266  WeıssenreLs:  Das  Lateinische.

ausdrücklichen  Bemerkung,  daß  es  dem  Inhalte  wie  auch  der  Form  nach  besprochen
  werden,  aber  nicht  übersetzt  werden  soll.  Nach  einiger  Zeit  wird  er
diese  Art  der  Behandlung  dem  Präparieren  zum  Zwecke  des  Übersetzens  vorziehen,
  und  falls  er  zu  denen  gehört,  die  dem  eigenen  Triebe,  nicht  bloß  der
Not  gehorchend,  den  steileren  Bildungsweg  betreten  haben,  werden  ihm  diese
Übungen  eine  Anleitung  zu  einer  freieren  Beschäftigung  mit  fremdsprachlichen
Autoren  werden.

In  dem  Maße,  als  das  Gymnasium  an  Wirkungskraft  verloren  hat,  ist  man
bemüht  gewesen,  die  Unterrichtsmittel  rationeller  zu  gestalten.  Von  den  Grammatiken
  ist  schon  die  Rede  gewesen.  Ebenso  sind  die  wichtigsten  Übungsbücher
  aufgezählt  worden,  die  durch  Anschluß  an  die  Lektüre  in  den  altsprachlichen
  Unterricht  eine  straffere  Konzentration  zu  bringen  suchen,  Über  dem
Bestreben,  sich  an  dem  durchaus  Notwendigen  genügen  zu  lassen,  sind  die
Grammatiken  freilich  bisweilen  gar  zu  harmlos  geworden,  und  die  das  Gelesene
in  einem  meist  seltsamen  Deutsch  reproduzierenden  Vorlagen  zum  Übersetzen
haben  wohl  nur  selten  die  Kraft  gehabt,  zu  der  Wirkung  des  alten  Schrift
stellers  etwas  hinzuzufügen.  Mit  besonderem  Eifer  hat  man  an  der  Umgestaltung
  der  Schulausgaben  der  alten  Schriftsteller  gearbeitet.  Früher  hatte  man
außer  den  Textausgaben  nur  solche,  welche  immer  zugleich  der  Fachwissenschaft
dienten;  jetzt  wollte  man  alles  auf  die  Bedürfnisse  der  Schule  und  des  Schülers
berechnet  wissen.  Einer  Ausgabe  ein  gelehrtes  Aussehen  zu  geben,  ist  freilich
leichter,  als  in  der  Einleitung  ein  lebensvolles  Gesamtbild  von  dem  Schrift
steller  zu  entwerfen  und  nachher  durch  fein  abwägende  Anmerkungen  alle
charakteristischen  Einzelheiten  seines  Ausdrucks  in  ein  helles  Licht  zu  setzen.
Die  meisten  Ausgaben  dieser  Art  bieten  des  Kernhaften  immer  noch  zu  wenig.
Für  solchen  Mangel  kann  weder  die  Fülle  der  Belehrungen  über  das  Sekundäre,
noch  der  Reichtum  an  Illustrationen,  noch  die  Eleganz  der  Ausstattung  einen
Ersatz  bieten.  Es  ist  ferner  ein  richtiges  Prinzip,  durch  Hervorhebungen  und
Teilungen  Übersicht  zu  schaffen.  Doch  geht  man  oft  in  den  heutigen  Schulausgaben
  in  dieser  Hinsicht  zu  weit.  Der  gesperrte  Druck  z.  B.  sollte  nur  in
bescheidenem  Maße  verwendet  werden.  Gerade  daran  soll  sich  der  Schüler  ja
früh  gewöhnen,  auf  die  durch  die  Wortstellung  im  Lateinischen  und  Griechischen
  mühelos  bewirkten  Hervorhebungen  aufmerksam  zu  sein.  Ferner  überschreiten
  die  zerfasernden  und  dispositionswütigen  Inhaltsangaben  oft  das  Maß
des  Gerechtfertigten.  Namentlich  am  Rande  des  Textes  soll  man  sich  begnügen,
die  Hauptgesichtspunkte  anzugeben.  Sodann  werden  zu  viel  Abbildungen  geboten,
  oft  von  wahren  Nichtigkeiten,  die  mit  dem  Gedanken  des  Autors  nichts
zu  tun  haben.  Sehen  ja  doch  manche  Schulausgaben  wie  Bilderbücher  aus.
Überaus  dürftig  sind  ferner  die  Indices  der  meisten  für  Schüler  bestimmten
Textausgaben.  Sollen  die  Schüler  keine  kommentierten  Ausgaben  haben  dürfen,
so  müssen  wenigstens  die  Vor-  und  Nachbemerkungen  ihrer  Texte  über  die
groben  Verlegenheiten  hinwegzuhelfen  suchen.  Die  gewöhnlichen  historischen
und  geographischen  Anhänge  unserer  Schulausgaben  genügen  dazu  nicht  von
ferne.  Schließlich  sei  der  Wunsch  ausgesprochen,  daß  man  bald  wieder  zu  der