sehr  zu  berücksichtigen.  Der
Lehrer  hat  beständig  Augenmerk  auf  die  Einteilung  des  Katechismus  zu  richten
und  den  Zusammenhang  der  einzelnen  Stoffpensen  zum  Ganzen  zu  beachten.

Kirchengeschichte.

Auf  ÖObertertia  setzt  die  Kirchengeschichte  ein.!)  Der  Katechismus  enthält
in  seinem  Anhange  einen  Abriß  der  Kirchengeschichte  Er  mag  gelegentlich
im  Unterrichte  der  unteren  Klassen  auch  wohl  einmal  in  fortlaufender  Lektüre
am  Ende  des  Semesters  verwertet  werden  können,  aber  in  seiner  konzentriert
eigenartigen  Form  ist  er  für  eine  eigentliche  Durchnahme  auf  diesen  Klassen
wohl  nicht  geeignet.  Auf  Öbertertia  soll  die  Kirchengeschichte  nach  ihren
bedeutensten  Perioden  und  hervorragendsten  Erscheinungen  in  Charakterbildern
vorgeführt  werden.  Geeignete  Bücher  fehlten  bisher  durchgängig.  Man  half
sich  vielfach  mit  Diktieren,  aber  Diktieren  ist  ein  Unding,  eine  pädagogische
Sünde,  geisttötend  und  zeitraubend.  Trotz  peinlichster  Sorgfalt  wird  ein  Diktat
selten  frei  von  Fehlern  bleiben.  In  den  letzten  Jahren  ist  von  den  Religionslehrern
auf  dem  Gebiete  der  Kirchengeschichte  mächtig  gearbeitet  worden,  und  es  liegen
jetzt  mehrere  Bücher  vor,  mit  denen  man  sich  helfen  kann.  Auch  der  Unterricht

1)  Vgl.  Katechetische  Monatsschrift  1891,  H.  1  u.  2,  Wedewer,  Der  Unterricht  in  der
Kirchengeschichte  an  unseren  Gymnasien,  und  das  Referat  hierüber  bei  Brunner-R.  1890.
8.29.  Walter  S.  62—88.