IV.  Die  neusprachlichen  Lehrbücher:  Englisch.  391

den  einzelnen  Paragraphen  können  wohl  als  Muster-,  aber  nicht  als  Übungsbeispiele
  gelten.  Karten,  Pläne,  Münztafeln  oder  andere  Abbildungen  vermißt
man  in  dem  Buche  gänzlich.

Daß  die  Bearbeitung  von  Gesenius  durch  Regel  (F.  W.  Gesenius,  Englische
  Sprachlehre.  Völlig  neu  bearbeitet  von  Prof.  Dr.  Regel)  durchweg
  eine  Verbesserung  bedeute,  wird  wohl  nicht  allgemein  zugestanden  werden.
Gesenius-Regel  verhält  sich  in  dieser  Beziehung  zu  Gesenius  wie  Ploetz-Kares  zu
Ploetz.  Man  kann  im  Gegenteil  der  Meinung  sein,  daß  Regel  durch  seine  Bearbeitung
  das  Buch  seines  wahren  Charakters  entkleidet  hat.  Offenbar  hat  er  die  vermittelnde
  Richtung  einschlagen  wollen,  aber  das  ist  ihm  nicht  recht  geglückt.
Der  1.  Teil  ist  noch  annehmbarer,  der  2.  Teil  aber  zeichnet  sich  durch  besondere
  Einseitigkeit  der  englischen  Übungstexte  aus,  welche  hauptsächlich  geschichtlichen
  Inhalts  sind,  durch  die  sich  hindurchzuarbeiten  bei  den  wenigen
Stunden  englischen  Unterrichts  durchaus  keine  leichte  Aufgabe  ist.  Dabei  haben
Amerika,  Indien  und  Australien  vor  Old  England  den  Vorzug  erhalten.  Sprechübungen
  an  diese  ungefügen  Stücke  anzuknüpfen,  ist  gar  nicht  leicht,  und  wiewohl
  es  der  Verfasser  in  sogenannten  ‘Exercises’  hie  und  da  versucht  hat,
bleiben  diese  Versuche  doch  ziemlich  frostiger  Natur.  Jedenfalls  ist  von
einem  belebenden  Unterrichte  nach  diesem  Buche  nicht  die  Rede.  Das,  was
die  vermittelnde  Richtung  will,  trifft  der  Verfasser  nicht.  Die  ‘genauere  Einführung
  in  das  englische  Leben  und  in  die  Weltstadt  London’  hat  er  in  einem
eigenen  Übungsbuche  für  die  oberen  Klassen  gegeben.  Auch  Gesenius-Regel
  hat  die  Nützlichkeit  einer  Karte  von  England  oder  eines  Planes  von
London  oder  irgendeiner  notwendigen  Abbildung  noch  nicht  erkannt,  weder
das  eine,  noch  das  andere  bringt  er.  Dafür  gibt  er  in  bescheidenem  Maße  die
Aussprache  zu  den  Vokabeln  in  Lautschrift,  wo  es  ihm  nötig  erscheint.‘)

Auf  der  entgegengesetzten,  imitativen  Seite  steht,  dem  französischen
Lehrbuche  von  Roßmann-Schmidt  vergleichbar,  das  ‘Lehr-  und  Lesebuch
der  englischen  Sprache’  von  Ernst  Lehmann,  6.  Aufl,  Mannheim  1902.
Lehmann,  Kgl.  Professor  für  neuere  Sprachen  an  der  Kreisrealschule  in  Kaiserslautern,
  hat  sein  Buch,  ganz  wie  Roßmann-Schmidt,  nach  der  Anschauungsmethode
  bearbeitet,  und  beide  Werke  zeigen  daher  auch  eine  große  Ähnlichkeit
miteinander.  Nur  ist  Lehmanns  Lehrbuch  nicht  so  umfangreich  wie  das  RoBmann-Schmidtsche.
  Auch  fehlt  ihm  die  Lautschrift,  denn  was  Lehmann  an  Aussprache
  gibt,  kann  noch  nicht  Lautschrift  genannt  werden.  Beiden  gemeinsam
sind  die  zahlreichen  Abbildungen,  die  aber  durchaus  nicht  die  gleichen  sind,
und  ebenso  ist  der  Stoff  bei  beiden  verschieden.  Noch  weniger  als  Roßmann-Schmidt
  im  Französischen  läßt  sich  Lehmann  im  Englischen  für  höhere  Knabenschulen
  verwenden;  in  sächsischen  Realgymnasien  zumal,  wo  der  englische
Unterricht  erst  in  Obertertia  beginnt,  ist  das  Buch  schon  deshalb  nicht
brauchbar,  weil  der  Stoff  für  ein  viel  früheres  Alter  berechnet  und  infolge

1)  Während  der  Drucklegung  dieses  Aufsatzes  erschien  eine  gänzlich  neue,  umgearbeitete
  Auflage  der  Sprachlehre,  Ausg.  B,  in  der  die  hier  erwähnten  Mängel  fast  sämtlich
  abgestellt  sind,  so  daß  das  Buch  dadurch  sehr  brauchbar  geworden  ist.