Stundenzahl  und  Lehrpläne.  175

wird  dazu  noch  folgendes  ausgeführt:  “Der  Unterricht  im  Deutschen  ist  neben
dem  Unterrichte  in  der  Religion  und  in  der  Geschichte  der  erziehlich  bedeutsamste.e
  Die  ihm  gestellte  Aufgabe  ist  schwierig  und  kann  voll  nur  von
Lehrern  gelöst  werden,  die,  gestützt  auf  tieferes  Verständnis  unserer  Sprache
und  ihrer  Geschichte,  getragen  von  Begeisterung  für  die  Schätze  unserer  Literatur
  und  von  vaterländischem  Sinne,  die  Herzen  unserer  Jugend  für  deutsche
Sprache,  deutsches  Volkstum  und  deutsche  Geistesgröße  zu  erwärmen  verstehen.’
Man  kenn  nur  wünschen,  daß  solche  Worte  in  den  Herzen  aller  Lehrer  des
Deutschen  lebhaften  Widerhall  und  in  der  Praxis  des  deutschen  Unterrichtes
sorgfältige  Beachtung  finden.

Auch  in  den  sächsischen  Lehrordnungen  finden  sich  treffende  Bemerkungen
  über  die  allgemeinen  Ziele  des  deutschen  Unterrichts.  In  der  sächsischen
  Lehr-  und  Prüfungsordnung  für  Gymnasien  vom  28.  Januar  1893  heißt
es:  ‘Der  deutsche  Unterricht  hat  die  Schüler  dahin  zu  fördern,  daß  sie  in  ihrer
Muttersprache  schriftlich  und  mündlich  ihre  Gedanken  klar,  wohlgeordnet  und
korrekt  auszudrlicken  vermögen.  Auf  der  obersten  Stufe  müssen  dieselben  ein
in  ihrem  Gedankenkreise  liegendes  Thema  ohne  erhebliche  Verstöße  gegen  die
Denk-  und  Sprachgesetze,  sowie  gegen  den  guten  Geschmack  in  abhandelnder
Form  bearbeiten,  auch  über  ihnen  geläufige  Stoffe  sich  mündlich  im  Zusammenhange
  aussprechen  können.  Weiter  ist  zu  verlangen,  daß  sie  mit  dem  allgemeinen
  Entwickelungsgang  der  deutschen  Literatur  und  mit  den  hauptsächlichsten
  Kunstformen  der  Poesie  und  Prosa  bekannt  sind,  endlich,  daß  sie  eine
Anzahl  der  bedeutendsten  Meisterwerke  der  deutschen  Literatur,  insbesondere  von
Lessing,  Schiller  und  Goethe,  mit  Verständnis  gelesen  haben.”  Sehr  gut  sind
die  Ausführungen  in  der  sächsischen  Lehr-  und  Prüfungsordnung  für  Realschulen
  vom  20.  März  1884:  ‘Für  die  Realschule  bildet  der  Unterricht  in  der
Muttersprache  den  Mittelpunkt  des  gesamten  sprachlichen  Unterrichtes.  Er  soll
Dreikönigschule.  Als  Entwurf  eines  Lehrplanes  für  den  deutschen  Unterricht  in  den  Unterklassen
  der  Reformanstalten  und  Realschulen,  Leipzig  1899;  Joh.  Nicklas,  Methodische
Winke  für  den  deutschen  Unterricht  an  den  drei  unteren  Klassen  höherer  Lehranstalten,
München  1894;  B.  Ritter,  Der  deutsche  Unterricht  in  der  höheren  Mädchenschule.  Lehrstoff,
  Lehrgänge  und  Lehrmethode,  Leipzig  1902,  2  Bände;  O.  Lyon,  Die  Lektüre  als  Grundlage
  eines  einheitlichen  und  naturgemäßen  Unterrichts  in  der  deutschen  Sprache  sowie  als
Mittelpunkt  nationaler  Bildung,  Leipzig  1904,  8.  Aufl.,  2  Bd.  u.  a.  Von  Zeitschriften  sei
außer  auf  die  schon  genannte  Zeitschrift  für  den  deutschen  Unterricht  namentlich  verwiesen
auf  Sauers  Euphorion;  Köpke  und  Matthias,  Monatsschrift  für  höhere  Schulen;  Ilberg
und  Gerth,  Neue  Jahrbücher  für  das  klassische  Altertum,  Geschichte  und  deutsche  Literatur
  und  für  Pädagogik;  H.  J.  Müller,  Zeitschrift  für  das  Gymnasialwesen,  Huemer,  Zeitschrift
  für  die  Österreichischen  Gymnasien;  O.  Streicher,  Zeitschrift  des  Allgemeinen
deutschen  Sprachvereins,  Wychgram,  Zeitschrift  für  Frauenbildung  u.a.  Gute  Übersichten
üiber  die  empfehlenswerten  Bücher  auf  diesem  Gebiete  gibt  Theodor  Matthias  in  Brandstetters
  pädagogischem  Jahresbericht  sowie  in  seiner  Schrift  "Zum  deutschen  Unterricht’,
Dresden,  Bleyl  u.  Kämmerer  (Verzeichnis  empfehlenswerter  Bücher,  Schriften  der  Pädagogischen
  Gesellschaft,  Heft  2),  sowie:  Elias,  Jahresberichte  für  neuere  deutsche  Literaturgeschichte,
  und  Rethwisch,  Jahresberichte  über  das  höhere  Schulwesen  (seit  1886).  Auch

auf  die  entsprechenden  Abschnitte  in  Reins  Enzyklopädischem  Handbuche  der  Pädagogik
sei  aufmerksam  gemacht  (2.  Aufl.  1908  f.).