IV.  Die  neusprachlichen  Lehrbücher:  grammatisierende  Methode.  385

Französisch.
Ploetz  —  Gustav  Plootz  —  Boerner  —  Bierbaum  —  Roßmann-Schmidt.
Ploetz  -  Kares
Englisch.
.  .  .  Fehse
Gesenius  —  Gesenius-  Regel  —  Thiergen  —  |  Bierbaum  |  —  Lehmann.

Ploetz  in  seiner  alten  Fassung  zu  charakterisieren,  dürfte  sich  heute
nicht  mehr  als  völlig  überflüssig  erweisen,  da  bereits  Lehrergeschlechter  herangewachsen
  sind,  die  nicht  mehr  nach  dem  ‘alten  Ploetz’  vorgebildet  sind  und
ihn  auch  nicht  aus  der  Lehrpraxis  kennen.  Außerdem  behauptet  er  andererseits
seine  Stellung  noch  in  so  vielen  höheren  Schulen,  daß  es  seine  Bedeutung  verkennen
  hieße,  wollte  man  ihn  als  völlig  abgetan  betrachten.

Bis  zum  Beginn  der  Reformbewegung  fast  Alleinherrscher  im  französischen
Unterrichte  in  Deutschland,  mußte  Ploetz  von  da  ab  allmählich  weichen,  als
man  anfing,  den  praktischen  Bedürfnissen  im  neusprachlichen  Unterrichte  ein
größeres  Gewicht,  als  dies  bisher  geschehen,  beizulegen,  und  als  man  einsah,  daß
Ploetz  diesen  Ansprüchen  zu  wenig  genügte.  Nach  Ahns  Vorbild  führt  er  in
streng  methodischer  Weise  den  Grundsatz:  “Vom  Leichteren  zum  Schwereren’
durch,  indem  er  an  französischen  und  deutschen  Einzelsätzen  immer
eine  grammatische  Erscheinung  zur  Darstellung  bringt  und  so  allmählich  das
gesamte  Gebiet  der  Grammatik  in  seinem  Werke  durchläuft,  das  in  eine  Elementargrammatik
  (oder  ein  Elementarbuch)  und  eine  Schulgrammatik  zerfällt.
Um  stets  mustergültiges  Französisch  zu  bieten,  entlehnt  jedoch  Ploetz  allzuoft  seine
Beispiele  der  Geschichte  und  nicht  zum  mindesten  der  alten,  was  einen  Hauptmangel
  geines  Werkes  bildet,  da  er  damit  den  praktischen  Bedürfnissen  der  Gegenwart
  nicht  zu  genügen  vermag.  Ein  weiterer  Fehler  seines  Werkes  besteht  darin,
daß  die  Schulgrammatik  nur  eine  sehr  kleine  Reihe  von  zusammenhängenden
Stücken  aufweist,  und  zwar  nur  von  deutschen;  französische  fehlen  ganz
und  gar.  Auch  vermißt  man  darin  alle  Hilfsmittel  des  Anschauungsunterrichtes,
wie  z.B.  eine  Karte  von  Frankreich,  einen  Plan  von  Paris,  eine  Münztafel  u.  dgl.,
wie  man  sie  heutzutage  in  jedem  neusprachlichen  Lehrbuche  nach  neuerer  Methode
  findet.  Briefmuster  verschiedenen  Inhalts,  Briefanfänge,  Briefschlüsse,  die
man  heute  meist  im  Anhang  grammatischer  Lehrbücher  antrifft,  sind  ebensowenig
vorhanden.  Überhaupt  fehlt  das  Lesebuch  in  der  Schulgrammatik  vollständig,
während  das  Elementarbuch  ein  solches  aufweist,  das  neben  mancherlei  Anekdoten
  und  Fabeln  auch  eine  Reihe  von  Zwiegesprächen  aus  dem  täglichen
Leben  und  geschichtlichen  Erzählungen  enthält.  So  genügt  Ploetz  .als  Lehrbuch
in  seiner  alten  Gestalt  den  praktischen  Anforderungen  der  Neuzeit  nicht  mehr.
Ganz  ungerecht  ist  es  indes,  nun  deswegen  über  ‘Vater’  Ploetz  den  Stab  brechen
zu  wollen.  Hat  er  doch  vielen  zu  den  Anfangsgründen  des  Französischen  verholfen,
die  heute,  undankbar  genug,  sich  in  absprechender  Kritik  über  ihn  nicht  genugtun
  können  und  doch  bei  jeder  Gelegenheit  auf  ihn  zurückgreifen.  An  methodischer
  Klarheit  und  Einfachheit  wird  Ploetz  heute  noch  von  keinem  anderen
Lehrbuche  übertroffen.  |

Handbuch  für  Lehrer  höherer  Schulen.  25