Moral;  Neben-  und  Hilfsfächer.  161

her  die  Lehrbücher  allzuwenig  Rücksicht  genommen,  und  doch  schwemmte
gerade  eine  ungeheuere  Flut  sozialistischer,  kommunistischer  und  revolutionärer
Gefahren  gegen  Jugend  und  Schule  heran.

Neben-  und  Hilfsfächer.

Neben  diesen  Hauptpunkten  greifen  manche  Hilfsfächer  in  den  Religionsunterricht
  ein.  So  zunächst  in  den  biblischen  Geschichtsunterricht  die  Geographie
  Palästinas.  Der  Schüler  sieht,  daß  alle  Orte,  deren  Namen  er  hört,
wirklich  existieren  und  nicht  wie  in  Märchenerzählungen  irgendwo  in  der  Luft
schweben.  Sehr  gut  ist  auch  die  Hinweisung  auf  die  Sitten  und  Gebräuche  im
Morgenlande;  aber  für  alle  diese  geographischen!)  und  kulturgeschichtlichen  Hinweise
  wird  nur  wenig  Zeit  zur  Verfügung  stehen,  und  man  wird  sich  mit  dem
Nötigsten  begnügen  müssen.  Eine  Reihe  vorzüglicher  Anschauungsmittel?)  hat
die  moderne  Pädagogik  ausfindig  gemacht,  und  der  Religionslehrer  wird  sie
praktisch  verwerten,  allerdings  bescheiden  und  mit  gebührender  Rücksicht  auf
die  ohnehin  beschränkte  Zeit.  Sehr  wichtig  ist  die  fortwährende  Rücksichtnahme
  auf  den  Geist  und  das  Leben  der  Kirche.  Die  Gebete  der  Christen,  die
hauptsächlichsten  offiziellen  Gebete  der  Kirche,  ihre  liebsten  Psalmen,  ihre
schönsten  Hymnen°),  die  Bedeutung  und  Einteilung  des  Kirchenjahres,  die  Feier
ihrer  Zeiten  und  Feste,  die  Pracht  ihrer  Zeremonien  bei  Opfer  und  Sakramentenspendung,
  die  wechselnde  Großartigkeit  der  Baustilet),  die  Einheitlichkeit
  ihrer  Liturgie®)  und  Sprache,  all  dieses  sind  Punkte,  die  fortwährend  neben
dem  gewöhnlichen  Unterrichte  berücksichtigt  werden  wollen.  Die  Einübung
der  Gebete,  die  fortwährende  Repetition  über  Beichte  und  Kommunion  kann
bis  zu  den  oberen  Klassen  nicht  genug  betont  werden.  Bei  den  verschiedenen
Abschnitten  des  Lehrstoffes,  aber  such  bei  dem  Wechsel  der  Zeiten  und  Feste
empfiehlt  sich  die  Durchnahme  einiger  Lieder  und  Hymnen.  Allzuleicht  bleiben
bei  der  Überfülle  des  Stoffes  die  herrlichen  alten  Lieder,  die  großartigen  Hymnen
und  Segnungen  unberücksichtigt,  und  die  Jugend  singt  sie  jahraus,  jahrein,
ohne  ihren  tiefen  dogmatischen  Gehalt  zu  ahnen.  Für  das  Leben  der  Kirche
muß  durch  fortwährende  Hinweise  auf  die  Liturgik  von  früh  an  dem  Schüler
Verständnis  beigebracht  werden.  Die  Gebete  der  Kirche  bei  Segnung  der
Kerzen,  des  Weihwassers,  die  Gebete  bei  Spendung  der  Taufe,  der  Buße,  der
letzten  Ölung,  die  Sterbegebete,  die  Meßgebete,  die  Psalmen  der  Vesper  und
Complet,  das  Requiem,  einige  Litaneien  und  andere  liturgische  Gebete,  wie  sie
bei  den  verschiedenen  Festzeiten  oder  bei  besonderen  Anlässen,  z.  B.  Jubiläum,

1)  Vgl.  MB.  II.  2:  ‘Einige  Gedanken  über  biblische  Geographie  im  Religionsunterricht’.

*)  Liturgische  Wandtafeln  MB.  1804.  8.310.  Rauschen,  Florilegium  das.  9.  311.  Vgl.
die  Abhandlung  von  Schumacher  in  MB.  III.  1—6:  “Anschauungsmittel  für  den  Religionsunterricht’.
  IV.  6.  7:  “Die  Verwertung  der  Katakombenbilder’.  Spirago  S.  118  ff.

®)  MB.  U.  7:  ‘Die  christliche  Hymnenpoesie  im  Gymnasialunterrichte’”.  I.  5:  ‘Das
deutsche  Kirchenlied  im  Religionsunterrichte  der  höheren  Schulen’.  II.  3:  ‘Zur  Behandlung
des  Kirchenliedes’.  %  Walter  S.  91.  6,  MB.  1.  8:  “Die  Liturgik  im  Religionsunterricht
  der  höheren  Lehranstalten’.  II.  3:  ‘Die  Symbolik  des  christlichen  Gotteshauses’.

Handbuch  für  Lehrer  höherer  Schulen.  11