360  Bozanzs  und  Srızuter:  Französisch  und  Englisch.

Seite  mußte  sich  allmählich  eine  dritte  Richtung  herausbilden,  welche  die
Klippen  der  beiden  zu  vermeiden  und  den  Bedürfnissen  der  Praxis  sowohl  wie
den  gesetzlichen  Forderungen  dadurch  zu  genügen  suchte,  daß  sie  zwischen
beiden  Extremen  eine  Vermittelung  anstrebte.  Diese  Methode,  welche  man
daher  als  die  vermittelnde  bezeichnet,  ist  das  Ergebnis  des  langen  Kampfes
auf  dem  Gebiete  der  Reformbewegung;  sie  kommt  in  den  Lehrbüchern  der  sogenannten
  ‘gemäßigten  Reform’  am  klarsten  zur  Anschauung  und  erfreut  sich
heute  der  größten  Verbreitung.  Sie  gipfelt  in  dem  Satze:  ‘Je  prends  le  bien  ou  je
le  trouie’  und  will  das  eine  tun,  ohne  das  andere  zu  lassen,  d.  h.  sie  will  die  praktische
  Seite  mit  der  theoretischen,  die  reale  mit  der  idealen  verbinden
und  will  sich  mit  den  Lehrplänen  und  den  gesetzlichen  Bestimmungen
im  Einverständnis  wissen;  denn  nur  so  kann  sie  auf  die  große  Masse  wirken,
wenn  sie  anders  dem  großen  Ganzen,  nicht  einigen  wenigen  dienen
will.  Das  Ziel,  welches  sie  sich  steckt,  soll  in  jeder  Beziehung  erreichbar
  sein;  die  vermittelnde  Methode  erklärt  mit  Recht:  ultra  posse  nemo  obligatur!
  d.h.  in  4  oder  gar  2  Stunden  wöchentlich  Französisch  und  3  oder  2
Stunden  Englisch  neben  einem  Dutzend  anderer  Lehrfächer  kann  man  kein
“perfekter”  Franzose  oder  Engländer  werden.  Was  man  aber  vom  Schulunterrichte
  nicht  verlangen  kann,  soll  man  auch  nicht  als  Ziel  hinstellen.
  Die  extremen  Reformer  jedoch  haben  mit  ihren  extremen  Forderungen
dem  kritiklosen  Publikum  den  Kopf  verdreht  und  lassen  die  Stellung  der
neueren  Sprachen  auf  den  höheren  Schulen  in  einem  ganz  falschen  Lichte  erscheinen.
  Sie  haben  Ansprüche  gestellt,  welche  die  Schule  nicht  erfüllen
  kann,  deren  Erfüllung  das  Publikum  indessen  nunmehr  erwartet.  Wenn
wir  aber  Glaunings  mehrfach  erwähnte  Definition  als  Ziel  des  neusprachlichen
  Unterrichts  annehmen,  so  glauben  wir,  daß  das  Realgymnasium
und  die  Oberrealschule  dasselbe  ganz,  das  Gymnasium  und  die  Realschule
  es  wenigstens  zum  größten  Teile  zu  erreichen  imstande  sind.

Auch  die  ‘vermittelnde’  Methode  legt  ein  Hauptgewicht  auf  eine  sorgfältige,
  möglichst  nationale  Aussprache;  aber  sie  geht  dabei  nicht  immer
vom  zusammenhängenden  Lesestücke  aus,  sondern  übt  die  Aussprache  oft  am
Einzelsatze  ein,  weil  sie  nicht  mit  Unrecht  meint,  daß  die  Erlernung  der  Aussprache
  am  Einzelsatze  dem  Schüler  wesentlich  leichter  falle,  weil  bei  demselben
weit  weniger  Aussprachegeseize  auf  ihn  einstürmen  als  im  vielgestaltigen  zusammenhängenden
  Texte.  Dabei  können  die  Einzelsütze  immer  in  einem  gewissen
  Zusammenhang  stehen,  wie  wir  das  z.  B.  in  den  Lehrbüchern  von
Boerner  und  in  denen  von  Breymann  durchgeführt  finden.  Doch  gibt  es  auch
Lehrer  und  Lehrbücher  genug,  die  im  Anfangsunterrichte  der  rein  imitativen
Methode  folgen.  Die  der  Aussprache  zugute  kommenden  Hilfsmittel  verschmäht
auch  die  vermittelnde  Methode  nicht.  Sie  nimmt  die  Phonetik  in  Anspruch,
soweit  dieselbe  zur  Begründung  der  Lautlehre  nötig  ist,  hält  sich  aber  dabei
in  mäßigen  Schranken;  auch  der  Transkription  für  die  einzelne  Vokabel  im
Wörterbuch  bedient  sie  sich,  während  sie  sich  allerdings  gegen  vollständig
transkribierte  Texte  meist  ablehnend  verhält.  Nicht  wenige  Lehrer,  die  dieser