362  Boxzamzz  und  Srızuzer:  Französisch  und  Englisch.

hinauslaufen,  sondern  daß  sie  mehr  allgemeinen  Charakters  und  auch  inhaltlich
von  einem  gewissen  bildenden  Wert  sein  sollen,  so  bedürfen  die  weiteren  schriftlichen
  Übungen  wie  die  Retroversion,  die  freie  Nacherzählung  und  der
freie  Aufsatz  noch  sehr  des  methodischen  Ausbaues.  Beherzigenswerte  Winke
hat  in  dieser  Beziehung  in  jüngster  Zeit  gegeben:  H.  Borbein,  Die  freien
schriftlichen  Arbeiten  im  neusprachlichen  Unterrichte  der  höheren
Lehranstalten,  in  der  ‘Monatsschrift  für  höhere  Schulen’,  hgg.  von  Köpke  und
Matthias,  4.  Jahrg.,  3.  und  4.  Heft,  S.  152ff.  Ob  es  möglich  ist,  die  schriftliche
Übertragung  aus  dem  Deutschen  in  die  Fremdsprache  auf  der  Oberstufe  zugunsten
des  freien  Aufsatzes  ganz  fallen  zu  lassen,  muß  die  Zukunft  lehren.!)  Schätzenswerte
  Hilfsmittel  auf  diesem  noch  sehr  unbebauten  Gebiete  haben  geliefert:
Reum,  Französische  Stilübungen  für  den  ersten  Aufsatzunterricht  (Bamberg
1899),  ferner  Görlich,  Freie  französische  Arbeiten,  Musterstücke  und  Aufgaben
(Leipzig  1896)  und  Görlich,  Materialien  für  freie  englische  Arbeiten  (Leipzig
1898).  Zahlreiche  Themen,  teilweise  nebst  Dispositionen  zur  Abfassung  von
Aufsätzen  von  der  Unterstufe  bis  zur  Abschlußprüfung  enthalten  u.  a.  die  der
vermittelnden  Methode  angehörigen  Lehrbücher  von  Boerner  und  Thiergen.

Eine  Methode,  welche  den  Anforderungen  des  praktischen  Lebens  Rechnung
zu  tragen  sich  bemüht,  wird  natürlich  auch  die  mündliche  Übung  im  Gebrauche
  der  Fremdsprachen  nicht  vernachlässigen.  Geht  die  vermittelnde  Richtung
  auch  nicht  so  weit,  daB  sie  den  ausschließlichen  Gebrauch  des  fremden
Idioms  vorschreibt,  so  pflegt  sie  doch,  soweit  dies  irgendwie  möglich  ist,  das
Sprechen  der  Fremdsprache  von  Anfang  an,  sei  es  nun  an  der  Hand  der  Lektüire,
  sei  es  in  selbständigen  unabhängigen  Sprechübungen  über  Gegenstände
  des  täglichen  Lebens  u.  dgl.  DaB  sie  schwierigere  Erscheinungen  der
Grammatik  ın  deutscher  Sprache  erläutert,  wird  kein  Besonnener  befremdlich
  finden;  es  steht  das  nur  mit  dem  Gesetze  im  Einklang.  Diese  Methode  will
eben  nicht  über  die  Köpfe  der  Schüler  hinweg  dozieren.  Darum  will  sie  auch
die  mündliche  Übersetzung  aus  der  Fremdsprache  ins  Deutsche  nicht
entbehren,  denn  sie  weiß,  wie  leicht  der  Schüler  eine  schwierigere  Stelle  gänzlich
  mißversteht,  wie  oberflächlich  er  sich  präpariert,  wenn  an  Stelle  der  mündlichen
  Übersetzung  immer  nur  das  bloße  Abfragen  oder  die  bloße  Inhaltsangabe
  tritt.  Da  diese  bei  der  imitativen  Methode  wiederum  nur  in  der  Fremdsprache
  gegeben  wird,  so  ist  der  Lehrer  eigentlich  nie  sicher,  ob  der  Inhalt
auch  richtig  verstanden  worden  ist.  Deshalb  kann  sich  die  vermittelnde  Methode
  auch  nicht  recht  mit  den  einsprachigen  Wörterbüchern  und  den
einsprachigen  Schriftstellerausgaben  befreunden:  denn  hier  ist  oft  ein
dem  Schüler  unbekannter  Ausdruck  durch  einen  anderen  erklärt,  der  ihm
nicht  minder  unbekannt  ist;  was  ist  da  gewonnen?  Gar  nichts;  wohl  aber
werden  ganz  verschwommene  Begriffe  erzeugt.  Auch  die  vermittelnde  Methode
  verzichtet  hier  und  da  bei  leichten  unbedeutenden  Stellen  auf  die  Übersetzung
  und  begnügt  sich  mit  der  Inhaltsangabe,  aber  sie  tut  dies  nur  aus-')

  Vorläufig  wird  sie  noch  vom  Gesetz  gefordert;  vgl.  die  Lehrpläne.