III.  Die  Lehrpläne  der  deutschen  Bundesstaaten:  Bayern.  377

2.  In  bezug  auf  die  Sprechfähigkeit  ist  dahin  zu  streben,  daß  die  Schüler  imstande
sind,  französische  bzw.  englische  Fragen  (Gymnasium  und  Realschule:  leichte  französische
bzw.  englische  Fragen)  über  geeignete  Lesestücke  oder  über  einfache  Vorkommnisse  des
täglichen  Lebens  zu  verstehen  und  französisch  bzw.  englisch  zu  beantworten.

8.  Im  Mittelpunkt  des  Unterrichts  steht  der  fremdsprachliche  Text,  vor  allem  das
zusammenhängende  Lesestück,  an  welches  sich  die  meisten  Übungen  anzuschließen  haben.
(Zusatz  für  das  Realgymnasium:  Bei  der  Erklärung  der  Schriftsteller  ist  jedesmal  eine
kurze  literarhistorische  Einleitung  zu  geben.)

4.  An  den  Text  hat  sich  der  Unterricht  in  der  Grammatik  zu  schließen,  die  nur  als
Mittel  zum  Zweck  vorzugsweise  nach  der  induktiven  Methode  und  vor  allem  in  ihren  häufig
wiederkehrenden  Erscheinungen  zu  behandeln  ist.

5.  Die  schriftlichen  Übungen  sollen  in  allen  Klassen  im  Niederschreiben  von  Diktaten
  (Gymnasium:  leichten  Diktaten),  in  der  Umformung  gelesener  Stücke  und  in  Übersetzungen
  sowohl  aus  der  fremden  als  auch  aus  der  Muttersprache  (unter  Ausschluß  deutscher
Originalstücke)  bestehen.  (Zusatz  für  das  Realgymnasium:  Ferner  ist  in  den  beiden
obersten  Klassen  die  Übersetzung  zusammenhängender  deutscher  Texte,  sowie  die  Anfertigung
  von  Nacherzählungen  und  Briefen  zu  verlangen.  Auch  kann  der  Lehrer  hier  versuchsweise
  leichtere  französische  Aufsätze  anfertigen  lassen.  —  Zusatz  für  die  Realschulen:
  Auch  ist  in  den  beiden  obersten  Klassen  die  Anfertigung  von  Nacherzählungen
und  Briefen  zu  verlangen.)

Die  „besonderen  Vorschriften‘  werden  durch  eine  für  die  drei  Schularten  gleichlautende
Instruktion  noch  näher  erläutert.  Es  seien  daraus  folgende  Sätze  angeführt:

1.  Die  Aussprache  ist  in  einer  den  Fortechritten  der  phonetischen  Wissenschaft  entsprechenden
  Weise  zu  lehren.  Die  Lehrer  müssen  daher  die  sicheren  Ergebnisse  der  Phonetik
  im  Unterricht  praktisch  verwerten,  indem  sie  zunächst  in  der  untersten  Klasse  die
erste  Zeit  ausschließlich  auf  die  Einübung  der  fremden  Laute  verwenden.  —  Theoretische
Belehrung  über  die  Lautbildung  ist  nur  da  zu  geben,  wo  sie  die  richtige  Hervorbringung
der  fremden  Laute  zu  fördern  und  zu  erleichtern  geeignet  ist.  Auf  die  Einübung  der  Einzellaute
  hat  die  Einübung  der  Laute  im  Worte  und  im  Satz  zu  folgen.  —  Zu  nachdrücklicherer
  Förderung  der  richtigen  Aussprache  und  Betonung  empfiehlt  es  sich,  in  jeder  Klasse
einige  Gedichte  und  gehaltvolle  Prosastellen  auswendig  lernen  zu  lassen.  Phonetische  Transkriptionen
  zusammenhängender  fremdesprachlicher  Texte  sind  zu  vermeiden.

3.  Bei  den  Sprechübungen  hat  die  Fragestellung  nicht  immer  nur  durch  den  Lehrer,
sondern  nach  Anweisung  desselben  auch  durch  die  Schüler  zu  erfolgen.  Beim  Unterrichten
erscheint  in  allen  Klassen  der  möglichst  häufige  Gebrauch  der  fremden  Sprache  geboten,
soweit  ee  sich  nicht  um  erziehliche  Zwecke,  um  tiefere  Einwirkung  auf  Verstand  und  Gemüt
  der  Schüler  handelt.  Die  Regeln  der  Grammatik  sind  immer  erst  in  deutscher  Sprache
zu  erklären.

3.  Beim  Übersetzen  der  Autoren  ist  auf  einen  angemessenen,  idiomatischen  deutschen
Ausdruck  Gewicht  zu  legen.  —  Der  Gebrauch  einer  Chrestomathie  ist  im  allgemeinen  nicht
zu  empfehlen.  (Gegen  eine  maßvolle  Benutzung  von  Anschauungsbildern  beim  Unterricht
ist  keine  Einwendung  zu  erheben.

4.  Ein  Eingehen  auf  grammatische  Spitzfindigkeiten  ist  zu  vermeiden.

5.  Schriftliche  Übungen.  Übersetzungen  aus  der  Muttersprache  in  die  Fremdsprache
  sind  immer  erst  dann  vorzunehmen,  wenn  die  betreffenden  Spracherscheinungen
durch  mündliche  und  schriftliche  Übungen  am  fremden  Text  gründlich  eingeübt  sind.  Für
diese  Übersetzungen  sind  nur  solche  Stücke  zu  wählen,  welche  keine  stilistischen  Schwierigkeiten
  enthalten,  also  wörtlich  in  die  fremde  Sprache  übersetzt  werden  können.  Derartige
Übersetzungen,  namentlich  wenn  sie  sich  inhaltlich  an  die  vorher  durchgenommenen,  übersetzten
  und  erklärten  fremden  Texte  anschließen,  sind  besonders  zur  Befestigung  des  Wortschatzes
  der  Schüler  und  zur  Einübung  der  Grammatik  von  nicht  zu  unterschätzendem  Werte,
Hingegen  sind  Übersetzungen  von  deutschen  Originalstücken  als  zu  schwierig  zu  unterlassen.