366  Borrner  und  Srıeszer:  Französisch  und  Englisch.

auch  Landkarten,  Kunstblätter  und  ähnliche  Hilfsmittel  maßvoll  zu  benutzen.  Bei  allen
diesen  Übungen  ist  aber  sorgfältig  darauf  zu  achten,  daß  sie  nicht  zu  einem  geistlosen
Frage-  und  Antwortspiel  erstarren.  Auch  ist  davor  zu  warnen,  daß  auf  rein  äußerliche
Dinge  in  den  augenblicklichen  Zuständen  des  Auslandes  ein  übertriebener  Wert  gelegt
wird,  während  wichtigere,  namentlich  für  die  Beziehungen  zu  Deutschland  bedeutsame
Pupkte  nicht  die  gebührende  Beachtung  finden.

8.  Wort-  und  Phrasenschatz.  Mit  den  Sprechübungen  wird  zugleich  die  Aneignung
und  Befestigung  eines  nicht  zu  engen,  auch  das  konkrete  Gebiet  betreffenden  Wortschatzes
verbunden,  zu  dem  von  früh  an  ein  Vorrat  gebräuchlicher  fester  Phrasen  kommen  muß.
Beides  ist  möglichst  aus  dazu  geeigneten  Lesestücken  und  im  Anschluß  an  die  Anschauung
von  Bildern  und  Vorgängen  zu  gewinnen;  auch  können  sachlich  geordnete  Voksbularien
dabei  gute  Dienste  leisten.  Übungen  in  der  Zusammenstellung  von  sachlich  oder  sprachlich
verwandten  Wörtern  können  bis  in  die  oberen  Klassen  hinein  nicht  bloß  zur  Befestigung
der  Kenntnisse,  sondern  auch  zur  Belebung  des  sprachlichen  Interesses  vorgenommen
werden.  Auch  für  sprachgeschichtliche  Belehrung  bietet  die  Einprägung  des  Wortschatzes
mannigfache  Gelegenheiten,  die  der  Klassenstufe  entsprechend  nutzbar  gemacht  werden
können.

4.  Lektüre.  Die  Lektüre  soll  das  vornehmste  Gebiet  des  Unterrichts  bilden  und  wenigstens
  in  der  zweiten  Hälfte  der  gesamten  Unterrichtszeit  wertvollen  Inhalt  in  edler  Form
darbieten.  Bei  der  Auswahl  ist  vornehmlich  dasjenige  Gebiet  zu  berücksichtigen,  welches
in  die  Kultur-  und  Volkskunde  einführt;  bei  Realanstalten  darf  auch  die  technisch-wissenschaftliche
  Lektüre  nicht  fehlen.  Die  in  manchen  Schulausgaben  gebotenen  Lesestoffe  bedürfen
  sorgfältiger  Sichtung,  auch  ist  darauf  zu  achten,  daß  der  einzelne  Schülerjahrgang
vor  schädlicher  Einseitigkeit  des  Lesestoffes  bewahrt  bleibt.

Wenn  auch  mancherlei  sprachliche  Übungen  sowie  grammatische  und  sonstige  Belehrungen
  an  die  Lektüre  anzuschließen  sind,  so  muß  diese  doch  —  namentlich  in  den
höheren  Klassen  —  vor  einer  dienenden  Rolle  bewahrt  werden.  Auf  allen  Stufen  und  mit
steigenden  Ansprüchen  ist  fließendes,  lebendiges,  wohlbetontes  Lesen  französischer  und  englischer
  Texte  ernstlich  zu  betreiben.  Einprägung  und  sorgfältiges  Vortragen  zweckmäßig
gewählter  Gedichte  und  Prosastücke  wird  sich  hierbei  als  wertvoll  erweisen.  Die  Versuche,
an  die  Stelle  der  Übertragung  in  gutes  Deutsch  zeitweise  eine  Besprechung  des  Textes  in
der  fremden  Sprache  selbst  treten  zu  lassen,  können  nur  so  weit  zugelassen  werden,  als  die
Sicherheit  des  Lehrers  und  die  Entwicklung  der  Schüler  auch  bei  diesem  Verfahren  die
völlige  Erschließung  des  Gedankeninhaltes  gewährleisten.

5.  Grammatik  und  sonstige  Theorie.  Die  Grammatik  soll  zwar  der  Lektüre  untergeordnet
  werden,  darf  aber  nicht  derart  in  den  Hintergrund  treten,  daß  auf  eine  systematische
  Ordnung  und  eine  Verteilung  bestimmter  Pensen  auf  die  einzelnen  Klassenstufen
verzichtet  würde.  Ein  wenn  auch  möglichst  vereinfachtes  System  muß  schließlich  vor  den
Augen  der  Schüler  stehen.  Dies  gilt  am  bestimmtesten  für  Oberrealschulen  und  Realschulen,
  aber  auch  mit  angemessenem  Unterschied  für  die  anderen  Lehranstalten.  Anknüpfung
  an  die  anderen  von  den  Schülern  erlernten  Sprachen  ist  nirgends  zu  versäumen.
Die  übliche  Folge  von  Formenlehre  und  Syntax  wird  naturgemäß  beibehalten,  doch  nicht
so,  daß  es  ausgeschlossen  wäre,  wichtige  syntaktische  Regeln  schon  früh  zu  behandeln  und
minder  gewöhnliche  Erscheinungen  aus  der  Formenlehre  zurückzustellen.  Hauptziel  muß
sein:  völlige  Beherrschung  alles  Gewöhnlichen,  während  es  bei  nicht  wenigen  gesetzlichen
Erscheinungen  genügt,  daß  sie  bei  der  Lektüre  zum  Verständnis  gebracht  werden.  Ob  und
inwieweit  auf  der  Oberstufe  eine  Vertiefung  des  grammatischen  Unterrichts  durch  Ergründen
  der  Erscheinungen  nach  logisch-peychologischer  oder  historischer  Seite  erfolgen
kenn,  müssen  die  bestimmten  Verhältnisse  der  Schulen  ergeben.  Keinesfalls  kann  eine
derartige  “Vertiefung’  die  wirkliche  Beherrschung  ersetzen;  Wiederholung  und  Befestigung
bleiben  unter  allen  Umständen  das  Nötigste.  Französisch  oder  englisch  geschriebene  Grammatiken
  sind  vom  Schulgebrauch  auszuschließen.