334  Bozener  und  Srrzmrer:  Französisch  und  Englisch.

die  Hölzelschen  Bilder  eintrat,  die  wohl  heutzutage  keiner  höheren  Lehranstalt  im  neusprachlichen
  Unterrichte  mehr  fehlen.  Die  Hölzelschen  Bilder,  zuerst  von  9.  Alge  im
französischen  Unterricht  benutzt  (vgl.  Hartmann  a.  a.  O.  8.  11),  machten  bald  Schule,  wiewohl
  sie  zeitlich  nicht  die  ersten  waren.  Schon  lange  vorher  waren  die  Wilkeschen  Ansechauungsbilder
  (Berlin,  Wreden)  in  Umlauf  und  fanden  bereite  1858  Verwendung  in
einem  kleinen,  auf  die  Anschauung  gegründeten  Buche  von  Karl  Grieb,  das  nach  Hartmann
(a.  a.  O.  8.  10)  als  frühester  Versuch)  in  dieser  Hinsicht  im  19.  Jahrhundert  gelten  darf.
1868  traten  J.  Lehmann  und  Ducotterd  mit  ihren  auf  die  Anschauungsmethode  gegründeten
  Lehrbüchern  hervor  und  wurden  bald  bahnbrechend  für  diese  Richtung.  Es  folgte
denn  Kuhnow  mit  seinem  Anschauungsunterricht  in  der  französischen  Sprache  auf  Grund
der  Strübingschen  Bilder,  Berlin  1871,  während  sich  Bohm  in  seiner  ‘Französischen
Sprachschule’,  Berlin,  Wreden,  3.  Aufl.  1892,  wieder  an  die  Wilkeschen  Bilder  anlehnt.
Als  eines  der  Lehrbücher,  welche  die  Anschauungsmethode  durch  Aufnahme  von  Bildern
am  treffendsten  zur  Darstellung  bringen,  sei’  das  1892  erschienene  “Lehrbuch  der  französischen
  Sprache  auf  Grundlage  der  Anschauung’  von  Roßmann  und  Schmidt
(Leipzig,  Velhagen)  erwähnt,  dem  1894  ein  nach  denselben  Grundsätzen  geschriebenes
‘Lehrbuch  der  englischen  Sprache’  von  denselben  Verfassern  folgte.  Diese  beiden
Bücher  wollen  den  Schüler  in  die  zu  erlernende  Fremdsprache  durch  die  Anschauung  mit
Hilfe  der  Hölzelschen  Bilder  direkt  einführen,  ohne  den  Umweg  durch  die  Muttersprache.
Über  die  im  neusprachlichen  Unterrichte  verwendbaren  Unterrichtsbilder  hat  Flemming
in  einem  Aufsatze:  “Hilfsmittel  für  den  fremdsprachlichen  Anschauungsunterricht”
  in  den  ‘Neueren  Sprachen’  I,  510—519  und  558—564  berichtet,  sowie  P.  Lange
in  seinen  ‘Beobachtungen  und  Erfahrungen  auf  dem  Gebiete  der  Anschauungsmethode
  im  französischen  Unterricht’,  Wien  (Hölzel)  1897.  Zu  den  Bildern  für  den
Anschauungsunterricht,  besonders  zu  den  Hölzelschen,  sind  im  Laufe  der  Zeit  eine  ganze
Reihe  von  Anleitungen’  und  “Vokabularien’  in  französischer  und  englischer  Sprache
erschienen,  wie  Bechtel  “L’enseignement  pour  les  yeux’  und  Towers  Clark  ‘The
four  Seasons,  etc.  after  Hölzel's  Pictures’,  sowie  die  neuerdings  von  Görlich
herausgegebenen  Vokabularien,  die  sich  einer  gewissen  Beliebtheit  zu  erfreuen  scheinen.
Zur  besseren  Verwertung  im  Unterrichte  sind  noch  die  Hölzelschen  Bilder  in  einer  Handausgabe
  als  Bilderatlas  erschienen,  deren  Blätter  auch  einzeln  zu  haben  sind.

Nach  dem  Vorgange  von  Lehmann,  Ducotterd,  Bohm,  Roßmann-Schmidt  usw.
hatten  sich  viele  andere  Verfasser  von  Reformlehrbüchern  veranlaßt  gesehen,  der  Ansohauungsmethode
  ebenfalls  ihren  Tribut  zu  zollen;  die  Hölzelschen  Bilder  erschienen  daher
zum  Teil  auch  in  ihren  Lehrbüchern,  oft  in  schlechter,  undeutlicher  Ausführung,  so  daß  die
obenerwähnte  Handausgabe  nur  mit  Freuden  zu  begrüßen  ist.  Eine  Karte  von  Frankreich
  und  England,  ein  Plan  von  London  und  Paris  fehlt  heute  wohl  in  keinem  neusprachlichen
  Lehrbuche  mehr,  das  den  Ansprüchen  der  Neuzeit  Rechnung  tragen  will.  Vielfach
sind  auch  Ansichten  von  bemerkenswerten  Städten  und  Gegenden,  hervorragenden
  Denkmälern  und  Bauten  in  den  Lehrbüchern  zu  finden.  Eine  Münztafel  mit  oft
farbigen  Abbildungen  der  gebräuchlichsten  Münzen  des  Landes  ist  fast  durchgängig  beigegeben.
Das  Verständnis  charakteristischer  Gebräuche  und  Gewohnheiten,  Spiele  usw.  des  fremden
Landes,  wird  durch  graphische  Darstellungen  unterstützt,  kurz,  es  kann  nicht  geleugnet
werden,  daß  die  Anschauungsmethode  zum  Teil  in  recht  geschickter  Weise  dem  neusprachlichen
  Unterrichte  dienstbar  gemacht  worden  ist.  An  läppischen  Versuchen  und  Aus-')

  Schon  in  den  40er  Jahren  erteilte  der  Sprachlehrer  Dr.  Gutbier  in  Dresden  französischen
  Unterricht  nach  farbigen  Bildern  (Marktplatz,  Garten,  Dorf,  Wirtschaftshof,  Küche,
Wohnzimmer,  Werkzeuge,  Gerätschaften  usw.):  Gebiet  der  sinnlichen  Anschauung
oder  bildliche  Darstellung  der  wichtigsten  Gegenstände  aus  dem  Gebiete  der
Natur  und  Kunst,  ein  Bilderwerk  zur  Bibliothek  der  Elementerpädagogik  (Verlag  George
Gropius,  Berlin);  hierzu  Nouveau  Systöme  de  Lecture  francaise  mit  Gesprächen,  die
nach  diesen  Bildern  bearbeitet  sind  (Verlag  Wienbrak,  Leipzig).