Methode;  Lehrbuch.  165

liest;  mehr  wie  eine  Viertelstunde  soll  er  nie  für  die  Religionsstunde  zu  arbeiten
haben.  Repetitionen  in  der  Klasse  und  zu  Hause  sollen  deu  Schülern  nicht  erspart
bleiben.  Die  von  Walter  empfohlenen,  größeren  Repetitionen  am  Schlusse  eines
jeden  Semesters  oder  am  Beginne  eines  Schuljahres  über  das  Pensum  des  vergangenen
  Jahres!)  scheinen  doch  aus  manchen  Gründen  unmöglich.  Wo  sie
möglich  sind,  sind  sie  gewiß  von  Segen,  aber  hier  muß  der  Lehrer  doch  selbst
wieder  die  Hauptarbeit  übernehmen:  er  muß  Zusammenhang  und  Inhalt  erklären,
  und  die  Repetition  soll  nur  in  Fragen  und  Antworten  bestehen.  Schriftliche
  Arbeiten  sind  gut,  können  aber  nicht  allgemein  vorgeschrieben  werden.?)
Überhaupt  kommt  es  beim  ganzen  Religionsunterricht  nicht  so  sehr  darauf  an,
daß  die  Schüler  alles,  was  sie  jemals  im  Unterricht  gelernt  und  dort  begründet
gesehen  haben,  auch  später  wortgetreu  wiederholen  und  ausführlich  begründen
können;  es  genügt,  wenn  sie  gerne  Religionsunterricht  haben  und  für  die  religiöse
  Pflichterfüllung  gewonnen  sind.)  Gleichwohl  wird  der  Priester  eifrig
arbeiten,  einen  möglichst  ausreichenden  Fonds  von  bleibenden  Kenntnissen  bei
den  Schülern  anzulegen,  und  schon  aus  diesem  Grunde  kann  auf  die  Notierung
der  Klassenleistungen  nicht  verzichtet  werden.  Wer  meint,  aus  dem  Benehmen,
den  Antworten  und  dem  augenscheinlichen  Interesse  der  Schüler  ließe  sich  ohne
Zensurnotiz  eine  regelrechte  Beurteilung  des  Fleißes  und  der  Leistungen  der
Schüler  behalten,  ist  im  Irrtume.t)

Das  Lehrbuch.

Für  die  unteren  Klassen  ist  der  Katechismus  und  die  biblische  Geschichte
vorgeschrieben.  Für  die  oberen  und  mittleren  Klassen  ist  ein  allen  Anforderungen
  und  Wünschen  auch  nur  des  größten  Teiles  der  deutschen  Religionslehrer
  entsprechendes  Lehrbuch  noch  nicht  geschrieben?)  Die  einen  sind  zu
wissenschaftlich  und  gleichen  den  alten  Kompendien  für  Theologie,  bei  anderen
ist  Anordnung  ynd  Aufbau  verfehlt,  bei  anderen  ist  die  Stoffauswahl  und  Darstellungsart
  nicht  richtig;  die  einen  sind  zu  schwer  verständlich  und  unübersichtlich,
  einige  sind  zu  dürftig,  andere  zu  reichlich;  kurz,  gute  Lehrbücher  sind
vorhanden,  aber  ein  allseitig  genügendes  gibt  es  noch  nicht.°)  In  letzter  Zeit

8.16.  »,  S.  31.  Über  Repetitionen  und  Skriptionen  vgl.  Walter  8.  181.

®,  Es  handelt  sich  nicht  so  sehr  darum,  was  der  Schüler  im  Religionsunterricht  gelernt
  hat,  als  was  er  durch  denselben  geworden  ist.”  Schrader.  Dieser  Gedanke  muß  auch
den  Lehrer  bei  einzelnen  schwachen  Jahrgängen  trösten.  Von  diesen  sagt  Walter  S.  87
mit  Recht:  ‘Es  kann  so  schwache  Kurse  geben,  daß  der  Lehrer  Mühe  hat,  den  Schülern
das  beizubringen,  was  der  Katechismus  fordert.’  “)  So  Grimmich.

8,  Vgl.  Theol.  Revue,  Münster  1905,  12,  18ff.:  Lehrbücher  f.  d.  R.-U.  a.  höh.  Schulen.

6)  Über  den  Kampf  um  und  gegen  die  ‘theologischen  Lehrbücher’  vgl.  Brunner  bei  Rethwisch
  1890.  S.14ff.  Von  den  in  Preußen  geltenden  Lehrbüchern  wird  hier  Dubelman  und
König  ausführlicher  besprochen.  Über  das  Lehrbuch  Bayerns  daselbst  8.  19,  20.  Brunner
findet  auch  einen  wichtigen  Fehler  der  Lehrbücher  in  ihrer  eigenen  Anordnung,  welche  das
Prinzip  der  konzentrischen  Entwicklung  durchbricht  (S.  36).  Dabei  entbehren  sie  des  autoritstiven
  Charakters.  1890.  8.5.  Das  ist  freilich  bei  dem  bayerischen  Lehrbuch  nicht  der
Fall:  es  baut  sich  auf  dem  Katechismus  duf  und  erscheint  im  Auftrage  der  Bischöfe,  aber