356  Boraser  und  Srmentwer:  Französisch  und  Englisch.

Aufgabe  des  englischen  Unterrichts  ist  also,  dem  Schüler  eine  solche  Kenntnis
der  englischen  Sprache  zu  vermitteln,  daß  er  imstande  ist,  geschriebenes  und
gesprochenes  Englisch  zu  verstehen  und  sich  zum  Ausdruck  einfacher  Gedanken
mündlich  und  schriftlich  der  englischen  Sprache  zu  bedienen”  Was  Glauning
hier  vom  Englischen  sagt,  gilt  ganz  genau  auch  vom  Französischen  Des
weiteren  betont  er  noch,  daß  es  sich  dabei  natürlich  nur  um  die  heutige,
moderne  Sprache  handeln  kann.

Sehen  wir  nun  zu,  wie  die  drei  genannten  Methoden  sich  diesem  Ziele
gegenüber  verhalten  und  beginnen  wir  mit  der  grammatisierenden  Methode,
als  der,  welche  seit  Meidinger  fast  das  ganze  19.  Jahrhundert  beherrscht  hat.

Zunächst  werden  wir  uns  mit  dem  Begriffe  der  grammatisierenden  Methode
zu  beschäftigen  haben.  Wie  der  Name  sagt,  grammatisiert  sie,  d.  h.  sie  legt
das  Hauptgewicht  auf  die  Grammatik  und  läßt  daher  die  Sprache  an  der
Grammatik  erlernen.  Bei  ihr  dreht  sich  alles  um  die  Grammatik,  sie  bildet
den  Mittelpunkt  des  Unterrichts,  nicht,  wie  heute  mit  Recht  verlangt  wird,  die
Lektüre.  Das  Vokabellernen,  die  Lektüre,  die  schriftliche  und  mündliche
Übersetzung,  ja  selbst  das  Sprechen,  das  alles  sind  der  grammatisierenden
Methode  nur  notwendige  Beihilfen  zur  Einübung  der  systematischen  Grammatik.
Sie  faßt  den  Sprachunterricht  wesentlich  von  der  formalen  Seite  auf  und  redet
daher  viel  von  der  formalbildenden  Kraft  desselben.  Die  Einübung  geschieht
  deshalb  zumeist  am  Einzelsatze,  weil  die  grammatisierende  Methode
meint,  an  diesem  die  einzelne  grammatische  Erscheinung  am  klarsten  und  durchsichtigsten
  zur  Anschauung  bringen  zu  können.  Der  Vokabelschatz  wird
zwar  bei  dieser  Methode  sicher  erworben,  aber  er  hat  gewöhnlich  einen  sehr
beschränkten  Umfang,  bei  welchem  die  Vokabeln  in  keiner  oder  nur  sehr  lockerer
Beziehung  zueinander  stehen.  Folgerichtigerweise  muß  die  grammatisierende
Methode  auf  die  Lektüre  als  solche  weit  weniger  Gewicht  legen  als  auf
grammatische  Behandlung  derselben.  Sie  gefällt  sich  daher  immer  in  grammatischen
  Exkursen,  auf  Kosten  des  Inhaltes  und  der  sachlichen  Vertiefung.
So  schreitet  natürlich  die  Lektüre  im  ganzen  nur  sehr  mühsam  vorwärts,
und  das  Interesse  des  Schülers  an  dem  Gelesenen  muß  daher  sehr  bald  er-Jlahmen.
  Die  grammatisierende  Methode  glaubt  in  den  Geist  des  fremden
Idioms  durch  möglichst  vieles  Präparieren,  peinlich  enges  Übersetzen
und  womöglich  Rück-  oder  Nachübersetzen  einzudringen.  Sie  bedient  sich
lediglich  der  Reflexion  und  läßt  sich  das  Mittel  unbewußter  Nachahmung
gänzlich  entgehen,  das  sich  bei  einer  flotten  Lektüre  von  selbst  einstellt,  weil
gewisse  Wendungen  mit  mehr  oder  weniger  Abweichungen  immer  wiederkehren
und  ein  gut  Teil  der  Präparationsarbeit  überflüssig  machen,  die  doch
von  den  Schülern  zumeist  in  höchst  äußerlicher  Weise  ausgeführt  wird,  d.h.
durch  mechanisches  Aufsuchen  und  Aufschreiben  der  Vokabeln  ohne
Eindringen  in  den  Sinn  des  Textes.  Des  weiteren  pflegt  die  grammatisierende
Methode  gemeiniglich  philologisch  engherzig,  ‘wörtlich,  im  genauen  Anschluß
an  den  Text”  zu  übersetzen.  Hieraus  geht  auch  die  bei  den  Grammatisten
vielbeliebte  Nachübersetzung  hervor,  die  einen  ganz  unnötigen  Ballast  der