354  Borawze  und  Srıanıre:  Französisch  und  Englisch.

Zum  Schlusse  sei  hier  auf  mehrere  Aufsätze  hingewiesen,  welche  die  Wünsche  der
Neuphilologen  in  ihrer  Gesamtheit  zum  Ausdrucke  bringen;  es  sind  dies  die  Aufsätze  von
Vietor:  “Neuphilologische  Wünsche  für  Universität  und  Schule’,  Vortrag  für  den  9.  Neuphilologentag
  in  Leipzig,  in  den  “Neuerern  Sprachen’  VII,  8.  129  ff.,  ferner  der  schon  früher
erwähnte  Aufsatz  von  Münch:  ‘Der  Betrieb  der  neueren  Sprachen  seit  1890’  in  den  “Neueren
Sprachen’  IX,  8.  65ff.,  sodann  Clodius’  Aufsatz:  “Was  wir  wollen  —  was  wir  nicht  wollen’
in  der  ‘Zeitschrift  für  franz.  und  engl.  Unterricht’  IV,  1,  8.  41ff.  und  endlich  der  ebenfalls
höchst  beachtenswerte  Aufsatz  von  G.  Krueger:  “Wunschzettel  eines  Neusprachlers’
in  der  ‘Zeitschrift  für  franz.  und  engl.  Unterricht’  III,  6,  S.  564ff.,  mit  dessen  Endspruch
auch  wir  diesen  Teil  schließen  wollen:

‘In  necessariis  unitas,
In  dubiis  libertas,
In  omnibus  caritas!’

Eines  Umstandes  sollte  aber  jeder  deutsche  Neuphilolog  eingedenk  sein:  wir  sollten
um  des  Studiums  der  fremden  Sprache  willen  niemals  vergessen,  was  wir  unserer
Würde  als  Deutsche  schuldig  sind:  auch  im  Auslande  selbst  habe  der  Deutsche  den
Mut,  als  Deutscher  mit  Entschiedenheit  aufzutreten.)  Deutsch  soll  des  deutschen
Neuphilologen  Gesinnung  und  Charakter  bleiben,  wo  immer  er  auch  weilen  möge.

I.  DIE  METHODE  IM  NEUSPRACHLICHEN  UNTERRICHT.

Die  vorstehende  kurze  geschichtliche  Darstellung  des  neusprachlichen  Unterrichts
  in  Deutschland  im  19.  Jahrhundert  hat  uns  gezeigt,  wie  der  Streit  um  die  Methode
  schon  sehr  früh  entbrannte,  wie  er  sich  immer  schärfer  entwickelte  und  wie
er  in  der  Reformbewegung  schließlich  in  einen  fast  25  jährigen  Krieg  auslief,  um
in  der  Erschöpfung  der  Parteien  mit  einem  Kompromiß  sein  Ende  zu  finden.
Nicht  daß  dieses  Ende  ruhmlos  gewesen  wäre:  es  wäre  böser  Wille,  wollte  man
leugnen,  daß  die  Reform  manch  herrliche  Anregung  gegeben,  manch  positives
Ergebnis  erzielt,  manch  tiefdurchdachte  Arbeit  auf  dem  Gebiete  der  neuphilologischen
  Wissenschaft  im  allgemeinen  und  der  neuphilologischen  Schulbuchliteratur
  im  besonderen  hervorgebracht  hat,  eines  aber  hat  sie  nicht  schaffen
können,  und  es  wird  auch  nicht  möglich  sein,  dies  jemals  zustande  zu  bringen,
das  ist:  eine  unbedingt  und  für  alle  Fälle  geltende  Methode  des  neusprachlichen
  Unterrichts.  Wo  immer  zwei  Reformer  zusammenkommen,
zeigt  sich,  daß  sie  nicht  eine,  sondern  zwei  Methoden  verfechten,  ein  jeder
die  seinige,  deren  Verschiedenheit  sich  deutlich  in  den  Lehrbüchern  kristallisiert,
  in  denen  sie  die  ‘neue’  Methode  zum  bleibenden  Ausdruck  bringen  wollten.
Es  gibt  eben  für  kein  Fach  eine  alleinseligmachende  Methode  und  kann
auch  keine  geben;  je  nach  dem  Ziele,  das  wir  im  Unterrichte  erstreben,  und
nach  dem  Zwecke,  dem  er  dienen  soll,  wird  die  Methode  verschieden  sein  müssen,
wenn  sie  überhaupt  brauchbar  sein  soll.  Eine  andere  Methode  wird  man
im  Einzelunterrichte,  eine  andere  im  Klassenunterricht,  eine  andere  in  der  Volksschule,
  eine  andere  in  der  höheren  Schule  anwenden.  In  der  Knabenschule

1)  Vgl.  Koschwitz,  “Ausländerei  und  Neuphilologen’,  in  der  ‘Zeitschr.  für  franz.  und
engl.  Unterricht’  111,  1,  S.  G4ff.  und  III,  8,  9.  249  ff.