Homer.  317

wiewohl  sie  späteren  Ursprungs  sind.  Ebenso  ist  das  einundzwanzigste  Buch
in  seinem  ersten  Teile,  bis  zum  Vers  384,  von  großartiger  Schönheit,  wenn  es
auch  nicht  die  „edle  Einfalt“  der  ältesten  Teile  hat.  Die  Beschreibung  der
Kampfesspiele  im  dreiundzwanzigsten  Buche  überschlägt  man  lieber:  die  zur
Erklärung  nötige  Zeit  würde  dem  Ertrage  nicht  proportioniert  sein.  Anders
steht  es  mit  dem  achtzehnten  Buche  (‘Oxionorie).  Die  Beschreibung  des
Schildes  (478—608)  ist  überreich  an  Schwierigkeiten,  aber  sie  bietet  ein  mit
Leben  und  Anschauung  gesättigtes  Kulturbild  jener  Zeit  und  verdient  deshalb,
mit  höchster  Anstrengung  von  dem  Schüler  „erarbeitet“  zu  werden.  Auf  die
Erzählung  vom  zwölften  Buche  bis  gegen  Ende  des  fünfzehnten  kann  man
leicht  verzichten.  Das  Schönste  daraus,  die  Aıos  dxarn  im  vierzehnten  Buche,
würde  überdies  mit  Schülern  nicht  gelesen  werden  können.  Und  wie  viele
gleichgültige  und  völlig  kalt  lassende  Kämpfe  lassen  sich  aus  dem  zweiten  bis
achten  Buche  ausscheiden!  Sollten  nicht  zwei  wöchentliche  Stunden  zwei  Jahre
hindurch  für  die  Ilias  zu  viel  sein?  Man  könnte  auf  der  obersten  Stufe  Homer
überhaupt  der  Privatlektüre  überlassen.  Freilich  müßten  der  Kontrolle  wegen
und  um  Direktiven  zu  geben  von  Zeit  zu  Zeit  Homerstunden  eingeschaltet
werden.  Auch  müßte  man  dem  Schüler  darauf  berechnete  Ausgaben  in  die
Hand  geben.  Vor  allem  bedürfte  es,  um  ihn  einzuladen,  sich  in  Homer  zu
vertiefen,  einer  reichlich  bemessenen  und  gut  geschriebenen  Einleitung,  die  ihn
aber  nicht  mit  archäologischen  Seltsamkeiten  füttern,  sondern  von  dem,  was
diesen  Dichtungen  für  alle  Zeiten  Bedeutung  verleiht,  ein  klares  und  ausgeführtes
  Bild  verschaffen  müßte.  Zugleich  würde  sie  über  den  epischen  Dialekt
das  heute  in  allen  Ausgaben  Stehende  zu  bieten  haben.  Für  das  Gedeihen  der
Homerlektüre  hängt  alles  davon  ab,  daß  im  Anfange  dem  Sprachlichen  die  angestrengteste
  Aufmerksamkeit  gewidmet  und  ein  sicheres  Verständnis  der  zahlreichen
  stereotypen  Wendungen  des  epischen  Stils  erworben  werde  Nur  im
Anfang  darf  nachübersetzt  werden.  Vor  dem  Breitkauen  des  Inhaltes  nach
pedantischer  Methode  ist  durchaus  zu  warnen.  Wer  aber  Homer,  die  Formen
halb  ratend,  zu  früh  in  beschleunigtem  Tempo  liest,  muß  es  nachher  weit
schwerer  büßen,  als  wenn  er,  voll  ungestümer  Liebe  zu  den  Sachen,  sich  mit
unzureichenden  Sprachkenntnissen  auf  einen  griechischen  Prosaiker  wirft.
Bonitz,  H.,  Über  den  Ursprung  der  Homerischen  Gedichte.  Wien.  —  Christ,  W.,
Geschichte  der  griechischen  Literatur  (Handbuch  von  J.  Müller  VII).  —  Cauer,  P.,
Grundfragen  der  Homerkritik.  Leipzig,  Hirzel.  —  Kammer,  Ein  ästhetischer  Kommentar
  zu  Homers  Ilias.  Paderborn.  —  Croiset,  M.,  Histoire  de  la  litterature
grecque  I.  Paris,  Thorin.  —  Grimm,  H.,  Homers  Dias.  —  Vogrinz,  Grammatik
des  Homerischen  Dialekts.  Paderborn.  —  Vogrinz,  Die  homerische  Frage  in  der
Schule  Gm.  1901,  77  u.f.  —  Hartel,  AbrißB  der  Grammatik  des  Homerischen
und  Herodotischen  Dialekt.  Wien.  —  Aufsätze  in  den  L.  L.  von  Heußner,
Frick,  Menge.  —  Die  Jahresberichte  von  C.  Rothe  in  der  2.G.  W.  —  Die  Hilfshefte
  zur  Dias  und  zur  Odyssee  von  OÖ.  Henke.  Teubner.  —  Helbig,  W.,  Das
Homerische  Epos  aus  den  Denkmälern  erläutert.  Teubner.  —  Kohl,  O.,  Kanon  für
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zu  Homers  Odyssee.  Paderborn.  —  Boruck,  L.,  Ein  Kanon  für  die  Lektüre  der