324  Bozaner  und  Srieuter:  Französisch  und  Englisch.

Hilmar  Curas  die  Übersetzungsmethode  durch  seine  deutschen  Einzelsätze,
  welche  zum  Übersetzen  ins  Französische  bestimmt  waren,  vertreten.  Noch
stärker  betont  finden  wir  sie  bei  Joh.  Jak.  Schatz  in  seinem  Frantzösischen
  Langius  1724,  einer  Grammatik,  die  ganz  nach  dem  lateinischen
Langius  eingerichtet  war.  So  stand  der  Herrschaft  der  Meidingerschen  Methode
  nichts  mehr  im  Wege.  1783  erschien  Meidingers  Grammatik  in  Frankfurt
  a.M.  unter  dem  Titel:  ‘Praktische  französische  Grammatik,  wodurch
man  diese  Sprache  auf  eine  ganz  neue  und  sehr  leichte  Art  in  kurzer
Zeit  gründlich  erlernen  kann’.  Meidinger  behält  die  alte  herkömmliche
Einteilung  der  Redeteile  bei  und  gibt  vom  1.  Kapitel  an  deutsche  Einzelsätze,
  oder  auch  nur  Satzbrocken,  wie  ‘der  Vater  des  Sohnes,  der  Bruder
des  Nachbars’  usw.  Die  strenge  Teilung  von  Formenlehre  und  Syntax  ist
aufgegeben,  die  Behandlung  der  Aussprache  ist  übersichtlich,  und  dem  Interesse
des  Lernenden  wird  Rechnung  getragen  durch  Verwendung  der  Regeln  zu
praktischen  Übungen,  Gesprächen,  Briefen  usw.  Dieses  Buch  erlebte  bis  1857
37  Auflagen,  trotz  der  darin  enthaltenen  groben  Fehler  (vgl.  Wendt,  Franz.
Enzykl.  S.37)  und  beherrschte  infolge  der  bequemen  Übersetzungsmethode,  bei
welcher  man  mechanisch  einen  deutschen  Satz  nach  dem  anderen  ins  Französische
übertrug,  die  deutschen  Schulen  ein  halbes  Jahrhundert  hindurch.  Zwar  traten
gegen  Meidinger  verschiedene  Gegner  auf,  sie  konnten  aber  nicht  durchdringen.

Bie  waren  von  der  Übersetzungsmethode  nicht  befriedigt  und  wollten  ein  nstürlicheres
  Verfahren,  die  Fremdsprache  zu  erlernen,  einschlagen,  wie  dies  schon  ehedem  Comenius,
  Ratichius,  Locke,  Rousseau  und  Pestalozzi  empfohlen  hatten.  Die  Grammatik  sollte  am
zusammenhängenden  Texte  erlernt,  der  Schüler  sogleich  in  medias  res  hineingeführt  werden.
So  kamen  Männer  wie  Jacotot  (+  1848),  Hamilton  (}  1831)  und  Dumarsais  (}  1851)  zu
ihrer  Methode  der  Interlinearübersetzung,  die  sich  kurz  als  analytische  Methode
kennzeichnen  läßt.  Ein  Stück  Text,  einer  längeren  zusammenhängenden  Erzählung  entnommen,
  wird  zunächst  wörtlich  übersetzt  und  dann  nach  allen  sprachlichen  Seiten
hin  interpretiert.  Für  die  Schule  paßt  diese  Methode  nicht;  sie  schreitet  nicht  vom  Leichteren
  zum  Schwereren;  sie  muß  vielmehr  die  grammatischen  Erscheinungen  bunt  durcheinander
  erklären,  wie  es  gerade  der  fortlaufende  Text  mit  sich  bringt;  wohl  aber  ist  sie
im  Einzelunterrichte,  wo  man  der  ungeteilten  Aufmerksamkeit  des  Schülers  sicher  sein  kann,
verwendbar;  auf  ihr  beruhen  denn  auch  die  für  Privat-  und  Selbstunterricht  vielfach  empfoblene
  Toussaint-Langenscheidtsche  Methode  und  das  ‘Meisterschaftssystem’
von  Rosenthal.  Bemerkt  sei,  daß  auch  Thum  in  seinen  Sprachbüchern  für  Kaufleute
und  Gewerbetreibende  die  Interlinearübersetzung  anwendet.

Da  Meidingers  Buch  selbst  die  Grammatiker  nicht  hinreichend  befriedigen
konnte  und  die  Versuche  französischer  Sprachmeister,  gute  Lehrbücher  zu
schaffen,  scheiterten,  so  machte  sich  ein  pädagogisch  gebildeter  und  praktisch
erfahrener  Schulmann,  Joh.  Heinr.  Phil.  Seidenstücker  (1765  —1817),  ans
Werk.  Sein  ‘Elementarbuch  zur  Erlernung  der  französischen  Sprache’
ging,  wie  die  Lehrbücher  seiner  Schüler  —  denn  seine  Methode  machte  bald
Schule  —,  von  streng  methodischen  Grundsätzen  aus.  Er  stieg  vom  Leichteren
zum  Schwereren  auf  und  paßte  sich  dem  kindlichen  Anschauungskreise  an,  wobei
  er  vom  nächsten  und  engsten  Ideenkreise  ausging  (Eltern,  Familie,  Wohnort).
  Er  gab  kleine,  einfache,  aber  vollständige  Sätze;  die  grammatische  Er-