328  Bozsner  und  StieaLer:  Französisch  und  Englisch.

erst  zu  entwickeln,  und  von  einer  englischen  war  kaum  zu  reden.  Immerhin
  ging  es  auch  mit  der  Errichtung  der  Lehrstühle  für  neuere  Sprachen  seit
1830  (Diez  in  Bonn),  wenn  auch  langsam,  vorwärts.

Daneben  gab  es  an  manchen  Universitäten  auch  Lektoren,  die  hier  und
da  auch  eigentliche  Vorlesungen  hielten;  an  anderen  Universitäten  aber  fehlten
nicht  bloß  die  Lektoren,  sondern  auch  die  Lehrstühle  für  neuere  Sprachen
überhaupt.  Wenn  um  1860  herum  eine  deutsche  Universität  je  einen  eigenen
Lehrstuhl  für  romanische  und  englische  Philologie  hatte,  so  konnte  man  daselbst
  die  neueren  Sprachen  als  gut  vertreten  bezeichnen.  Mit  der  praktischen
  Ausbildung  der  Studierenden  der  neueren  Philologie  war  es  an  vielen
Universitäten  bis  in  die  80er  Jahre  noch  recht  mißlich  bestellt.  Auch  beherrschten
  die  Professoren  selbst  nicht  immer  die  moderne  Sprache,  und  es  gab
wohl  manche  unter  ihnen,  die  besser  Altfranzösisch  und  Angelsächsisch  als
Neufranzösisch  und  Neuenglisch  verstanden.  Aus  diesem  Grunde  lehnte  auch
der  eine  oder  andere  von  ihnen  die  Übernahme  der  Prüfung  im  Staatsexamen
  ab  und  behielt  sich  nur  die  akademisch  vornehmere  Doktorprüfung
vor,  wohl  fühlend,  daß  er  bei  dieser  fester  im  Sattel  saß  als  bei  jener,  die  darum
  vielfach  von  geeigneten  Gymnasiallehrern  oder  Lehrern  an  höheren  Handelsschulen
  abgenommen  wurde,  ein  Modus,  der  sich  zum  Teil  bis  heute  an  einzelnen
  Universitäten,  z.  B.  in  Leipzig,  erhalten  hat.  Den  Universitätsprofessoren
kam  es  vor  allen  Dingen  auf  die  wissenschaftliche,  d.  h.  historisch-sprachliche
  Ausbildung  ihrer  Hörer  an.  In  diesem  Sinne  suchten  sie  das  Studium
der  neueren  Sprachen  zu  heben;  das  geschah  namentlich  einmal  durch  Gründung
  wissenschaftlicher  Zeitschriften,  in  denen  sie  die  Ergebnisse  ihrer
Forschungen  niederlegten,  andererseits  durch  Herausgabe  von  Enzyklopädien,
aus  denen  sich  Studierende  und  Lehrer  einen  Überblick  über  das  ganze  Gebiet
  ihres  Faches  verschaffen  sollten.

So  gab,  um  mit  den  letzteren  zu  beginnen,  schon  im  Jahre  1869  Bernhard  Schmitz,
einer  der  verdienstvollsten  älteren  Vertreter  der  neueren  Sprachen,  der  besonders  durch
seine  Schriften  anregend  und  fördernd  auf  die  Studierenden  wirkte,  seine  “Enzyklopädie
  des  philologischen  Studiums  der  neueren  Sprachen’  heraus,  der  später
noch  Supplementhefte  folgten.  Das  Werk  ist  natürlich  nach  dem  heutigen  Stand  der
Wissenschaft  vollständig  veraltet,  was  aber  seinem  Verdienste  keinen  Eintrag  tut.  Ihm  folgte
H.  Breitinger  mit  seinem  ‘Studium  und  Unterricht  des  Französischen’,  Zürich,
neueste  Aufl.  1877.  Die  didaktischen  und  methodischen  Werke  G.  Körtinge,  Gustav
Gröbers,  Storms,  Wendts,  Münch  und  Glaunings  u.  a.  m.  gehören  bereits  der
Reformperiode  an.  —  Nachdem  lange  Jahre  in  Deutschland  nur  Herrigs  ‘Archiv  für
das  Studium  der  neueren  Sprachen’,  begründet  1838,  und  das  “Jahrbuch  für
romanische  und  englische  Philologie’,  hgg.  von  Ebert  und  Lemcke,  begründet
1859,  die  einzigen  wissenschaftlichen  Fachzeitschriften  für  neuere  Sprachen  waren,  erschienen
nach  1875  zahlreiche  andere  wissenschaftliche  Zeitschriften  wie  Kölbings  "Englische  Studien’,
  Wülker  und  Trautmanns  “Anglia’,  Behagel  und  Neumanns  ‘Literaturblatt
  für  germanische  und  romanische  Philologie’,  Kastens  'Neuphilologisches
  Zentralblatt’,  Vollmöllere  “Jahresbericht  für  romanische  Philologie,
Viötors  “Phonetische  Studien’  (seit  1893  mit  den  “Neueren  Sprachen’  vereinigt),  ‘Die
Neueren  Sprachen,  Zeitschrift  für  den  neusprachlichen  Unterricht’,  Kaluza-(Koschwitz-)Thuraus
  ‘Zeitschrift  für  französischen  und  englischen  Unterricht’  u.@.m.