Die  Methode.  163

Der  ganze  Unterricht,  wie  er  immer  sein  möge,  soll  anschaulich  sein.)
Die  Sprache,  der  Vortrag,  die  Ausdrucksweise  des  Lehrers  soll  dem  jeweiligen
Thema  und  dem  Standpunkte  der  Klasse  entsprechen.  Das  erste  Hauptgewicht
fällt  auf  den  Vortrag  des  Lehrers.  Dieser  wird  in  einigen  Worten  Inhalt  und
Ziel  seines  Themas  angeben  und  sich  dann  —  möglichst  —  in  freiem  Vortrage
  über  dasselbe  verbreiten.  Die  Disposition,  wo  eine  solche  vorhanden,  kann
vorher  kurz  angegeben,  oder  auch  nach  Beendigung  des  Vortrages  herausgeschält
  werden.  Darnach  wird  —  je  nach  Art  des  Stoffes  und  Buches  öfter  oder
seltener  —  das  Erklärte,  und  zwar  auf  jeder  Klasse,  im  Buche  gelesen.?)
Diese  Methode  gilt  für  alle  Fächer.  Es  könnte  fraglich  scheinen,  ob  die  nachherige
  Lesung,  besonders  auf  den  oberen  Klassen,  nicht  unnötig  und  Zeitverlust
sei.  Aber  bei  dem  gedrängten  und  abgerundeten  Vortrage  des  Lehrers  werden
oft  genug  einzelne  Ausdrücke  des  Buches  nicht  genügend  gewürdigt  werden
können.  Der  Lehrer  wird  beim  Lesen  der  Schüler  merken,  was  hier  noch  zu
erklären  ist,  dann  zeigt  sich  auch,  daß  die  in  den  meisten  Büchern  verwerteten
fremdsprachlichen  Zitate  regelmäßig  von  den  Schülern  übergangen  und  meistens
nicht  verstanden  werden.  Sollen  sie  also  dem  Zwecke  des  Lehrbuches  entsprechen,
  dann  müssen  sie  gelesen,  übersetzt  und  erklärt  werden.  Auch  die
ethymologischen  Erklärungen  sind  recht  wichtig,  und  man  soll  sie  niemals
unterlassen.  °)

Jede  Stunde  muß  als  einheitliches  Ganzes  mit  bestimmtem,  festumgrenztem
Lehrziel  betrachtet  werden,  und  die  Zeit  ist  so  auszunutzen,  daß  jedesmal  dieses
Ziel  erreicht  und  einesteils  die  Einheitlichkeit  gewahrt,  anderenteils  aber  auch
die  Zusammengehörigkeit  des  Stundenpensums  zum  ganzen  Lehrthema  beleuchtet
wird.  Die  Geschjcklichkeit  des  Lehrers  wird  hier  in  vielen  Fällen  kürzen,  erweitern,
  überhaupt  modulieren  müssen.  Wo  das  Lehrbuch  nicht  ausreicht,  und
die  Fassungskraft  der  Schüler  erschlafft,  wird  der  Lehrer  doppelte  Mühe  auf
seinen  Vortrag  legen  müssen,  aber  niemals  gewöhne  er  sich  ans  Diktieren,  und
niemals  dulde  er  Nachschreiben.  Das  lebendige  Wort  des  Lehrers,  sein  Unterricht
  selbst  muß  wirken,  und  wenn  der  Schüler  darnach  die  Hauptpunkte  im
Buche  studiert  und  behält,  dann  weiß  er  genug.)  Die  Anforderungen  an  den

auf  den  oberen  Klassen’.  IV.  9,  10:  “Der  Religionsunterricht  an  unseren  Gymnasien’  (Referat
  über  Grimmigs  Werk).  Walter  empfiehlt  für  die  oberen  Klassen  die  sog.  “induktive,
auf  eigener  Tätigkeit  der  Schüler  beruhende  und  zu  solcher  anleitende’  Methode.  S.  19.
Allerdings,  und  durch  sie  wird  der  Schüler  ‘zu  eigenem  Finden  und  Urteilen,  zu  selbsttätigem
  Vergleichen  und  Schätzen,  zu  selbständigem  Studium  auf  religiösem  Gebiete  gebracht’.
  Vgl.  MB.  II.  6:  “Über  Apperzeption  im  Religionsunterricht”.  MB.  1905,  5—7:
‘Analyse  und  Synthese  im  Religionsunterrichte’.  Lit.  Handw.  1905  Nr.  11—15:  “Beschaffenheit
  und  Wert  unserer  zeitgenössischen  Katechetik’.  1)  MB.  1.  3—5:  ‘Katalog  der
Lehr-  und  Hilfsmittel  zum  Religionseunterricht  an  Mittelschulen’.

#  Schrader  8.  819  eifert  dagegen,  daß  der  Bibelunterricht  mit  dem  Lesen  dureh  die
Schüler  geschehe.  Diese  sind  noch  nicht  im  Lesen  geübt,  und  so  geht  der  lebendige  Eindruck
  des  Wortes  Gottes  verloren,  und  das  lebendige  Wort  des  Lehrers  bleibt  ohne  Einwirkung.
  Walter  will  die  biblische  Geschichte  erst  lesen  und  dann  erklären  lassen.  9.  16.
Das  Umgekehrte  ist  entschieden  besser.

%  Vgl.  Walter  S.  40.  %  Vgl.  Walter  8.  128.  188.  Vgl.  oben  S.  1586.

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