156  Carırame:  Katholischer  Religionsunterricht.

in  der  Kirchengeschichte  muB  anschaulich  und  von  lebendiger  Wärme  getragen
sein.  Auf  Zahlen  und  Einzelheiten  soll  kein  Gewicht  gelegt  werden.  Es  soll
die  Kirche  als  die  Stiftung  Christi,  für  Menschen  eingerichtet  und  von  Menschen
verwaltet,  aber  vom  Heiligen  Geiste  geleitet  dargestellt  und  das  unfehlbar  Göttliche
  trotz  des  menschlich  Wandel-  und  Fehlbaren  hervorgehoben  werden.  So
soll  der  Kirchengeschichtsunterricht  der  Hauptsache  nach  zur  Beleuchtung  und
Begründung  der  Glaubens-  und  Sittenlehre  dienen  und  somit  auch  direkt  für
das  religiöse  Leben  der  Schüler  dienstbar  gemacht  werden.  Das  wunderbare
Walten  Gottes  in  seiner  Kirche,  die  großartigen  weltbewegenden  Ereignisse,
die  sich  an  sie  und  mit  ihr  verknüpfen,  ihre  einzig  eigenartige  Stellung  und
Wirkung  in  der  Weltgeschichte,  ihre  hohe  kulturgeschichtliche  Bedeutung  werden
gewaltigen  Einfluß  auf  die  Jugend  machen  und  ihr  Liebe  zur  Braut  Christi
einflößen.  So  lernt  der  Schüler,  der  in  der  Dogmatik  Gott  als  seinen  Vater
kennen  gelernt,  die  Kirche  als  seine  Mutter  achten  und  lieben.  Es  muß  bei
der  Betrachtung  der  Kirche  immer  auf  ihren  Stifter  und  sein  Erlösungswerk
hingewiesen  und  so  die  Unvergänglichkeit  und  Unumgänglichkeit  der  Kirche
bewiesen,  umgekehrt  aber  auch  aus  der  Kirche,  ihren  Wirkungen,  ihrem  Fortbestande,
  ihren  Wundern  und  ihren  Heiligenleben  die  Gottheit  ihres  Stifters
dargetan  werden.  Die  Kirche  ist  das  Werk  Christi,  ja  ein  zweiter  Christus.
So  legt  sich  die  Parallele  zwischen  Christus  und  Kirche  von  selbst  nahe,  und
diese  Ähnlichkeiten  können,  zumal  in  ihren  Wirkungen  nicht  nur  nach  der
religiösen,  sondern  auch  nach  der  eigentlich  geschichtlichen  und  sozialpolitischen
Seite,  gebührend  berücksichtigt  werden.  Gerade  diese  Parallele  zwischen  der
Kirche  und  ihrem  Stifter  erklärt  das  Menschliche  und  Fehlbare  in  ihr  genügend,
  und  doch  wird  trotz  alledem  die  Kirche  als  makellose  Braut  Christi
dem  Schüler  lieb  und  ehrwürdig  dastehen.  Eine  so  klare  und  wahrheitsgemäße
Berücksichtigung  der  Kirche  und  ihres  Wirkens  wird  leicht  den  Schüler  zum
weiteren  Studium  gerade  auf  diesem  Gebiete  anregen  und  frühzeitig  seinen
Blick  schärfen  für  die  verschiedensten  Vorgänge  in  Welt  und  Staaten.)  So
leitet’  die  Kirchengeschichte  auf  einen  Wandel  nach  Gottes  Vorschrift  hin;  so
zeigt  sie  sich  als  ein  Ringen  der  Menschheit  nach  der  Ewigkeit  und  Seligkeit.
Hierbei  soll  der  Schüler  besonders  auf  die  großartigen  Heiligengestalten,  namentlich
  durch  immer  wieder  erneuerte  Hinweise  auf  das  Beispiel  der  Jugend-  und
Studienpatrone  aufmerksam  gemacht  werden.

In  der  Kirchengeschichte  wird  der  Religionslehrer  auf  den  oberen  Klassen
eine  heilige  und  gewaltige  Aufgabe  haben.)  Die  Geschichte  der  Kirche  ist

1)  Vgl.  MB.  I.  8:  ‘Der  kirchengeschichtliche  Unterricht  auf  den  unteren  Klassen’.
I.  2,  3:  ‘Die  Behandlung  der  Kirchengeschichte  auf  den  oberen  Klassen’.  I.  4:  “Der  kirchengeschichtliche
  Unterricht  auf  Obertertia’.  V.4:  “Kirchengeschichtliche  Charakterbilder  auf
Obertertia’.  I.  5:  “Über  den  Wert  der  griechischen  und  lateinischen  Kirchenväter  bei  der
klassischen  Erziehung’.  IV.  11,  12:  “Kirchengeschichte  im  Geschichtsunterrichte’.

r)  Wie  man  den  kirchengeschichtlichen  Unterricht  verteilt,  ob  in  ununterbrochener
Methode  oder  in  getrennten  Jahresabschnitten  neben  Dogmatik  und  Moral,  hat  seine  beiden
Seiten.  Am  besten  entspricht  ein  paralleler  Unterrichtsgang,  wie  die  meisten  Lehrpläne
dies  auch  empfehlen.  Brunner-R.  1890.  S.  29.  80.  Vgl.  S.  157  Anm.  2.