326  Bozauzz  und  Srızsıza:  Französisch  und  Englisch.

(1837  und  1850  in  Diesterwegs  Wegweiser),  ‘Die  genetische  Methode  des
schulmäßigen  Unterrichts  in  fremden  Sprachen  und  Literaturen  (3.Bearbeitung
  1846)  und  in  seinem  ‘Französischen  Elementarwerke,  Lehr-  und
Lesebuch  fürGymnasien  und  höhere  Bürger(Real-)schulen,2Teile,1840.

Seine  Grundsätze  sind  heutzutage  allgemein  anerkannt,  fanden  aber  lange
Zeit  nicht  die  gebtihrende  Beachtung.  Mager  findet  eine  befriedigende  Lösung
des  Sprachunterrichte  in  der  Verbindung  des  “analytischen,  synthetischen
und  praktischen  Elements’;  dies  führt  ihn  zu  seiner  ‘genetischen’  Methode,
  bei  der  er  auf  Comen,  Rattich  und  Pestalozzi  fuaßt  Das  Nähere  vergleiche
  man  bei  Wendt  (Enzykl.  d.  franz.  U.  8.  52ff.)..  Es  entstanden  denn
auch  für  das  Englische  bessere,  wissenschaftlicher  gehaltene  Lehrbücher,  wie
die  vor  der  Reform  allgemein  gebrauchten  Lehrbücher  von  Zimmermann,
Plate,  Immanuel  Schmidt,  Gesenius  und  Deutschbein,  die  zwar  alle  einen
straffen  grammatischen  Betrieb  betonten,  heute  aber  den  Forderungen  der  Reform
  in  ihren  neuen  Auflagen  meist  Rechnung  getragen  haben.

Selbst  der  einseitigste  und  dürftigste  Gymnasialunterricht  in  den  neueren
Sprachen  konnte  sich  indessen  nicht  ausschließlich  mit  Grammatik  befassen:
Die  Lektüre  mußte  notgedrungen  hinzutreten,  und  sie  wurde  auch  neben  der
Grammatik  noch  am  bereitwilligsten  gepflegt,  freilich  oft  nur,  um  im  Namen
der  Grammatik  mißhandelt  zu  werden.  Da  die  meisten  Lehrbücher  ausschließlich
  grammatischen  Übungsstoff  boten,  so  blieb  für  die  Lektüre  nur  die  Chrestomathie
  oder  der  Einzelschriftsteller  übrig.

Bis  in  die  60er  Jahre  gab  es  nur  sehr  wenig  Schulausgaben  von  Einzelschriftstellern  ;
daher  blieben  der  T6l&amp;Emaque’,Rollins  'Hommes  illustres’,  Voltaires  ‘Charles  XII’
und  einige  Dramen  der  klassischen  französischen  Periode  die  ständige  Lektüre  zumal  des
Gymnasiums;  im  Englischen  behauptete  der  "Vicar  of  Wakefield’  seine  unumschränkte
Herrschaft;  vereinzelt  trat  Meacaulay  auf.  Daß  sich  der  Quartaner  tödlich  langweilte,
wenn  ihm  zu  gleicher  Zeit  neben  dem  lateinischen  ‘Cornelius  Nepos’  der  französische
in  Gestalt  von  Rollins  "Hommes  illustres’  zugemutet  wurde,  fiel  damals  niemand  ein  zu  bedenken.
  Im  übrigen  griff  man  zu  den  Lesebüchern  oder  Chrestomathien,  wobei
wiederum  die  von  Ploetz  ("Chrestomathie’  und  "Manuel  de  litterature  francaise’)  die
Oberherrschaft  führten.  An  Lesebüchern  fehlte  es  im  Englischen  übrigens  nicht  (vgl.
Wendt  a.  a.  O0.  S.  159).  1845  ließ  Bernhard  Schmitz  sein  “Englisches  Lesebuch,
enthaltend  Stücke  aus  den  bedeutendsten  englischen  Dichtern  und  Prosaikern,  mit  einer
kurzen  Geschichte  der  englischen  Sprache  und  Literatur’  usw.  erscheinen.  Die  Proben
beginnen  mit  Shakespeare  und  gehen  bis  Dickens.  Schmitz  stellt  schon  beachtenswerte
Forderungen  der  Neuzeit  für  ein  guter  Lesebuch  auf.

Daneben  wsren  und  sind  noch  heutigentages  in  Gebrauch:  Herrigs  ‘France  litt6raire’
  (1866)  und  seine  ‘British  Classical  Authors’.!)  Ploetz  wie  Herrig  geben
einseitig  Literaturproben  seit  den  französischen  Klassikern  bzw.  seit  Shakespeare.  Die  für
Mittelklassen  bestimmte  kleine  Chrestomathie  von  Ploetz  war  etwas  vielseitiger:  von  Land
und  Leuten  aber  erzählte  sie  dem  Schüler  nichts.  Dazu  wurde  der  Lektürestoff  nun  vielfach
  von  den  Urammatisten  außerdem  noch  als  ein  willkommenes  Objekt  für  grammatische,
  insbesondere  syntaktische  Expektorationen  betrachtet,  so  daß  manche  Stunde  verlief,
ohne  daß  man  über  die  nächsten  Sätze  hinausgekommen  wäre.  Statt  nun  aber  das  Gefühl
von  der  Dürftigkeit  eines  solchen  Unterrichts  zu  haben,  meinte  man  im  Gegenteil,  ihm
erst  die  rechte  Würde  verliehen  zu  haben,  wenn  man  ihn  möglichst  in  die  Schablone  des

!)  Letztere  sind  neuerdings  völlig  umgearbeitet  erschienen.