Philosophische  Vorbildung  des  Lehrers.  239

sprechen.  Für  den  Lehrer  sind  sie  darum  von  besonderer  Wichtigkeit,  weil
sie  aus  der  Fülle  des  wissenschaftlichen  Stoffes  eine  Auswahl  treffen  und  diese
bereits  in  eine  Ordnung  und  Form  zu  bringen  suchen,  welche  dem  Bedürfnis
der  höheren  Schule  zwar  nicht  entspricht,  aber  doch  näher  kommt.  Wir  können
folgende  Einleitungen,  deren  jede  ihre  besonderen  Vorzüge  hat,  in  Verbindung
mit  verwandten  Hilfsmitteln  empfehlen:  Friedrich  Paulsen  (1.  Aufl.  1892,
12.  Aufl.  Stuttgart  und  Berlin  1904),  Johannes  Eitle  (Freiburg  i.  Br.  1892),
Otto  Flügel  (Cötben  1893),  Oswald  Külpe  (3.  Aufl.  Leipzig  1903),  Wilhelm
  Jerusalem  (Wien  und  Leipzig.  2.  Aufl.  1903),  Otto  Liebmann  (Zur
Analysis  der  Wirklichkeit.  Eine  Erörterung  der  Grundprobleme  der  Philosophie.
  3.  Aufl.  Straßburg  1900),  Wilhelm  Wundt  (3.  Aufl.  1904),  H.  Cornelius
  (Leipzig  1903),  Alois  Riehl  (Zur  Einführung  in  die  Philosophie  der
Gegenwart.  Leipzig,  2.  Aufl.  1904),  Wilhelm  Windelband  (Präludien.  Aufsätze
  und  Reden  zur  Einleitung  in  die  Philosophie.  2.  Aufl.  Tübingen  und
Leipzig  1903),  Oswald  Külpe  (Die  Philosophie  der  Gegenwart  in  Deutschland.
Leipzig  1902).  Endlich  mögen  hier  auch  noch  die  beiden  Wörterbücher  genannt
  werden:  R.  Eisler,  Wörterbuch  der  philosophischen  Begriffe  und  Ausdrücke.
  2.  Aufl.  Berlin  1904  und  F.  Kirchner,  Wörterbuch  der  philosophischen
Grundbegriffe.  4.  Aufl.  von  Karl  Michaelis.  Leipzig  1903  (Philosophische
Bibliothek  Bd.  67).

Zu  warnen  ist  davor,  daß  das  philosophische  Studium  mit  der  Geschichte
der  Philosophie  begonnen  wird.  Das  gewöhnliche  Verfahren,  zuerst  Philosophiegeschichte
  zu  studieren,  ist  wissenschaftlich  und  didaktisch  in  gleicher  Weise
verfehlt.  Viel  ersprießlicher  ist  es,  sich  in  ein  philosophisches  System  hineinzuarbeiten.
  Das  Studium  der  Philosophie  ist  doch  zunächst  auf  diejenigen
Lehrmeinungen  gerichtet,  die  nach  dem  gegenwärtigen  Stande  unseres  Wissens
und  der  Kritik  für  uns  gültig  und  wertvoll  sind.  Es  heißt  Zeit  und  Kraft  verschwenden,
  die  Welt  vorerst  von  einem  oder  gar  von  mehreren  überwundenen
Standpunkten  aus  betrachten  zu  lernen.  Wiederum  muß  man  auch  hier  sagen:
was  von  dem  Studium  der  einzelnen  Wissenschaft  gilt,  das  gilt  auch  von  demjenigen
  der  Philosophie.  Wer  möchte  wohl  einen  Schüler  in  die  Physik  einführen,
  indem  er  ihm  die  Geschichte  dieser  Wissenschaft  vorführt?!)  Die
sonderbare  Verirrung,  im  philosophischen  Studium  den  geschichtlichen  Gang
zu  befolgen,  kann  man  nur  daraus  erklären,  daß  mehrere  Menschenalter  hindurch
  die  Philosophie  unmündig,  die  philologisch-historischen  Wissenschaften
aber  die  Meister  waren.  Diese  haben  auch  den  Gedanken  hervorgebracht  und
zum  Grundsatz  erhoben,  daß  es  verwerflich  sei,  ein  System  zu  haben  oder  einem
System  zu  huldigen”)  Wenn  auch  jetzt  noch  zuweilen  davor  gewarnt  wird,
sich  einem  philosophischen  System  anzuschließen,  so  zeigt  sich  noch  jenes  Vor-4

  H.  Brock,  Die  philosophische  Propädeutik  auf  Gymnasien.  Zeitschrift  für  exakte
Philosophie.  6.  Bd.  1866.  S.  286—812.  (Eine  wertvolle  Arbeit.)
»,  OÖ.  F.  Gruppe,  Gegenwart  und  Zukunft  der  Philosophie  in  Deutschland.  Berlin  1856,
9.  261:  ‘Das  System  ist  die  Kindheit  der  Philosophie,  die  Mannheit  der  Philosophie  ist  die
Forschung.’