Lehrart,  237

lichen  Ausbildung  einzurichten,  indem  der  philosophische  Lehrer  zunächst  seinem
sonstigen  wissenschaftlichen  Unterricht  die  eine  Stunde  abbricht.  Ist  er  Philologe,
  so  erhält  er  als  zweite  philosophische  Stunde  eine  von  den  mathematischnaturwissenschaftlichen
  Stunden  hinzu,  während  dem  Mathematiker,  der  die
philosophische  Propädeutik  erteilt,  eine  der  sprachlich-historischen  Unterrichtsstunden
  abzutreten  wäre.  Auf  diese  Weise  wird  die  Einrichtung  zu  einer
Angelegenheit  der  einzelnen  Schule  gemacht  und  zu  einer  Frage  ihres  besonderen
  Lehrplanes;  zugleich  wird  es  ermöglicht,  für  diesen  Unterricht  wieder
Erfahrungen  zu  sammeln  und  literarische  Hilfsmittel  zu  schaffen.

2.  Die  Methode  des  philosophischen  Unterrichts.  Die  Lehrart
dieses  Unterrichts  kann  keine  andere  sein  als  diejenige,  die  in  den  einzelnen
Schulwissenschaften  zur  Anwendung  kommt.  Von  der  Anschauung  zum  Begriff,
vom  Einzelnen  zum  Allgemeinen,  vom  Bekannten  zum  Unbekannten.  So  läßt
es  sich  die  Erdkunde,  um  diese  als  Beispiel  anzuführen,  angelegen  sein,  durch
Anschauen  der  geographischen  Formationen  in  der  Heimat  geographische
Grundbegriffe  zu  schaffen,  um  mit  ihrer  Hilfe  auch  Beschreibungen  fremder
Länder,  ja  selbst  die  kartographischen  Symbole  zu  lesen  und  zu  deuten.  Wir
besitzen  unter  den  geographischen  Lehrmitteln  eines  in  mehrfacher  Gestalt,  auf
welchem  die  Grundformen  der  Erdoberfläche  vereinigt  sind,  damit  durch  die
Anschauung  die  geographischen  Grundbegriffe  erzeugt  werden.  Solch  eine  Tafel
bietet  eine  Analogie  und  darf  geradezu  als  Vorbild  für  den  propädeutischen
Unterricht  gelten;  denn  dieser  sieht  ja  auch  seine  Aufgabe  darin,  die  philosophisch
  wichtigen  Begriffe  und  Grundgedanken  in  den  Einzelerscheinungen  aufzusuchen,
  zu  sammeln,  zu  bearbeiten  und  systematisch  zu  verknüpfen,  damit
der  junge  Mensch  mit  Hilfe  derselben  sich  die  Welt  zu  deuten  und  eine  Welt
anschauung  zu  bilden  vermag.

Da  die  Materie  für  diesen  Unterricht  bis  jetzt  noch  nicht  feststeht,  ist  es
Sache  des  Lehrers,  der  sich  nicht  an  eines  der  vorhandenen  Lehrbücher  anschließen
  will,  sich  seinen  Unterrichtsstoff  zurechtzumachen  und  seinen  Lehrgang
festzustellen,  den  er  dann  im  Dialog  mit  seinen  Schülern  durchzuführen  sucht.
Die  vereinbarten  Ergebnisse  werden  in  Gestalt  von  Dispositionen  niedergeschrieben,
  die  es  dem  Schüler  ermöglichen,  sich  den  Gedankengang  zu  Hause  zu
wiederholen  und  seinen  Bericht  für  die  nächste  Stunde  vorzubereiten.

Für  die  literarische  Entwicklung  dieses  Unterrichtsfaches  zeigt  sich  also
eine  doppelte  Aufgabe.  Es  gilt  zunächst  eine  ausführliche  systematische  Schulphilosophie
  für  Lehrer  zu  schaffen,  die  aus  den  Schulwissenschaften  erwachsen
ist  und  von  dem  konkreten  Anschauungsmaterial  nicht  völlig  losgelöst  ist.  Die
wissenschaftliche  Darstellung  der  Philosophie  hat  das  Recht,  ganz  abstrakt  und
deduktiv  aufzutreten,  so  daß  sie  höchstens  nachträglich  zur  Verständigung  das
eine  oder  das  andere  konkrete  Beispiel  bringt.  Die  Schulphilosophie  aber  wird
immer  von  der  Anschauung  und  zwar  von  den  besten  Beispielen  ausgehen
müssen,  um  zu  den  Begriffen  aufzusteigen.  Daraus  ergibt  sich  auch  für  den
Lehrer  das  Recht,  seine  Schulphilosophie  auf  diejenigen  Anschauungen  und
Kenntnisse  zu  gründen,  über  die  er  selbst  und  seine  Schüler  verfügen.  Eine