338  Bornner  und  Srmeuter:  Französisch  und  Englisch.

Männer  von  der  größten  Bedeutung,  an  ihrer  Spitze  der  hochverdiente  Universitätsprofessor
  Breymann  in  München,  an  die  Abfassung  neuer  Lehrbücher,  um
den  im  Laufe  der  Reformbewegung  zutage  getretenen  Anschauungen  über  die
künftige  Gestaltung  neusprachlicher  Lehrmittel  praktischen  Ausdruck  zu  verleihen.

So  entstanden  die  französischen  Unterrichtswerke  von  Breymann-Moeller,
Plattner,  Schäfer,  Mangold-Coste,  Ricken,  Wolter,  Ulbrich,  Bechtel,  Boerner,
Strien,  Ohlert,  Banner,  Reum  u.  a.  Für  das  Englische  erschienen  gleichfalls  eine
Anzahl  von  Lehrbüchern,  die  nach  der  rein  analytischen  Methode  bearbeitet  waren,
z.  B.  Dubislav  und  Boek,  Vietor-Dörr,  Würzner  und  Nader,  Hausknecht  “The
English  Student’,  das  ‘Englische  Lese-  und  Übungsbuch’  von  Meyer-Aßmann
(nebst  Meyers  “Englischer  Schulgrammatik  ’),  sowie  in  jüngster  Zeit  das  “Englische  Unterrichtswerk
  für  höhere  Schulen’  von  G.Krueger  unter  Mitwirkung  von  William  Wright.

Etwas  weiter  rechts  stehen  die  englischen  Lehrbücher  von  Bierbaum,
Fehse,  Thiergen-Boerner,  das  besonders  in  Preußen  gebrauchte  Lehrbuch
von  Tendering,')  Pünjer,  Deutschbein  in  seinen  verschiedenen  Bearbeitungen,
  Plate-Tanger,  Gesenius-Regel,  Kares-Tanger,  Görlich,
Fölsing-Koch,  F.  Schmidt,  Zimmermann  u.  a.  m.  Die  gemäßigte  Reform
dreng  auch  hier  durch,  d.  h.  man  gab  die  Übersetzung  aus  dem  Deutschen  in
das  Englische  nicht  ganz  auf,  sah  aber  darauf,  daß  die  deutschen  Übungsstücke
  möglichst  zusammenhängend  seien  und  sich  inhaltlich  wie  sprachlich
  eng  an  den  fremden  Text  anschlössen.  Doch  auch  hier  haben  wir
die  verschiedensten  Schattierungen:  Der  Einzelsatz  hat  auch  heute  noch  in
den  neuen  Lehr-  und  Übungsbüchern  seine  Stelle  behauptet,  da  man  ihn  nicht
immer  entbehren  zu  können  meint.  Die  Bedürfnisse  der  Praxis  haben  wohl
hier  und  da  —  das  schlagendste  Beispiel  sehen  wir  an  RoBmann-Schmidt  —
die  Verfasser  der  Lehrbücher  -  genötigt,  der  Übersetzungsmethode  manche
Zugeständnisse  zu  machen,  die  sie  gern  unterlassen  hätten.  Das  ist  eben
der  große  Fehler  der  extremen  Reformer,  daß  sie  die  Dinge  nicht  im
Lichte  der  Wirklichkeit  sehen  und  vergessen,  mit  der  Wirklichkeit  zu
rechnen,  sondern  daß  sie  mit  idealen  Faktoren  operieren,  die  nur  auf
dem  Papiere  stehen.  Solange  es  sogenannte  “Notlehrer’  gibt,  die  den  Fachlehrer
  ersetzen  müssen,  solange  dieser  selbst  nicht  vollkommen  sprachlich  geschult
  ist,  solange  die  Unterrichtsverwaltungen  im  Interesse  des  grammatischen
Betriebes  der  Sprache  die  Übersetzung  aus  dem  Deutschen  in  die  Fremdsprache
selbst  nicht  für  entbehrlich  halten,  so  lange  wird  sich  auch  der  Einzelsatz  in
den  fremdsprachlichen  Lehrbüchern  halten.  Auch  die  Anhänger  der  direkten
Methode  wie  Bierbaum?),  Fehse?)  usw.  haben  durch  die  Praxis  bewiesen,
daß  sie  sich  ab  und  zu  gezwungen  sehen,  der  grammatischen  Übung  wegen
zum  Einzelsatze  zurückzugreifen.

1)  Vgl.  Horn,  Verzeichnis  der  an  den  höheren  Lehranstalten  Preußens  eingeführten
Schulbücher  1901.

»  Vgl.  z.B.  Bierbaum,  Lehr-  und  Lesebuch  der  englischen  Sprache  nach  der  analytisch-direkten
  Methode.  Verkürzte  Ausgabe.  Leipzig  1900,  8.  2  und  8.

®)  Vgl.  Fehse,  Englisches  Lebrbuch  nach  der  direkten  Methode.  Verkürzte  Ausgabe.
Leipzig  1901.  S.  96,  Lesson  the  18',  2.