164  Carırame:  Katholischer  Religionsunterricht.

Lernfleiß  der  Schüler  wird  man  nach  der  Schule  und  ihrem  Schülermaterial
beurteilen  müssen.  Der  Katechismus  wird  verschieden  gelernt.  Manche  Lehrer
stellen  selbst  oder  durch  einen  Schüler  die  Fragen  und  lassen  die  Antwort
durch  den  Schüler  geben,  andere  lassen  die  Antworten  allein  lernen  und
hintereinander  vom  Schüler  aufsagen;  andere  lassen  Fragen  und  Antworten  vom
Schüler  allein  hintereinander  sagen.  Letzte  Methode  scheint  die  beste  und  ist,
weil  sie  das  Lernen  und  logische  Denken  erleichtert,  wohl  zu  empfehlen.  Es
empfiehlt  sich  auch,  den  Katechismus  wörtlich  lernen  zu  lassen,  weil  die  Stellung
eines  Wortes,  die  falsche  Wahl  eines  Ausdrucks  schon  einen  schweren  Irrtum
begründen  können.  Bei  dem  folgenden  summarischen  Fragen  kann  und  soll  der
Schüler  auch  in  freiem  Wortlaute  sein  Pensum  erfassen,  aber  die  einzelnen
Wahrheiten  sollen  möglichst  in  der  Form  in  sein  Gedächtnis  übergehen,  wie  sie
der  Katechismus  enthält.)  Die  Bibel  braucht  nur  inhaltlich  gelernt  zu  werden;
je  enger  aber  der  Schüler  sich  an  die  Sprache  des  Buches  anschließt,  desto
besser  wird  es  sein.  Einige  hervortretende  Stellen,  messianische  Weissagungen,
Texte  aus  den  Reden  Jesu  und  tiber  die  Einsetzung  der  Sakramente  wörtlich.
Alle  Definitionen  sollen  so  genau  erklärt  und  so  lange  eingeschärft  werden,  bis
sie  ohne  allzugroße  Mühe  wörtlich  gelernt  werden  können.  Die  oberen  Klassen
sollen  den  Schüler  zum  freien  Vortrag  anleiten,  deshalb  darf  hier  durchaus  nicht
wörtlich  gelernt,  sondern  es  sollen  nur  die  Definitionen  und  Hauptbelegstellen
wörtlich  gemerkt  werden.  Immerhin  muß  Altes  mit  Neuem  verwoben,  immer
muß  auf  das  Thema  der  früheren  Klassen  aufgebaut,  und  immer  wieder  der
leitende  Gedankengang  in  dem  ganzen  Lehrsysteme  der  Religionslehre  hervorgehoben
  werden.  Elementer  und  anschaulich  sei  jede  Erklärung  auf  allen
Klassen.  Fortwährendes  Fragen,  Erklären  und  Nachhelfen  igt  auf  jeder  Stufe
unerläßlich.”  Die  ganze  Klasse  muß  stets  mitbeschäftigt  sein,  und  jeder  muB
gewärtig  sein,  in  jedem  Augenblick  gefragt  werden  zu  können.  Der  Stoff  in
den  einzelnen  Lehrpensen  ist  zu  groß;  da  dürfen  wohl  die  leichteren  und  für
das  Ganze  weniger  wichtigen  Punkte  nur  kurz  beleuchtet  und  in  der  Klasse
gelesen  werden.  Der  Schüler,  der  den  Zusammenhang  des  Ganzen,  trotz  aller
Erklärung,  niemals  ganz  versteht,  wird  es  nicht  fassen,  daß  man  in  seinem
Buche  einzelne  Teile  ganz  überschlägt.  So  aber  lernt  er  das  ganze  Buch  in
seinem  Zusammenhange  kennen.  Im  ganzen  Unterricht  wird  der  Lehrer  oft
genug  nicht  eine  so  allseitige  und  erschöpfende  Erklärung  geben  können,  wie
die  Theorie  der  Pädagogik  sie  verlangt;  da  genügt  es,  das  Wichtigste  zu  erklären,
  denn  der  Zusammenhang  und  die  Entwicklung  der  notwendigsten  dogmatischen
  und  ethischen  Ableitungen  bleibt  Hauptsache.  Hauptgewicht  soll
auch  auf  die  Entwicklung  der  Charaktere,  sowohl  der  guten  wie  der  bösen,
gelegt  werden.  Die  Lehren  des  Katechismus  als  Grundlage  von  allem  können
nicht  genug  betont  werden.  Der  Erfolg  des  Unterrichtes  beruht  zumeist  auf
der  Tätigkeit  des  Lehrers  und  der  Arbeit  in  der  Schule;?)  dann  muß  es  genügen,
  wenn  der  Schüler  zu  Hause  einige  Male  sein  Pensum  aufmerksam  durch-1)

  Vgl.  oben  8.  154.  »)  Walter  8.  96.