162  Cirıtame:  Katholischer  Religionsunterricht.

Firmung,  Todesfall  u.  a.  sich  von  selbst  nahelegen,  werden  dem  Schüler  Liebe
abgewinnen  und  sind  besonders  auf  Prima  bei  Durchnahme  der  Sakramente  und
Sakramentalien  eine  sehr  willkommene  Beleuchtung  der  Dogmatik.  Die  unteren
Klassen  werden  dankbar  sein  für  nähere  Belehrungen  über  das  Gotteshaus,
seine  Einrichtung  und  Geräte,  die  priesterlichen  Gewänder,  die  liturgischen
Farben  und  besonders  für  die  Lebensbeschreibung  der  Heiligen,  die  das  Kirchenjahr
  gerade  vorführt.  Dieser  liturgische  Unterricht  soll  fortwährend  den  regelmäßigen
  Unterricht  begleiten  und  erläutern  Hierdurch  werden  zugleich  auf
den  mittleren  und  oberen  Klassen  die  Schüler  in  die  Sprache  der  Kirche  eingeführt.?)

Die  Methode.

Wohl  kein  Schüler  kommt  ganz  ohne  irgendwelche  religiösen  Kenntnisse
in  die  Schule.  Da  kann  das  Alte  verwertet,  und  es  soll  auf  ihm  das  Neue
aufgebaut  werden.  Wenn  irgendwie,  dann  tritt  gerade  im  Religionsunterricht
die  Eigenart  und  Persönlichkeit  des  Lehrers  hervor,  und  da  der  Religionslehrer
gerade  das  Gemüt  des  Schülers  ergreifen  soll,  so  wird  jeder  Lehrer  zumeist
nach  der  Eigenart  seiner  Anlage  und  Lehrkunst  auch  eine  vorwiegend  eigene
Methode  einschlagen.  Aber  dennoch  wäre  es  töricht,  sich  ganz  auf  seine  Eigenart
  und  natürliche  Lehrgeschicklichkeit  zu  verlassen.  Viele  große  Erfahrungen
sind  doch  andererseits  gesammelt  worden;  diese  sollen  geprüft  und  mit  der  eigenen
  Methode  zusammengearbeitet  werden.  Diese  anderweitigen  Belehrungen
schärfen  den  Blick  des  Lehrers,  erhöhen  seinen  Eifer,  fördern  seine  Tätigkeit
und  beleben  sein  Gewissen,  welches  ihn  fortwährend  in  neue  Kontrolle  nimmt  und
ihn  zwingt,  immer  an  der  Vervollkommnung  seines  Lehrverfahrens  zu  arbeiten.?)

Über  die  grundlegende  Art  des  Unterrichtes,  ob  analytisch,  ob  synthetisch,
sind  die  Meinungen  immer  noch  verschieden.  Allgemein  gilt  wohl:  Analytisch,
wenn  nötig,  synthetisch,  wenn  möglich.)  Die  schwersten  Kapitel  des  Katechismus
  sind  analytisch,  doch  meist  wird  man  beide  Arten  des  Unterrichtes  zweckmäßig
  vereinigen  können.)

1)  Gegenüber  den  (vgl.  MB.  1905.  3,  4)  mehrfach  geäußerten  Stimmen  und  geplanten
Einrichtungen  einer  Übersetzung  und  Auswahl  der  Bibel  wird  andererseits  die  Benutzung
des  vollständigen  Neuen  Testamentes  in  griechischer,  lateinischer  oder  wenigstens
deutscher  Sprache  empfohlen.  Schiller  hält  3.  286  die  ganze  Lektüre  von  Evangelien  und
Briefen  aus  dem  Neuen  Testament  für  zwecklos  und  empfiehlt  nur  gelegentliche  Benutzung.
  Vgl.  MB.  II.  1:  “Über  Kenntnis  und  Studium  der  Hl.  Schrift  an  den  höheren
Lehranstalten’.  V.  2:  “Die  Stellung  der  katholischen  Kirche  zum  Gebrauche  der  Bibel  in
Schule  und  Haus,  in  Vergangenheit  und  Gegenwart’.

?,  Über  die  Behandlung  des  Unterrichtes  und  dessen  Methode  vgl.  Matthias  8.80.  Über
Mißgriffe  in  didaktischer  Beziehung  vgl.  Schrader  S.  309-812.  Vgl.  auch  die  methodischen
Bemerkungen  zu  den  preußischen  Lehrplänen.

°,  So  Willmann,  Grimmich.  Sehr  richtig  sagt  Schiller  S.  284:  Die  Religion  ‘ist  Sache
der  Erkenntnis,  aber  auch  Sache  des  Willens,  und  deshalb  soll  der  ganze  Mensch  durch  sie
gebildet  und  veredelt  werden.  Daher  ist  es  auch  falsch,  nur  eine  Methode  anwenden  zu
wollen,  sondern  alle  drei  Methoden  müssen  stets  vereinigt  werden.’

“)  Vgl.  MB.  1.  2,  8:  “Methode  des  katholischen  Religionsunterrichts  auf  der  unteren,
mittleren  und  höheren  Stufe  der  Lehranstalten’.  I.  1,  2,  8,  4,  7:  ‘Der  Religionsunterricht