Konveniate,  Zeitschrift,  Erfolg.  167

Erfolg  und  Mißerfolg.

So  ist,  soweit  man  überblicken  kann,  der  Religionsunterricht  an  unseren
höheren  Schulen  heute  in  guten  Bahnen,  und  bei  dem  gemeinsamen  Arbeiten
der  Religionslehrer  untereinander,  und  bei  dem  guten  Verhältnisse  der  beteiligten
Behörden,  sowie  bei  dem  regen  Pflichtbewußtsein,  das  die  modernen  Religionslehrer
  auszeichnet,  steht  zu  erwarten,  daß  die  religiösen  Angelegenheiten
der  Schulen  sich  noch  glücklich  entwickeln.  Die  ganze  theoretische  Tätigkeit
ist  Vorbedingung  für  die  gute  praktische  Verwertung,  für  ein  reges  religiöses
Leben  zur  und  nach  der  Schulzeit.  Die  Schüler  werden  zum  religiösen  Leben
angeleitet.  Sie  beten  vor  und  nach  der  Religionsstunde;  sie  studieren  die  einzelnen
  Aufgaben  für  den  Religionsunterricht;  sie  gehen  gemeinschaftlich  zur
Beichte  und  Kommunion.  Vielen  ist  all  dieses,  selbst  wenn  sie  ihr  Stundenpensum
  anstandslos  lernen,  ein  lästiger  Zwang,  und  die  Spöttelsucht  wird  auf
den  mittleren  und  oberen  Klassen  hier  manches  verderben,  aber  durch  die  vernünftige
  Verwertung  des  Unterrichtes  hat  der  Lehrer  doch  das  richtige  religiöse
Leben  zum  guten  Teile  in  seiner  Hand.!)  So  wird  wenigstens  von  den  Schülern
  der  Grund  und  Zweck  des  Zwanges  verstanden,  und  die  Mehrzahl  der
Schüler  wird  sich  sicher  gerne  fügen.)  Aber  ‘der  Religionsunterricht  kann
nur  dort  zur  vollen  Wirksamkeit  gedeihen,  wo  ein  religiöser  Sinn  das  ganze
Anstaltsleben  durchdringt;  bleibt  er  ein  vereinzeltes  Glied  in  der  Kette  der  Erziehungsmittel,
  so  wird  er  bei  richtiger  Handhabung  immer  so  viel,  ja  bei
seinem  Verhältnis  zu  der  gesamten  Geisteskraft  reichlichere  und  bleibendere
Frucht  tragen  als  jeder  andere  Unterrichtszweig,  aber  er  wird  auch  ebenso  wie
diese  bei  manchen  Schülern  versagen,  und  jedenfalls  entbehrt  er  dann  der  vollen
Wirkungssphäre  Jenen  Sinn  zu  verbreiten  und  zu  fördern  ist  die  Pflicht  des
ganzen  Lehrerkollegiums,  nicht  bloß  der  Religionslehrer,  und  hierin  liegt  der
wichtigste  Grund  für  die  religiöse  Einheit  unserer  Schule.’  Der  Religionslehrer
nimmt  unter  dem  Lehrerkollegium  eine  eigenartige  Stelle  ein.  Er  scheint  durchgängig
  als  eine  Art  Vertrauens-  und  Mittelsperson  und  wird  in  mannigfachen
Anlässen  von  den  Schülern  angegangen.  Darum  sei  er  immer  milde,  allzeit
nahbar  und  zugänglich.  Nicht  alle  werden  ihn  außeramtlich  angehen,  aber  für
alle  soll  er  sowohl  während  wie  nach  der  Schulzeit  da  sein  und  allen  Interesse
und  Liebe  zeigen.  Niemals  sei  er  schroff  und  hart.  Selbst  die  größten  Pädagogen
  haben  nicht  alles  erreichen  können.  Es  ist  gut,  niemals  eine  Brücke
abzuschlagen,  sondern  die  Verbindung  mit  allen  Schülern  aufrechtzuerhalten.
Glück  und  Gnade  werden  auch  hier  dem  Priester  manchmal  helfen.’)  In  jedem

genauere  Prüfung  der  hierher  gehörigen  zahlreichen  Literatur.  Die  Hinweise  hierüber  sind
zahlreich  enthalten  bei  Schiller  9.  275,  278,  Literarische  Rundschau  1890.  Nr.  12.  Welter,
Brunner  a.  a.  O.,  bes  bei  Grimmich  8.  222—281.  Vgl.  auch  die  Referate  in  den  Monatsblättern,
  bes.  I.  8—6.

1)  Schiller  $.  133  ff.  #,  Schrader  S.  880.

°»,  Vgl.  MB.  III.  8:  ‘Der  Bericht  Bossuets  an  Papst  Innozenz  XI.  über  seine  Tätigkeit
als  Erzieher  des  Dauphin’.