350  Borsnza  und  Srıxerer:  Französisch  und  Englisch.

nars,  derartige  Stellen  vermittelt.  Die  Einrichtung  scheint  sich  bewährt  zu  haben  ,‚')  denn
das  preußische  Unterrichtsministerium  plant  seinerseits  eine  ähnliche  Einrichtung  für
Preußen,  so  daß  wir  es  mit  einer  Art  Lehreraustausch  zu  tun  hätten.  In  den  Staatehaushalt
  sind  nämlich  19500  M.,  sowie  3000  M.  eingestellt  mit  folgender  Begründung:

‘Behufe  Förderung  des  besonderen  nach  seiner  praktischen  Seite  dringend  verbesserungsbedürftigen
  neusprachlichen  Unterrichts  an  den  höheren  Schulen
ist  beabsichtigt,  nach  dem  Vorbilde  der  in  Frankreich  bestehenden  und  bewährten  Einrichtung
  Kandidaten  und  junge  Lehrer  aus  Frankreich  und  England  heranzuziehen,
  um  an  den  diesseitigen  höheren  Schulen  Konversationsübungen  in  den
neueren  Sprachen  abzuhalten.  Für  den  ersten  Versuch  sind  nun  zur  Remunerierung  der
heranzuziehenden  Ausländer  insgesamt  19500  M.  erforderlich.

Wie  Ausländer  an  deutschen  Schulen,  sollen  deutsche  Kandidaten  und  Lehrer  an  ausländischen
  Schulen  die  dort  bereits  eingerichteten  deutschen  Konversationsübungen  abhalten
  und  bei  dieser  Gelegenheit  sich  auch  in  der  Sprache  ihres  Aufenthaltsortes  weiterbilden.
  Zur  Förderung  dieses  Auslandsaufenthältes  sind  10  &gt;&lt;  800  —  8000  M.  bereitzustellen.’

Wie  sich  diese  Neueinrichtung  der  assistants  dirangers  an  deutschen  Schulen  bei
den  ganz.  anders  gearteten  Verhältnissen  bewähren  wird,  muß  natürlich  abgewartet  werden.

Vielleicht  wäre  es  richtiger  gewesen,  die  eingestellten  Summen  von  insgesamt
22600  M.  lieber  für  den  Auslandsaufenthalt  ülterer,  festangestellter  Lehrer  der
neueren  Sprachen  zu  verwenden,  da  die  Zahl  der  Reisestipendien,?)  wie  wir  sahen,  noch
sehr  klein  ist  und  die  älteren  Lehrer  meist  keine  oder  nur  sehr  ungenügende  Gelegenheit
zum  Auslandsstudium  gehabt  haben.  Doch  ist  immerhin  die  löbliche  Absicht,  welche  das
preußische  Unterrichteministerium  mit  dieser  Neueinrichtung  im  Auge  hat,  im  Interesse  der
Förderung  des  neusprachlichen  Unterrichts  dankbar  anzuerkennen.

Der  Förderung  des  englischen  Unterrichts  insbesondere  gewidmet  war  die  Schrift
Karl  Breuls,  des  verdienstvollen  Universitäteprofessors  und  Leiters  der  University  Extension
  Summer  Meetings  zu  Cambridge:  "Betrachtungen  und  Vorschläge  betreffend
  die  Gründung  eines  Reichsinstituts  für  Lehrer  des  Englischen  in
London’,  Leipzig  1900.°)  Breul  schlägt  darin  vor,  daß  das  Deutsche  Reich  immer  50  Lehrer,
zurzeit  auf  je  sechs  Monate,  also  jährlich  100  Lehrer  zu  ihrer  Weiterbildung  nach
London  in  das  Reichsinstitut  sendet.  Es  ist  ein  wahrhaft  idealer  Plan  —  leider  aber
wird  er  wohl  unausgeführt  bleiben.‘)  —  Hat  die  Reform  somit  die  Aus-  und  Weiterbildung
  der  neusprachlichen  Studenten  und  Lehrerschaft  nicht  unwesentlich  gefördert,  wobei
sich  das  Ausland  außerordentlich  entgegenkommend  gezeigt  hat,  so  daB  sogar  ein  Lehreraustausch
  zwischen  den  drei  Kulturvölkern  in  Aussicht  genommen  ist,  so  ist  auch  auf
den  deutschen  Universitäten  bezüglich  des  neuphilologischen  Studiums  manches  besser
geworden.  Zunächst  sind  mehr  Lehrstühle  für  neuere  Sprachen  errichtet  worden,  wiewohl
  an  einigen  kleinen  Universitäten  englische  und  romanische  Philologie  immer  noch  in  einer

1)  Perlitz-Montpellier:  ‘Der  Lehramtsassistent  in  Frankreich’,  Monatsschrift  f.  höh.
Sch.,  hgg.  von  Köpke  u.  Matthias,  V.  Jahrg.,  2.  Heft,  8.  86ff.  und  Thurau:  “Der  internationale
  Lehrer-  und  Schüleraustausch  zur  Verbesserung  des  neuspr.  Unterrichts’,  Zeitschr.
f.  franz.  u.  engl.  Unterr.,  hgg.  von  Kaluza  u.  Thurau,  V.  Bd.  1.  Heft,  8.  87  ff.  Aufsätze  von  Hinz-Königsberg:
  ‘Sechs  Monate  als  assistant  allemand  am  Lyc6e  zu  Troyes’  (S.  37)  und  Vierling-Königsberg:
  ‘  Du  röle  des  professeurs  assistants  dirangers  dans  les  Etablissements  de  Venseignement
secondaire  prussiens’  (8.42);  endlich  Berger-Landau:  ‘Internationaler  Schüleraustausch’  (8.61).

r,  Eine  ‘neuphilologische  Stipendienstatistik’,  enthaltend  die  Eingänge  bis
1.  Oktober  1901,  findet  sich  in  den  ‘Neueren  Sprachen’  IX,  S.  498  ff.  Sie  ist  natürlich  heute
überholt,  gewährt  aber  immerhin  eine  Übersicht.

s,  Ein  ähnlicher  Vorschlag  ist  für  Österreich  gemacht  worden:  A.  Seeger  ‘Ein
österreichisches  Institut  für  neufranzösische  Sprache  in  Paris’  in  der  “Zeitschrift  für  das
Realschulwesen’  XXVI,  H.  6.

%  Vgl.  u.a.  G.  Wendt  ‘Auslandsstudium’  in  den  “Neueren  Sprachen’  X,  S.  1ff.