342  Boxensr  und  SrıxuLer:  Französisch  und  Englisch.

herigen  schriftlichen  Übersetzungen  dem  Ziele  der  Schule  entsprechende
  freie  Arbeiten  gestattet  werden.”  Beiden  Forderungen  haben
die  obersten  Schulbehörden  in  richtiger  Erkenntnis  der  Ansprliche  der  Neuzeit
in  dankenswerter  Weise  nachgegeben.  Die  freien  Schreibübungen  sind  bedingungsweise,
  ebenso  wie  der  freie  Aufsatz,  heutzutage  zugelassen.’)  Im
übrigen  müssen  wir  betreffs  der  Literatur  über  die  schriftlichen  Übungen
auf  Breymanns  sorgfältige  Zusammenstellungen  verweisen.?)

Daß  die  ‘vermittelnde’  Methode?)  schließlich  den  Sieg  davontrug,  war
nicht  zum  mindesten  das  Verdienst  der  Lektüre.  Auf  die  Lektüre  hatten  auch
die  Lehrer  der  neueren  Sprachen  ein  gewisses  Gewicht  gelegt,  die  den  Unterricht
  nach  dem  Vorbilde  des  altklassischen,  d.  h.  nach  der  rein  grammatisierenden
  Methode  betrieben,  denn  zu  einem  wirklichen  Verständnis  der  Lektüre
  war  eben  nach  ihrer  Anschauung  ein  intensiver  Betrieb  der  Grammatik
nötig,  und  die  vornehme  historische  Lektüre  (Michaud,  Mignet;  Macaulay),
sowie  die  Lektüre  der  Klassiker  (Corneille,  Racine,  Lafontaine,  Moliöre,  Boileau;
  Shakespeare,  Milton,  Byron)  war  ihnen  immer  als  das  höchste  Ziel  erschienen,
  an  dem  der  neusprachliche  Unterricht  festhalten  müsse,  wollte  er
anders  dem  altklassischen  würdig  zur  Seite  gehen  und  nicht  von  diesem  als
eine  moderne  Kunst  über  die  Achsel  angesehen  werden.  Sei  es  nun  vermittels
  der  wenigen  Einzelausgaben,  die  man  bis  in  die  80er  Jahre  hauptsächlich
  in  der  Göbelschen  Textsammlung  und  dem  Schützeschen
Theätre  francais  hatte,  sei  es  nun  vermittels  Chrestomathien,  man  traktierte
  jahraus,  jahrein  seine  klassischen  Schriftsteller,  trieb  bei  Corneille  und
Racine  ein  wenig  Metrik  und  mißhandelte  die  Lektüre  nicht  selten  im  Namen
der  Grammatik,  indem  man  begierig  jede  Stelle  aufgriff,  die  zu  einer  längeren
grammatischen  Expektoration  Anlaß  geben  konnte.  Dabei  wurde  die  Literaturgeschichte
  nicht  vergessen,  die  man  zumeist  an  der  Hand  biographischer

Notizen  (Ploetz  ‘Manuel’;  Herrig  “The  British  Classical  Authors’)  betrieb.
Seitdem  die  Reform  die  Wichtigkeit  der  Lektüre  für  alle  Zeiten  mit  dem  Satze
charakterisierte:  Die  Lektüre  muß  im  Mittelpunkte  des  gesamten  Unterrichts

1)  In  Sachsen  ist  für  die  Übersetzungsaufgabe  bei  der  Abschlußprüfung  in  Gymnasien
  und  Realgymnasien  der  Gebrauch  des  Wörterbuches  gestattet;  damit  hat  dieselbe
ihren  früheren  schwierigen  Charakter  gänzlich  verloren.  Vgl.  Bekanntmachung,  die
Lehr-  und  Prüfungsordnung  für  die  süchs.  Gymnasien  betr.  (1893)  usw.  S.  66,  Abschnitt  4,
und:  Bekanntmachung,  die  Lehr-  und  Prüfungsordnung  für  die  Realgymnasien  betr.
(1902),  8.  72,  Abs.  1.

2)  Abgesehen  von  den  früheren  Besprechungen  der  Reformschriften  in  Wülkers  “Anglie’,
Kölbings  “Englischen  Studien’,  Körting-Koschwitz’  “Zeitschrift  für  neufranzös.  Sprache  und
Literatur’  u.  v.a.,  hat  seit  1886  Löschhorn  alle  den  französischen  und  englischen  Unterricht
betreffenden  Werke  und  Schriften  in  Rethwischs  “Jahresberichten  über  das  höhere
Schulwesen’  besprochen,  und  Gundlach  seit  1890  in  Vollmöllers  “Jahresberichten’
auf  Grund  der  früheren  Berichte  über  den  Stand  des  neusprachlichen  Unterrichtes  von
Wolpert  und  Herlet  in  Bayern,  von  Stiehler,  Reuschel  und  Haubold  in  Sachsen,
von  Ehrhart  in  Württemberg,  von  Rose  in  Baden,  von  Dorfeld  in  Hessen  und
Ellinger  in  Österreich.

°)  Vgl.  u.  a.  Steinmüller,  Die  vermittelnde  Methode  im  Schulbetriebe  der  neueren
Sprachen.  Würzburg  1903.