158  Carırame:  Katholischer  Religionsunterricht.

führen  die  modernen  Lehrbücher  und  zwar  mit  Recht  die  wichtigsten  Einwände
gegen  dieselben  an,  und  der  Lehrer  wird  sie  berücksichtigen  müssen.  Sind  die
Schüler  einmal  mit  dem  Geiste  ihres  Lehrbuches  und  mit  den  Zielen  des
Religionslehrers  vertraut,  dann  hat  allerdings  auch  gerade  dieser  apologetische
Unterricht  in  dem  ganzen  Jahre  viel  Erfreuliches  und  gewährt  Anlaß  zu  den
herrlichsten  und  ergreifendsten  Ausführungen.  Es  muß  aber  auch  hier  fortwährend
  der  Gesamtinhalt  des  Lehrthemas  betont,  und  die  einzelnen  Unterrichtsthemata
  müssen  in  ihrem  Zusammenhange  ständig  berücksichtigt  werden.

Apologetik.

Seit  dem  letzten  vatikanischen  Konzil  hat  die  Apologetik  besondere  Bedeutung
  für  die  Schulen  erlangt.  Die  neueren  kirchlichen  Lehrverkündigungen
verwerfen  die  Zeitirrtümer  und  betonen  dringend  die  Notwendigkeit  dieser  Disziplin.e.
  Aber  über  die  Art  und  Weise,  wie  die  Apologetik  auf  den  höheren
Schulen  gelehrt  werden  soll,  lassen  sie  freie  Hand.!)  Systematische  oder  okkasionelle
  Apologetik  war  vielfach  die  Frage.  Gewiß,  der  ganze  Religionsunterricht,
  von  unten  angefangen  bis  zum  Abschlusse  auf  Prima,  muß  apologetisches
Gepräge  tragen,  aber  die  Schüler  brauchen  es  nicht  immer  zu  merken.)  Die
systematische  Apologetik  bringt  dem  Schüler  große  Schwierigkeiten,  aber  wir
möchten  sie  nicht  entbehren.  Freilich  der  Religionslehrer  kann  sie  nicht  so
eingehend  behandeln,  wie  sie  auf  der  Universität  behandelt  wird,  und  es  geht
mit  der  unnötigen  Hervorhebung  der  Einwände  und  Glaubenszweifel  viel  Zeit
verloren.  Doch  trotz  all  dieser  Schwierigkeiten  muß  auch  bei  der  Behandlung
der  Apologetik  den  Schülern  ‘die  Religion  ein  liebenswürdiges  Fach  bleiben,
auch  durch  die  leichte  Art,  mit  welcher  sie  dieselbe  bemeistern’.?)

Dogmatik.

So  sind  die  Schüler  für  die  Dogmatik  vorbereitet.  Das  Untersekundathema
stützt  sich  auf  die  Vernunft  und  begründet  durch  sie  die  Offenbarung.  So
lernte  der  Schüler  die  Kirche  als  eine  von  Gott  gegründete  und  von  Gottes
Geiste  geleitete  Heilsanstalt  kennen;  so  lernte  er  die  heiligen  Bücher  des  Alten
und  Neuen  Testaments  in  ihrer  Gesamtheit  als  von  Gott  eingegebene,  inspirierte,
also  als  wahre  und  beweiskräftige  Glaubensquellen  verehren;  und  so  weiß  er,

ı)  Brunner-R.  1890.  8.  25.  Vgl.  “Studien  zur  Religionsunterrichtefrage’,  Wien  1884,
und  ‘Zur  Reform  des  katholischen  Religionsunterrichtes’.  Gladbach  1882,  sowie  die  Kritik
dieser  beiden  zum  Betrieb  der  Apologetik  praktische  Anweisungen  gebenden  Broschüren  bei
Brunnera.a.0.  Grimmich  120.  MB.  I.  12:  “Über  die  Methode  des  apologetischen  Unterrichtes
an  den  Mittelschulen’.  I.  1—6:  “Der  apologetische  Unterricht  auf  den  oberen  Klassen’.
V.8,4:  ‘Die  Apologetik  auf  der  Untersekunda’.  I.  10,  11:  “Behandlung  der  Weltschöpfung
im  apologetischen  Unterrichte  auf  der  Oberstufe  des  Gymnasiums’.

7)  Brunner  a.  8.0.  25.  Brunner  verwirft  die  Apologetik  als  Fach  (9.  26).  In  der  Tat
vermissen  wir  ja  auch  bei  dem  bayerischen  bischöflichen  Lehrbuche  die  Apologetik.  Dort
werden  nur  einzelne  Teile  gelegentlich  apologetisch  verwertet;  doch  ist  neuerdings  eine
eigene  Apologetik  dazu  erschienen,  ein  Zeichen,  daß  die  Apologetik  doch  auch  nach  systematischer
  Behandlung  verlangt.  (Koch,  Hilfs-  u.  Lesebuch  z.  apol.  Unterr.  München.)

®,  Brunner  a.  a.  0.  9.  25.