Neue  Anfänge,  221

blieben.  So  atmen  Niemeyers  Grundsätze  durchaus  den  Geist  Roussesus,  und
Herbart  sowie  die  Schüler  Herbarts:  Zimmermann,  Brock  u.  a.  geben  für  den
Betrieb  des  philosophischen  Unterrichts  manchen  guten  Rat.  Aber  im  ganzen
sind  doch  die  Reformgedanken  Rousseaus  in  ihrer  Tragweite  noch  nicht  genügend
gewürdigt,  und  wenigstens  für  den  gelehrten  Unterricht  während  des  neunzehnten
  Jahrhunderts,  wie  oben  bereits  gezeigt  wurde,  nicht  ausgenutzt  worden.
Darum  ist  es  ein  gerechtes  und  wahres  Wort  gewesen,  was  die  preußischen
Lehrpläne  vom  Jahre  1891  ausgesprochen  haben,  wenn  sie  dem  Unterrichtsfach
der  Propädeutik  das  schlechte  Zeugnis  “unfruchtbar’  ausstellten.  Dieses  Wort
ist  von  der  Erfahrung  und  der  didaktischen  Einsicht  eingegeben  worden;  denn
der  damalige  propädeutische  Unterricht  konnte  wirklich  vor  den  berechtigten
Ansprüchen  nicht  bestehen.  Deshalb  müssen  wir  acht  geben,  daß  nicht  der
Eifer  für  die  Erneuerung  der  Propädeutik  zugleich  auch  den  alten  Fehler  erneuert.
  Jenes  Wort  mußte  ausgesprochen  werden,  wenn  in  dieser  Unterrichtsfrage
  Wandel  eintreten  sollte.

Es  wird  deshalb  darauf  ankommen,  die  verheißungsvollen  Anfänge  einer
rechten  Schulphilosophie  zu  erkennen  und  zu  pflegen.  Die  Anregungen  und
Vorarbeiten  für  eine  neue  Schulphilosophie  sind  hauptsächlich  dem  deutschen
Unterricht!)  zu  verdanken,  aber  auch  andere  Unterrichtsfächer,  besonders  der
griechische  und  lateinische”)  der  mathematisch-naturwissenschaftliche,?)  auch
der  Religionsunterricht*)  haben  manches  für  die  Begründung  der  Schulphilosophie
  abgeworfen.  Im  Deutschen  brachte  es  immer  die  besondere  Aufgabe  des
deutschen  Aufsatzes  mit  sich,  daß  die  Kenntnisse  des  Schülers,  die  er  der  Er-N

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