Kirchengeschichte,  die  oberen  Klassen.  .  157

ihre  beste  Apologie.  Aber  sie  war  und  bleibt  von  allen  :Seiten  bestürmt.  Die
mannigfachsten  Urteile,  so  schief  und  unsinnig  sie  sein  mögen,  treten  dem
Schüler  von  den  verschiedensten  Seiten  entgegen.  Sie  müssen  richtiggestellt
werden.  Ob  diese  Seite  der  Kirchengeschichte  einfach  nach  der  positiven  oder
apologetischen  Seite  stattfinde,  wird  nach  den  jeweiligen  Verhältnissen,  besonders
  nach  dem  Schülermaterial,  zu  beurteilen  sein.  Wo  wirkliche  Fehler  in  der
Kirchengeschichte  vorkommen,  wird  die  einfache  Wahrheit  auf  die  Schüler
einen  tiefen  Eindruck  nicht  verfehlen.  Gerade  das  Menschliche  in  der  Kirche,
das  wir  nicht  leugnen  sollen  und  können,  zeigt  die  leitende  göttliche  Kraft.
Auf  den  oberen  Klassen  soll  der  Religionslehrer  die  Kirchengeschichte  mit  der
Profangeschichte  vergleichen  und  verwirken.  Hierzu  wird  oft  große  Vorbereitung
  nötig  sein,  aber  es  ist  im  Interesse  der  Sache.  Gutes  Einvernehmen
mit  dem  Geschichtslehrer  ist  durchaus  vonnöten.')

Die  oberen  Klassen.

Auf  den  oberen  Klassen  ist  der  Lehrbetrieb  ein  erweiterter  und  in  mancher
  Hinsicht  recht  schwer.  Das  Verständnis  der  Schüler  ist  gereift,  ihre  Auffassung
  kritisch  geworden.  Und  die  Schwierigkeit  beginnt  schon  dadurch,  daß
durchgehends  die  schwer  verständliche  Apologetik  den  Anfang  auf  Untersekunda
macht.)  Hier  muß  Einfachheit,  Klarheit  und  Anschaulichkeit  verbunden  mit
apostolischer  Geduld  und  Herablassung  den  Lehrer  beständig  leiten;  sonst  geht
sein  Unterricht  über  die  Köpfe  hinweg  und  an  den  Herzen  vorbei.  Die  Bestimmung
  über  die  Religion,  ihre  Einteilung  in  natürliche  und  übernatärliche,
die  Gottesbeweise,  die  Abhandlungen  über  die  Offenbarung  u.  a.  sind  äußerst
schwere  und  meist  unverstandene  Materien.  Der  Lehrer  kann  hier  wohl  nicht
tief  genug  zu  den  Schülern  hinabsteigen  und  nicht  oft  genug,  aber  stets  nach
möglichst  anderen  Gesichtspunkten,  alle  diese  Fragen  beleuchten.  Die  Lehrbücher
  lassen  ihn  meistens  gerade  in  diesen  Punkten  im  Stiche,  und  erfahrungsgemäß
  ist  oft  die  erste  Zeit  während  dieses  Unterrichtes  für  die  Schüler  eine
recht  sorgenschwere,  weil  hier  ungeahnte,  folgenschwere  Einwendungen  gegen
die  heiligen  Wahrheiten  erhoben  und  in  den  Lehrbüchern  durchgängig  allzu  breitgetreten
  werden,  während  die  Schüler  bisher,  trotz  so  manchem,  was  sie  sahen,
hörten  und  lasen,  doch  die  christlichen  Wahrheiten  immer  noch  mit  der  Glaubenseinfalt
  das  Jugendalters  hingenommen  haben.  Aber  dieser  Kampf  und  die
Glaubensprobe  wird  dem  Schüler  wohl  niemals  ganz  erspart  werden  können.
Auch  bei  der  Darlegung  der  Geschichte  der  Offenbarung  und  ihrer  Quellen

ı)  Bei  der  Kirchengeschichte  wird  auch  der  Platz  sein,  auf  “Geschichtslügen’  einzugehen
  und  sie  ruhig  zurückzuweisen.  Gute  Dienste  leisten  hierbei  die  beiden  Werke  über
die  ‘Geschichtslügen’,  wie  sie  bei  Schöningh-Paderborn  und  Fredebeul-Koenen  in  Essen  erschienen
  sind.  Auch  die  “Jesuitenfabeln’  von  Duhr  werden  nötigenfalls  dem  Lehrer  gute
Dienste  leisten.

*)  In  Bayern  wird  die  Apologetik  auf  der  letzten  Klasse  durchgenommen.  Vgl.  Walter
8.  86—38.  In  Österreich  wird  für  die  oberste  Klasse  die  apologetische  Behandlung  der
Kirchengeschichte  vorgeschrieben,  aber  Grimmich  verlegt  aus  den  verschiedensten  Gründen
  die  eigentliche  Apologetik  auf  die  letzte  Klasse.  Vgl.  Grimmich  8.  87  ff.