IV.  Die  neusprachlichen  Lehrbücher:  extreme  Reformmethode.  387

ersten  Auflage  hervor.  Übrigens  haben  die  Verfasser  den  Übersetzungsübungen
such  noch  eine  kurzgefaßte  Grammatik  beigegeben.  Nur  beiläufig  sei  erwähnt,
daß  zu  dem  zweiten  Teile  des  Lehrbuches  ein  ursprünglich  mit  demselben  als
ein  Buch  gedachtes  ‘Französisches  Lese-  und  Realienbuch’  für  die  Mittel-  und
Oberstufe  erschienen  ist,  das  seinen  Zwecken  vollkommen  entspricht.

Aus  alledem  ersehen  wir,  daß  sich  die  Lehrbücher  nach  der  rein  imitativen
Methode  im  strengsten  Sinne  des  Wortes  auf  unseren  höheren  Lehranstalten
nicht  halten  können.  Roßmann  und  Schmidt  haben  durch  Einfügung  von
deutschen  Einzelsätzen  in  den  französischen  Text  selbst  das  Zugeständnis  gemacht,
  daß  sie  derartige  Übungen,  mögen  sie  auch  nur  unter  dem  Titel  'Exercices
  de  grammaire’  auftreten,  zur  Kontrolle  für  notwendig  erachten,  sonst
würden  sie  sie  eben  nicht  eingefügt  haben;  noch  mehr  aber  tritt  dieses  Zugeständnis
  zutage  durch  die  Herausgabe  der  deutschen  “Übersetzungsübungen’,
wieviel  Überwindung  dieser  Schritt  die  Verfasser  auch  gekostet  haben  mag.

Es  ist  deshalb  ganz  erklärlich,  wenn  sich  bei  dem  Bestreben,  den  neusprachlichen
  Unterricht  den  Anforderungen  der  Gegenwart  anzupassen,  eine  Richtung
herausbildete,  die  sich  auf  den  Boden  der  Lehrpläne  und  des  in  der  Schule
überhaupt  Erreichbaren  stellen  wollte,  eine  Richtung,  die  weder  die  veralteten
Bahnen  der  grammatisierenden  Methoden  wandeln,  noch  die  extremen  Wege  der
imitativen  beschreiten  wollte.  Ihr  Bestreben  war,  von  beiden  das  Beste  zu  behalten.
Als  Typus  dieser  vermittelnden  Methode  darf  wohl  das  Französische
Unterrichtswerk  von  Boerner  gelten,  das  in  den  entsprechenden  Ausgaben
den  verschiedenen  Schulgattungen  angepaßt  ist.  Schon  damit  zeigt  der  Verfasser,  daß
er  erkannt  hat,  daß  ein  Buch  nicht  allen  Ansprüchen  gerecht  werden  kann,  daß
2.B.  der  Unterricht  in  Handels-  oder  Fortbildungs-  und  Gewerbeschulen
von  anderen  Gesichtspunkten  ausgehen  muß  als  der  in  Gymnasien,
und  daß  der  Lehrstoff  in  Knabenschulen  nicht  derselbe  sein  kann
wie  der  in  Mädchenschulen.  Das  ist  eben  der  große  Fehler  der  extremen
Neuerer,  daß  sie  keinerlei  Rücksicht  auf  die  jeweiligen  Verhältnisse  nehmen,  sondern
meinen,  ihre  Methode  müsse  sich  nun  ohne  weiteres  in  allen  Fällen  durchführen
lassen.  Boerner  gibt  jeder  Schule,  was  ihr  zukommt;  so  ist  die  Ausgabe  B  für
Mädchenschulen,  D,  von  Dir.  Dr.  Schmitz  mitbearbeitet,  für  preußische  Realanstalten
  und  ähnliche  Schulgattungen  bestimmt,  die  Ausgabe  E  für  Fortbildungs-
  und  Gewerbeschulen  unter  der  Mitarbeiterschaft  von  Dr.  Dinkler,  die
Ausgabe  F  für  Präparandenanstalten  und  Seminare,  mitbearbeitet  von  Seminaroberlehrer
  Cl.  Pilz;  daneben  gibt  es  noch  eine  vereinfachte  Ausgabe  B  für
Mädchenschulen.  Die  Ausgaben  A  und  B  haben  in  Ü  eine  Verkürzung  gefunden,
  und  auch  die  systematische  Grammatik  ist  je  nach  Bedarf  als  Ausgabe
A  oder  B  zu  haben.  Diese  neuen  Ausgaben  sind  z.  T.  auch  bedingt  worden  durch
die  neuen  preußischen  Lehrpläne  von  1892,  wie  denn  die  Lehrpläne  von  1901  sowie
die  neue  sächsische  Lehr-  und  Prüfungsordnung  von  1902  eine  für  Gymnasien
und  Realgymnasien  bestimmte  Neubearbeitung  @  notwendig  machen,  deren
erster  Teil  in  nicht  allzu  ferner  Zeit  erscheinen  dürfte.  —  In  methodischer  Beziehung

  verwertet  Boermer  seine  pädagogischen  Erfahrungen.  Er  lehrt  uns  in
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