262  Wpnssenrzus:  Das  Lateinische.

Wörterbuchs,  wurde  dann  der  Schüler  für  die  Vorbereitung  auf  die  nachfolgenden
  Autoren  auf  das  allgemeine  Wörterbuch  und  hinsichtlich  der  größeren  Bedeutungsschwierigkeiten
  auf  die  Hilfe  seiner  erklärenden  Ausgaben  verwiesen.
Diese  Lösung  wollte  aber  den  Pädagogen  von  Fach  bald  zu  einfach  scheinen;
aber,  von  richtigen  Bedenken  geleitet,  schoß  man  nicht  selten  über  das  Ziel
hinaus.  Das  Suchen  im  Wörterbuch  wurde  von  manchen  als  eine  Zeit-  und
Kraftvergeudung  erklärt.  Während  man  früher  selbst  für  den  Anfangsunterricht
nichts  von  Spezialwörterbüchern  wissen  wollte,  sollte  nunmehr  dem  Schüler
durch  direkte  Mitteilung  der  Vokabeln  oder  durch  gedruckte  Präparationen  der
Weg  geebnet  werden.  Auf  diese  Weise,  meinte  man,  werde  er  von  einem  guten
Teil  der  mechanischen  Arbeit  entlastet,  und  auch  bei  geringerer  Stundenzahl
werde  man  so  den  Umfang  der  Lektüre  nicht  zu  schmälern  brauchen.  Ja,  man
hoffte,  daß  der  Schüler  nunmehr  nicht  schon  müde  gearbeitet,  sondern  mit
frischer  Kraft  sich  den  wichtigeren  Fragen,  die  den  Inhalt  der  Schriftwerke
betreffen,  zuwenden  werde.  Darauf  ist  zu  erwidern,  daß  ein  solches  Ebnen  des
Weges  nur  für  den  im  Gehen  noch  ganz  Ungeübten  anzuraten  ist.  Wer  eine
fremde  Sprache  lernen  will,  muß  beizeiten  in  dem  Wörterbuch  suchen  und
finden  lernen.  Mechanisch  ferner  ist  diese  Arbeit  nur  bei  den  Wörtern,  die
etwas  Konkretes  und  zu  allen  Zeiten  sich  Gleichbleibendes  bezeichnen.  Für
die  Mühe,  die  ihm  das  Suchen  im  Wörterbuch  bereitet,  wird  der  Schüler  durch
eine  bald  wachsende  Vertrautheit  mit  der  Sprache  entschädigt.  Ein  zu  ängstliches
  und  zu  lange  fortgesetztes  Vorpräparieren  verweichlicht.  Zwei  nach  entgegengesetzten
  Seiten  übertreibende  Methoden  stehen  sich  jetzt  im  fremdsprachlichen
  Anfangsunterricht  gegenüber:  die  einen  möchten  den  Anfänger  gleich  in
die  hochgehenden  Wogen  der  fremden  Sprache  hineinwerfen,  die  andern  wollen
seine  Schwimmversuche  nach  übervorsichtiger,  alles  Mißlingen  ausschließender
und  die  Kraft  sparender  Methode  regeln.  Es  läßt  sich  nicht  leugnen,  daß  der
Schüler  such  in  lateinischen  und  griechischen  Originaltexten  der  Anfangsstufe
Schwierigkeiten  begegnet,  für  die  er  nicht  vorbereitet  ist.  Auch  einfach  schreibende
  Schriftsteller  wie  Cornelius  Nepos,  Cäsar,  Xenophon  haben  nicht  für  kleine
Knaben  geschrieben,  wie  sie  auch  aus  dem  ganzen  Umkreise  der  Sprache  sich
das  für  die  Gestaltung  ihrer  Gedanken  Notwendige  herholen.  Originaltexte,
auch  noch  so  vorsichtig  ausgewählt  und  aneinandergereiht,  enthalten  immer
manches  dem  Schüler  noch  Unzugängliche  und  können  die  Schwierigkeiten  nie
so  vorsichtig  steigern  wie  die  zurechtgemachten  Stücke  eines  Lesebuches.  Es
ist  demnach  wünschenswert,  daß  dem  Schüler  durch  vorbereitende  Bemerkungen
des  Lehrers  oder  durch  die  unter  den  Text  gesetzten  oder  in  einem  besonderen
Hefte  gedruckten  Erklärungen  die  nötige  Hilfe  geboten  werde  Sich  an  dem
recht  Schweren,  an  dem,  was  Aristoteles  opddo«  vonrdv  nennt,  zu  üben,  bringt
Gewinn;  wer  sich  aber  vergeblich  öfter  an  dem  müde  gearbeitet  hat,  was  für
ihn,  oft  vielleicht  aus  einem  ganz  äußeren  Grunde,  nicht  findbar  ist,  wird  auch
den  Schwierigkeiten  gegenüber,  die  er  wohl  bewältigen  könnte,  mißtrauisch
werden  und  vor  der  Zeit  zu  suchen  aufhören.  Ausgaben  mit  Anmerkungen
haben  also  eine  pädagogische  Berechtigung,  ja  entsprechen  einem  pädagogischen