166  Curırame:  Katholischer  Religionsunterricht.

sind  auf  Betreiben  der  Religionslehrer  manche  Einzelbearbeitungen  erschienen,
manche  Wünsche  und  Reformen  befürwortet  worden,  und  es  steht  zu  erwarten,
daß  bei  dem  heutigen  gemeinsamen  Vorgehen  der  Religionslehrer  die  Lehrbuchfrage
  immer  näher  einer  glücklichen  Lösung  entgegengeht.  Bei  dem  jetzigen
Stande  der  Lehrbücher  sind  die  modernen  Schulen  ohne  Griechisch  und  zumal
ohne  Latein  im  Nachteile.  Die  Lehrbücher  setzen  durchgängig  die  Kenntnis
dieser  Sprachen  voraus.  Der  Urtext  der  christlichen  Glaubensquellen  bleibt
den  Schülern  verschlossen,  das  Verständnis  für  die  Liturgie,  für  den  Meßkanon,
für  die  herrlichen  Hymnen  kann  selbst  in  der  besten  Übersetzung  die  Kraft
und  Originalität  des  Latein  und  Griechisch  nicht  ersetzen,  da  muß  der  Religionslehrer
  anderweitig  suchen  dieses  auszugleichen.  Da  wird  er  die  Schüler  gerne
von  dem  Einflusse  des  Kirchlichen  auf  das  Moderne  in  Kenntnis  setzen;  er  kann
hinweisen  auf  Corneille,  der  Thomas  von  Kempen  metrisch  übersetzte,  auf
Chatesubriand  und  seine  Begeisterung  für  das  christliche  Martyrium,  auf  Goethe
der  durch  zahlreiche  Benutzung  der  Bibel  und  durch  gelegentliche  Verwertung
der  kirchlichen  Praxis  beispielsweise  der  Entlehnungen  aus  Job,  des  Dies  irae
usw.,  im  Faust  und  sonst  großartige  Wirkungen  erzielte.  Der  Schüler  kann
über  den  Einfluß  der  Passion  für  die  Entwicklung  des  Theaters  u.  a.  belehrt
werden.  Am  besten  freilich  erschiene  ein  eigenes  Lehrbuch  für  diese  Schulen,
welches  die  Bedürfnisse  derselben  in  allem  gebührend  berücksichtigte.

Religionslehrerkonveniate  und  Zeitschrift.

Erst  seit  wenigen  Jahren  haben  sich  die  deutschen  Religionslehrer  enger
aneinander  geschlossen  und  zu  gemeinsamem  Arbeiten  vereinigen  können.  Einoder
  zweimal  im  Jahre  versammeln  sie  sich  zu  einer  Konferenz,  wo  die  gemeinsamen
  Fragen  vorgelegt  und  besprochen  werden.  Die  seit  Jntstehen  dieser
Konveniste  gegründete  Zeitschrift  hat  sich  nach  allen  Seiten  anregend,  orientierend
  und  für  die  gemeinsamen  Interessen  der  Jugendbildung  fördernd  gezeigt,
und  in  wissenschaftlicher  Beziehung  hat  sie  sich  Ansehen  erworben.  Man  ruft
nach  Reformen  für  den  Religionsunterricht.  Die  “Monatsblätter’  prüfen  die
Frage  und  untersuchen  sie  sachlich  auf  ihre  Berechtigung  und  Verwirklichung.')
Man  klagte  über  die  Lehrbücher:  die  Religionslehrer  prüfen  und  bessern.
Was  früher  der  einzelne  nicht  erreichen  konnte,  kann  jetzt  Hoffnung  auf  Verwirklichung
  haben.?)

das  bayerische  Lehrbuch  kann  in  seiner  jetzigen  Form  auch  noch  nicht  als  Ideal  betrachtet
werden,  wie  sehr  Walter  und  Brunner  und  Grimmich  auch  für  dasselbe  eintreten.

1)  MB.  II.  3:  “Schulreform’  V.2—7,  10,  11:  “Reformer  und  Reform  auf  dem  Gebiete
des  Religionsunterrichtes,  insbesondere  desjenigen  auf  den  höheren  Schulen’.  V.6:  ‘Gymnasislreform
  und  theologisches  Studium’.

r),  Monatsblätter  für  den  katholischen  Religionsunterricht  an  den  höheren  Schulen,
Köln-Bachem,  6.  Jahrgang.  Brunner  konnte  noch  1889  (Rethwisch  S.  25)  beklagen,  daß  für
den  Kreis  der  Volksschule  verschiedene  katechetische  Zeitschriften  existierten,  welche  die
Detailarbeit  besorgten,  für  den  Religionsunterricht  aber  noch  nichts  geschehen  sei.  Einzelne
wertvolle  Abhandlungen  über  katholischen  Religionsunterricht  usw.  finden  sich  in  den  ‘Katechetischen
  Blättern’  und  in  der  ‘Katechetischen  Monatsschrift’.  —  Wir  verzichten  hier  auf