Wert  für  die  Schule.  229

bildung  seiner  Zöglinge,  wenn  er  die  Begriffe  kennt  und  beherrscht,  welche  im
Geist  des  Lernenden  zu  begründen  sind.  Wie  will  ein  Lehrer  allgemeinere
Themen,  die  sich  auf  ethische,  ästhetische,  psychologische  und  metaphysische
Fragen  beziehen,  mit  seinen  Schülern  besprechen  und  bearbeiten,  wenn  er  keine
klaren  philosophischen  Überzeugungen  und  Grundbegriffe  hat?  Wie  will  er  in
das  bunte  Durcheinander  der  Lehren  und  Begriffe  Ordnung  und  System  hineinbringen
  ohne  Philosophie?  Gerade  die  an  sich  sehr  braven  Versuche  der  Konzentration
  haben  gezeigt,  wie  unbeholfen  und  willkürlich  derartige  Versuche
ausfallen,  wenn  ein  Lehrer  nicht  von  der  Philosophie  geleitet  wird.  Es  geht
durchaus  nicht  an,  daß  ein  jeder  auf  eigene  Hand  losphilosophiert,  und  es  ist
einer  gelehrten  Schule  nicht  würdig,  daB  alle  diejenigen  Verirrungen  erst  durchgemacht
  werden  sollen,  welche  die  Philosophie  überwunden  hat.

Endlich  ist  auch  für  den  inneren  Organismus  der  Schule  die  Berücksichtigung
  der  Philosophie  geboten.  Wie  soll  der  große  Streit  zwischen  den
einzelnen  Schulwissenschaften  und  Sprachen  entschieden  werden  ohne  Philosophie?
  Philosophie  braucht  jede  höhere  Schule,  wenn  sie  nicht  zur  Fachschule
herabsinken  will;  denn  diese  hat  für  die  Philosophie  allerdings  keine  Zeit  übrig,
weil  sie  ‘Nützlicheres’  zu  tun  hat.  Aber  jede  Erziehungsschule  bedarf  der  Philosophie,
  denn  sie  ist  an  ihr  ein  unterscheidendes  Merkmal.  Schon  wenn  es  gilt,
ihren  Lehrplan  zu  entwerfen  oder  zu  prüfen,  ist  es  nicht  angängig,  innerhalb
einer  Einzelwissenschaft  Stellung  zu  nehmen  und  von  da  aus  eigennützige  Forderungen
  zu  stellen,  sondern  nur  innerhalb  der  Philosophie.  Diese  ist  befähigt
und  berechtigt,  die  einzelnen  Fächer  zu  würdigen,  zu  wählen,  zu  verknüpfen,
insbesondere  für  die  Natur-  und  Geisteswissenschaften  den  Einigungspunkt  abzugeben.
  Die  Philosophie  ist  auch  befähigt,  die  rechten  Autoren  zu  wählen,
weil  sie  jeden  Autor  danach  bewertet,  was  er  für  die  Anschauung  oder  für  den
Begriff  oder  für  beide  zugleich  zu  leisten  vermag.  Schließlich  erweist  sich  die
Philosophie  auch  als  das  einigende  Band  unserer  drei  Schulgattungen.  Diejenige
unter  ihnen  wird  sich  als  die  echte  Schule  bewähren,  die  ihre  Arbeit  bis  zur
Philosophie  zu  erheben  vermag;  vermögen  das  aber  die  anderen  auch,  so  kann
es  nicht  ausbleiben,  daß  sie  einander  als  Kinder  einer  Mutter  erkennen  und
anerkennen.

5.  Die  drei  berechtigten  Arten  der  philosophischen  Unterweisung.
  Da  die  gelehrte  Schule  ihr  eigentliches  Feld  in  der  Wissenschaft
sieht,  will  sie  ihre  Schüler  mit  der  Logik  und  womöglich  auch  mit  der  Psychologie
  bekannt  machen,  weil  in  jener  die  Normen  alles  wissenschaftlichen  Denkens
und  in  dieser  die  Gesetze  alles  seelischen  Lebens  gelehrt  werden.  So  ergibt
sich  der  logisch-psychologische  Unterricht.  Zweitens  führt  der  Gedanke
des  erziehenden  Unterrichts  auf  die  Forderung,  daß  die  einzelnen  Unterrichtsfächer
  für  die  philosophische  Ausbildung  in  der  Weise  vom  einzelnen  Fachlehrer
  fruchtbar  gemacht  werden,  daß  die  philosophisch  bedeutsamen  Begriffe
und  Grundgedanken  hervorgehoben  und  durchgedacht  werden.  Das  führt  auf
die  andere  Form,  den  philosophisch  gerichteten  Fachunterricht.  Da
aber  die  gelegentlichen  Anregungen  des  philosophischen  Fachunterrichtes  zum