Anleitung  zum  Lesen  der  alten  Schriftsteller.  267

alten  Art,  die  Anmerkungen  unter  den  Text  zu  setzen,  zurückkehren  möge.
Die  jetzt  in  Deutschland  fast  herrschend  gewordene  Gewohnheit,  sie  vom  Texte
des  Autors  gesondert  zu  bieten,  hat  etwas  Unnatürliches  und  Schikanöses.

H.  Ziemer,  Die  neueren  Schulausgaben  der  lateinischen  Klassiker  (Mh  8.  1903
Juni).  —  Schulausgaben  der  alten  Schriftsteller  sind  vornehmlich  bei  Teubner,  Weidmann,
  Freytag,  Velhagen  u.  Klasing,  Schöningh  (Paderborn),  Perthes  (Gotha),  Goedel
(Hannover),  Halle  (Waisenhaus),  Aschendorff  (Münster)  erschienen.  Namentlich  der
Teubnersche  und  Weidmannsche  Verlag  suchen  in  dieser  Hinsicht  allen  nur  irgend
möglichen  Anforderungen  zu  genügen.  Bei  Teubner  sind  außer  der  Bibliotheca
scriptorum  Graecorum  et  Romanorum  auch  Schultexte  in  freundlichster  Ausstattung
  zu  haben  mit  kurzen  Einleitungen,  Inhaltsübersichten  und  Namensverzeichnissen.
  Als  Ergänzung  zu  diesen  bloßen  Texten  bieten  sich  Schülerpräparationen
für  alle  Schulschriftsteller  dar.  Daneben  behaupten  sich  die  alten  Teubnerschen
Ausgaben  mit  Anmerkungen  unter  dem  Texte,  welche  zugleich  den  Ansprüchen  der
Wissenschaft  Rechnung  tragen.  Dazu  kommen  als  vierte  Sammlung  in  diesem  Verlage
  die  glänzend  ausgestatteten  Schülerausgaben  mit  gesondertem  Kommentar
und  mit  Hilfsheften,  welche  das  bei  der  Lektüre  Besprochene  zu  sammeln  und  zu
vertiefen  suchen  und  auch  neben  jedem  anderen  Texte  verwendbar  sind.  —  Auch
die  Weidmannsche  Buchhandlung  hat  zu  ihren  alten  wertvollen  Ausgaben  der  von
M.  Haupt  und  H.  Sauppe  begründeten  Sammlung  eine  für  die  Schule  speziell  berechnete
  und  gleichfalls  sehr  gut  ausgestattete  mit  gesondertem  Kommentar  gefügt.
SchluBübersichten  und  Restmees  der  etwa  ausgeschiedenen  Teile  suchen  dem  Schüler
das  Erfassen  des  Ganzen  zu  ermöglichen.  Von  den  wichtigsten  Schulschriftstellern
bietet  der  Weidmannsche  Verlag  auch  bloße  Textausgaben.

Was  die  Wörterbücher  betrifft,  so  sind  neben  den  bekannten  von  Georges  die
von  Heinichen-Wagener  (Teubner)  und  von  J.  M.  Stowasser  (Freytag  u.  Tempsky)
zu  großer  Beliebtheit  gelangt.  Außerdem  sind  bei  Teubner  Sonderwörterbücher  erschienen
  zu  Cäsar  (Ebeling-Lange),  zu  Nepos  (Siebelis-Polle),  zu  Phädrus
(Schaubach),  zu  Siebelis’  Tirocinium  poeticum  (Schaubach).  Auch  das
Wörterbuch  zu  Cornelius  Nepos  von  Weidner  (Freytag)  sei  erwähnt.

7.  Noch  ein  Wort  über  die  mit  ebensoviel  Eifer  gepflegte  und  gepriesene
wie  angefeindete  Gestaltung  des  Gymnasiums,  welche  sich  Reformgymnasium
nennt.  Dieses  beginnt  den  fremdsprachlichen  Unterricht  mit  dem  Französischen,
setzt  den  Beginn  des  lateinischen  Unterrichts  nach  U  III  (im  ganzen  16  wöchentliche
  Stunden  weniger  als  an  den  anderen  preußischen  Gymnasien)  und  läßt
dann  von  UIl  ab  das  Griechische  folgen,  das  im  ganzen  fünf  oder  vier  wöchentliche
  Stunden  weniger  hat  als  in  den  anderen  Gymnasien.  Man  hofft  dabei  auf
die  Unterstützung  des  voraufgehenden  deutschen  und  französischen  Unterrichts.
Später  einsetzend,  könne  das  Lateinische  rationeller  behandelt  werden,  und  auf
so  gesicherter  Basis  könne  auch  die  Lektüre  schneller  fortschreiten.  Es  ist
nicht  zu  bestreiten,  daß  ein  um  einige  Jahre  älterer  Schüler  das  verstandesmäßig
  zu  Erfassende  leichter  erfassen  wird,  zumal  wenn  er  vorher  schon  am
Französischen  fremdsprachliche  Bewältigungsversuche  gemacht  hat.  Auch  wird
man  den  Satz  nicht  aufrecht  erhalten  können,  daß  das  Gedächtnis  des  Tertianers
nicht  mehr  willig  genug  sei,  die  reiche  Formenlehre  des  Lateinischen  zu  bewältigen:
  von  jeher  hat  ja  doch  die  noch  reichere  griechische  Formenlehre  auf