302  Weıissenreıs:  Das  Griechische.

auf  der  obersten  Stufe  genügen.  Vor  Übersetzungen  ist  im  allgemeinen  zu
warnen,  wenigstens  vor  Übersetzungen  der  poetischen  Literatur.  Sie  fälschen
das  Bild,  und  es  hat  ihrer  zu  allen  Zeiten  nur  ganz  wenige  erträgliche  gegeben.


Für  die  Antiquitäten  sei  verwiesen  auf  folgende  Bücher:  Tegge,  Kompendium
der  griechischen  und  römischen  Altertiimer.  2  Teile  (Velhagen  u.  Klasing);  Fr.  Lübker,
Reallexikon  des  klassischen  Altertums  (Teubner);  C.  Wagner  u.  G.  v.  Kobilinski,
Leitfaden  der  griechischen  und  römischen  Altertümer  (Weidmann);  Guhl  u.  Koner,
Das  Leben  der  Griechen  und  Römer  (Weidmann);  M.  Wohlrab,  Die  altklassischen
Realien  im  Gymnasium  (Teubner);  A.  Schneider,  Das  alte  Rom  (Teubner).

Hilfsmittel  zur  Einführung  in  die  alte  Kunst:  W.  Rein,  Bildende
Kunst  in  der  Schule  (Dresden,  Haendtke);  A.  Furtwängler  u.  L.  Urlichs,  Denkmäler
  griechischer  und  römischer  Skulptur  (München);  G.  Reinhardt,  Zur  Pflege
der  Kunst  auf  dem  Gymnasium  (ZGW.  1901,  718);  L.  Gurlitt,  Kunsterziehung  innerhalb
  des  altklassischen  Unterrichts  (N.  J.  IL,  177);  A.Springer,  Handbuch  der  Kunstgeschichte,
  bearbeitet  von  A.  Michaelis  (Seemann);  G.  Perrot,  L’Histoire  de  l’art  dans
l’enseignement  secondaire  (Paris,  Chevslier-Mareseq);  K.  Sittl,  Die  Anschauungsmethode
  in  der  Altertumswissenschaft  (Perthes);  H.  Luckenbach,  Abbildungen  zur
alten  Geschichte  (München);  R.  Menge,  Einführung  in  die  alte  Kunst  (Leipzig,  Seemann);
  A.  Lichtwark,  Übungen  in  der  Betrachtung  von  Kunstwerken  (Dresden);
Henrich,  Über  die  Behandlung  des  Kunstunterrichts  auf  den  Gymnasien  (BbG.
1898,  858).

2.  Xenophon  gehört  zu  den  eingebürgerten  Schulautoren.  Man  kann  sich
die  Anabasis  kaum  noch  aus  der  Schule  hinwegdenken.  Ist  ihr  doch  fast  derselbe
  Kultus  geweiht  worden  wie  dem  Gallischen  Kriege  Cäsars.  Erst  in
jüngster  Zeit  ist  dieses  allgemeine  freudige  Beifallklatschen  durch  einige  schrille
Töne  verachtungsvollen  Tadels  gestört  worden.  Von  dem  „Erarbeiten“  der
Kriegsaltertümer  bei  der  Erklärung  dieser  Schrift  kann  ich  mir  keinen  Gewinn
für  die  Ziele  des  humanistischen  Gymnasiums  versprechen.  Eine  möglichst  weitgehende
  Beschränkung  der  jetzt  wuchernden  kriegsgeschichtlichen  Lektüre  zugunsten
  vor  allem  der  in  Deutschland  zurückgedrängten  philosophischen  sollte
für  die  nächste  Zeit  das  Ziel  sein.  Daß  die  Anabasis  ein  interessantes  und
sympathischee  Buch  ist,  muß  im  übrigen  zugegeben  werden.  Um  ihr  aber
Interesse  abzugewinnen,  muß  man  sie  schnell  lesen  können,  wie  alle  derartigen
bistorischen  Schriften:  auf  kleinem  Raume  ist  in  Büchern  dieser  Art  des  Bezeichnenden
  so  wenig,  daß  man  sie  jetzt,  wo  mit  der  Zeit  gegeizt  werden  muß,
wirklich  durch  etwas  Substanzielleres  ersetzen  sollte.  Doch  das  sind  Wünsche
für  eine  fernere  Zukunft.  Die  hochgehenden  Wogen  des  pädagogischen  Lobes,
welches  man  dem  Bellum  Gallicum  und  der  Anabasis  gespendet  hat,  können
sich  nur  allmählich  beruhigen.  Zunächst  ist  es  genug,  wenn  man  darauf  verzichtet,
  die  Anabasis  ganz  zu  lesen.  Die  sbergläubische  Furcht  vor  Auswahlen
und  Chrestomathien,  welche  die  Lehrpläne  der  deutschen  Staaten  übrigens  nicht
teilen,  muß  höheren  Rücksichten  gegenüber  schweigen.  Die  gelesenen  Stücke
zu  einem  Ganzen  zu  erweitern  und  zu  überbrücken,  das  eben  gehört  zu  den
Hauptaufgaben  der  erklärenden  Ausgabe  und  des  erklärenden  Lehrers.  Was  in