370  Borrner  und  Srıerter:  Französisch  und  Englisch.

Die  Hauptschwierigkeit  der  Sprechübungen  liegt  in  der  Aufgabe,  nicht  nur  einzelne
Begabte,  sondern  die  ganze  Klasse  zu  beteiligen  und  die  Selbsttätigkeit  anzuregen.  Auf
die  einzelne  Schülerin  kommt  naturgemäß  jedesmal  nur  wenig  Zeit;  es  sind  also  solche
Übungen  zu  bevorzugen,  an  welchen  alle  teilnehmen  können;  der  Wetteifer  mag  durch
Rede  und  Gegenrede  der  Schülerinnen  selbst  unter  Leitung  des  Lehrers  geweckt  werden.
Je  mehr  von  vornherein  die  Schülerinnen  an  den  Gedanken  gewöhnt  werden,  daß  Französisch
  und  Englisch  weniger  aus  dem  Buche  als  aus  dem  Munde  des  Lehrers  zu  lernen
ist,  um  so  schneller  wird  sich  der  Verkehr  zwischen  Lehrer  und  Schülerinnen  in  der
fremden  Sprache  erreichen  lassen,  und  die  Scheu  sich  zu  äußern  wird  schwinden.

Wenn  auf  der  Oberstufe  viel  gelesen  werden  soll,  so  ist  es  nicht  möglich,  alles  zu
übersetzen  und  alles  gleichmäßig  zu  verarbeiten.  Der  Lesestoff  des  Semesters  wird  also
von  vornherein  von  dem  Lehrer  nach  verschiedenen  methodischen  Gesichtspunkten  zu  gliedern
  sein.  Im  Anfange  wird  es  sich  empfehlen,  gemeinsam  eine  gute  deutsche  Übersetzung
festzustellen.  Ist  die  Übersetzung  zu  Hause  vorbereitet,  so  werde  zuerst  übersetzt  und  dann
gelesen.  Später  mögen  einzelne  Abschnitte  zur  Vorübersetzung  unter  die  Schülerinnen
verteilt  werden;  andere  Abschnitte  werden  nur  gelesen  und  besprochen,  sobald  einige  Vertrautheit
  mit  dem  Stoff  und  seiner  Form  erreicht  ist.

Je  sicherer  der  Grund  in  der  Aussprache,  in  den  Elementen  der  Grammatik  und  im
Wortschatz  gelegt  ist,  um  so  weniger  wird  das  Lesen  durch  formale  Hindernisse  aufgehalten,
und  um  so  mehr  werden  bei  der  Erklärung  die  sachlichen  Gesichtspunkte  in  den  Vordergrund
  treten  können.  Sobald  übersetzt  wird,  ist  durchaus  auf  einen  guten  deutschen  Ausdruck
  hinzuarbeiten;  eine  Übersetzung,  die  auf  halbem  Wege  stehen  bleibt,  ist  sachlich
wie  pädagogisch  wertlos.

Können  von  größeren  Schriftwerken  nur  ausgewählte  Abschnitte  in  der  Schule  gelesen
werden,  so  ist  streng  darauf  zu  achten,  daß  die  Auswahl  nach  bestimmten  sachlichen  Gesichtspunkten
  erfolge,  und  daß  immer  ein  möglichst  abgeschlossenes  Bild  gewährt  werde.
Zur  Vervollständigung  desselben  muß  auch  die  regelmäßig  zu  pflegende  unvorbereitete
Lektüre  beitragen.

II.  Königreioh  Sachsen.

A.  Knabenschulen.
1.  Gymnasium.
Für  die  Anforderungen  in  den  neueren  Sprachen  ist  für  das  Gymnasium  maßgebend:
1.  Bekanntmachung,  die  Lehr-  und  Prüfungsordnung  für  die  sächsischen  Gymnasien
betreffend;  vom  28.  Januar  1898.  Dresden,  Meinhold  &amp;  Söhne.

A.  Französisch.
1.  Stundenzahl.  (8  40,  41;  Seite  47.)
vI  v  WW  Mb  IIIa  Ib  Da  Ib  Ia  Summe
—  —  5  3  2  2  2  2  2  18

3.  Lehrziel.  ($  18;  Seite  26.)

Gute  Aussprache,  Sicherheit  in  den  Elementen  der  Grammatik,  einige  Geübtheit  im
Verstehen  des  gesprochenen  Französisch  wie  im  schriftlichen  und  mündlichen  Gebrsuch
der  Sprache,  Bekanntschaft  mit  einigen  Huuptwerken  des  klassischen  Zeitaltere  durch
eigene  Lektüre.

Beim  Abschlusse  des  Schulkursus  muß  der  Schüler  imstande  sein,  mäßig  schwere
Stellen  aus  neufranzösischen  Schriftstellern  ohne  oder  wenigstens  nur  mit  geringer  Beihilfe
sofort  zu  verstehen  und  einen  leichten  deutschen  Text  ohne  grobe  Verstöße  gegen  die
Grammatik  und  die  Hauptregeln  des  Stils  ins  Französische  zu  übersetzen.

8.  Bemerkungen.  ($  20;  Seite  28—29.)
1.  In  allen  Klassen  sind,  unter  besonderem  Achten  auf  gute  Aussprache,  eifrig  Sprechübungen
  zu  betreiben,  indem  Gelesenes  oder  Gehörtes  anfangs  satzweise  abgefragt,  dann