304  WeıssenrzLs:  Das  Griechische.

passendsten  Beweisstücke  dazu  zusammensuchte.  Da  würde  dann  auch  der
Anfang  des  zweiten  Buches  der  Memorabilien,  das  Gespräch  des  Sokrates  mit
Aristipp  über  die  Erziehung  der  Herrschenden  und  der  Beherrschten  und  über
das  Weltbürgertum  sowie  die  Fabel  des  Prodicus  „Herakles  am  Scheidewege“
nicht  fehlen  dürfen.  Um  von  der  Methode  des  Sokrates  eine  auf  Plato  vorbereitende
  Vorstellung  zu  verschaffen,  lasse  man  das  sechste  Kapitel  des  vierten
Buches  lesen.  Auch  aus  dem  Oixovouıxös,  dem  fünften  Buche  der  Memorabilien,
wo  man  wichtige  Seiten  der  hellenischen  Denkweise  aus  echt  hellenischer  Darstellung
  kennen  lernt,  läßt  sich  viel  für  die  richtig  verstandene  historische
Bildung  gewinnen.

Hansen,  R.,  Methodischer  Lehrerkommentar  zu  Xenophons  Anabasis.  Perthes.
—  Das  Hilfsheft  zur  Anabasisausgabe  von  Sorof.  Teubner.

3.  Seit  einiger  Zeit  verlangt  man  eine  reichlicher  bemessene  Platolektüre
für  die  Schule.  Es  mehren  sich  überhaupt  die  Zeichen  dafür,  daß  die  deutsche
Schule  die  Zurückberufung  der  ausgewiesenen  Philosophie  zu  fordern  anfängt.
Bisher  hatte  man  nur  an  wenigen  Gymnasien  von  Plato  mehr  als  die  Apologie
und  den  Kriton  gelesen,  zwei  herrliche  Schriften  von  ewigem  Werte,  die  der
reiferen  Jugend  durchaus  zugänglich  sind  und  die  doch  auch  der  Mann  immer
wieder  mit  dem  Gefühl  der  Erbauung  lesen  wird.  Das  ist  der  Idealismus  im
Bunde  mit  dem  wahrsten  Realismus.  Derartiges  lesend,  gewinnt  man  den
Glauben  an  die  Menschheit  immer  wieder.  Seit  einiger  Zeit  pflegt  den  Ausgaben
  dieser  beiden  zusammenhängenden  Schriften  Anfang  und  Ende  des  Phädon
hinzugefügt  zu  werden:  die  Erzählung  von  dem  Tode  des  Sokrates.  Auch  das
ist  zu  billigen.  Dies  Beispiel  kann  beweisen,  daß  sich  durch  die  Zusammenfügung
  gut  gewählter  Teile  aus  verschiedenen  Schriften  ein  herrliches  Ganzes
herstellen  läßt.  Doch  führen  diese  Schriften  nur  in  den  Vorhof  der  Platonischen
  Philosophie.  Auch  der  Protagoras,  der  viel  gelesen  wird,  führt  nicht  viel
tiefer  in  die  Gedankenwelt  Platos  hinein,  obgleich  er  durch  Belebtheit  der
Szenerie,  gute  Laune  und  Urbanität  allen  anderen  Dialogen  überlegen  ist.  Dasselbe
  gilt  von  den  kleineren  Dialogen  über  die  Frömmigkeit  (Euthyphron),  über
die  Freundschaft  (Lysis),  über  die  Tapferkeit  (Laches),  über  die  Besonnenheit
(Charmides).  Der  Theätet  ist  von  größter  Wichtigkeit  für  Platos  Erkenntnistheorie,
  ist  aber  für  die  Schule  zu  schwer  und  zu  spitzfindig,  ebenso  der  Phile
bus.  Anders  aber  steht  es  mit  dem  Gorgias,  der  dramatisch  gleichfalls  belebt
ist,  zugleich  aber  tiefe  Wurzeln  treibt.  Stellt  er  ja  doch  der  lügnerischen
Schmeichelkunst  der  Sophisten  ein  auf  Wahrheit  und  Gerechtigkeit  gegründetes
Lebensideal  gegenüber.  Der  berühmteste  von  den  Dialogen  Platos  ist  der
Phädon.  Diesen  aber  kann  man  nicht  vollständig  in  der  Schule  lesen.  Man
lasse  sich  außer  der  unter  allen  Umständen  zu  lesenden  Erzählung  von
dem  Tode  des  Sokrates  an  den  Abschnitten  genügen,  welche  die  Philosophie
  als  ueAern  Bavarov,  das  Wissen  als  Wiedererinnerung  definieren,  von
der  Präexistenz  der  Seele  handeln,  die  Ideen  in  Gegensatz  stellen  zur  Welt
der  Erscheinung.  Auch  auf  das  Symposion,  in  welchem  der  philosophische
Trieb  aus  den  geheimsten  Tiefen  der  menschlichen  Anlage  abgeleitet  wird,