Apologetik,  Dogmatik,  Moral.  159

daß  er  alles,  was  die  Kirche  aus  den  Glaubensquellen  bezüglich  der  Glaubensund
  Sittenlehre  ihm  zu  glauben  und  zu  halten  vorschreibt,  als  glaubwürdig  und
wahr  zu  betrachten  hat,  und  hierzu  fühlt  er  sich  in  seinem  Gewissen  berechtigt
und  verpflichtet.  Der  Inhalt  der  Glaubenslehre  ist  für  den  Schüler  nicht  neu,
Thema  und  Begründung  hat  er  schon  auf  den  unteren  und  mittleren  Klassen
gehört.  Allerdings  wird  nun  dieser  Unterricht  erweitert  und  vertieft.  Es
würde  auch  jetzt  genügen,  wenn  einfach  der  alte  Stoff,  wie  er  im  apostolischen
Symbolum  enthalten  ist,  in  dieser  kurzen  Zusammenstellung  vorgeführt,  erklärt
und  begründet  würde,  wie  es  zumeist  auch  in  früheren  Zeiten  selbst  für  erwachsene
  Schüler  geschah,  aber  heute,  wo  die  Prinzipien  der  Religion  Gegenstand
  heftigster  Angriffe  sind,  muß  der  Religionslehrer  weiter  ausholen  und
apologetisch  begründen.  Die  Hohlheit  moderner  Schlagwörter  und  die  Nichtigkeit
  antireligiöser  Einwände  müssen  gezeigt  und  der  Glaube  in  seinem  alten
Besitze,  in  seiner  stillen  erhabenen  Majestät  und  in  ewig  sich  gleichbleibender
Wahrhaftigkeit  gezeigt  werden.  Nach  allen  Seiten  liefert  die  Dogmatik  wieder
Ausblicke,  und  durch  die  mannigfachsten  im  Profanunterrichte  beleuchteten
Fächer  kann  dieses  erweitert  und  beleuchtet  werden.  Mit  allzu  entlegenen
Fragen  über  Religionsphilosophie,  Geologie,  Kosmogonie,  Anthropologie  u.  a.
soll  auch  hier  keine  Zeit  vergeudet,  und  etwa  berechtigte  Fragen  über  diese
Punkte  mögen  nur  so  weit  behandelt  werden,  als  sie  den  jeweilig  maßgebenden
Umständen  oder  dem  Zusammenhange  des  Ganzen  förderlich  sind.  Auch  hier
ist  Einfachheit  und  Klarheit  Hauptsache.  Für  rein  trockene  wissenschaftliche
Auffassung  und  Lehrdarstellung  sind  die  Schüler  noch  nicht  reif.  Wohl  sollen
auch,  wo  es  angeht,  natürliche  Vergleiche  und  rationelle  Gründe  als  Beweise
angegeben  werden,  aber  der  Schüler  lerne,  daß  es  sich  hier  um  übernatürliche
Wahrheiten  handelt,  die  wir  eben  deshalb  wissen,  weil  sie  geoffenbart  sind.
Bei  den  Geheimnissen  muß  der  Lehrer  genau  die  Schranken  des  Erfaßbaren
und  des  Unbegreiflichen  ziehen.  Hinweise  auf  die  Geheimnisse  in  Welt  und
Natur  beleuchten  hier  den  Unterricht  vorteilhaft.)  Die  Dogmatik  ist  die  Voraussetzung
  des  richtigen  praktischen  Lebens.  Es  sollen  daher  auch  gleich  bei
Durchnahme  der  einzelnen  Glaubenswahrheiten  die  entsprechenden  sittlichen
Folgerungen  und  Nutzanwendungen  gezogen  werden,  wie  das  auch  der  Katechismus
  bei  den  einzelnen  Partien  seiner  dogmatischen  Ausführungen  tut.  Dabei
sieht  der  Schüler,  wie  das  ganze  religiöse  Leben  und  Denken  aus  einer  und  derselben
übernatürlichen  Quelle  wächst;  so  wird  der  Unterricht  praktisch  und  fruchtbar.

Moral.

Das  Prüfungsmittel  jeder  Weltanschauung  ist  die  Moral.  Die  Moral  ent
scheidet  daher  über  die  Haltbarkeit  oder  Haltlosigkeit  jeglicher  Auffassung.
Sie  ist  die  Krone  des  ganzen  religiösen  Unterrichts.  Daher  ist  sie  auch  mit  Recht
auf  die  oberste  Stufe  gelegt.  Der  moderne  Kampf  gegen  die  Kirche  pocht  an
ihre  Grundfesten,  man  will  Christentum  und  Bibel  zerstören,  aber  ob  der  Neu-1)

  Vgl.  Walter  S.  89.