IV.  Die  neusprachlichen  Lehrbücher:  vermittelnde  Richtung.  393

Schwereren  stufenweise  fort  und  bilden  die  Verarbeitung  eines  bestimmten  Gedankens.
  Der  Schüler  soll  zunächst  mit  seiner  Umgebung  vertraut  gemacht
und  instand  gesetzt  werden,  sich  über  Vorkommnisse  und  Dinge  des
alltäglichen  Lebens  zu  unterhalten.  In  erster  Linie  ist  dabei  das  Augenmerk
  auf  die  Aneignung  eines  entsprechenden  Wort-  und  Phrasenschatzes
gerichtet  worden,  der  in  mannigfachen  mündlichen  und  schriftlichen  Übungen
durchgearbeitet  wird,  damit  er  den  Schülern  ın  Fleisch  und  Blut  übergehe.’
Sodann  läßt  Thiergen  Prof.  Gräf  in  Flensburg  sprechen:  ‘Gerade  der  Anfang,
wo  alles  neu  und  interessant  erscheint,  ist  die  Zeit  der  Einübung
der  Vokabelkreise,  die  das  tägliche  Leben  fordert,  und  die  später
durch  ihre  Trivialität  vielleicht  abstoßend  wirken,  aber  unentbehrlich
  sind.  Wenn  man  diese  äußerst  wichtige  Zeit  mit  Anekdoten  und  Gedichten
  verstreichen  läßt,  dann  ist  von  vornherein  eine  fast  unausfüllbare
Lücke  im  Wortschatze  geschaffen  und  damit  einer  sehr  wesentlichen  Aufgabe
  des  Sprachunterrichts  —  der  Bildung  eines  genügenden  und  geordneten
Wortschatzes  —  die  Basis  entzogen.  Gerade  die  Bildung  eines  geordneten
Wortschatzes  ist  einer  der  wundesten  Punkte  in  der  alten  Methode.  Auf  sie
sollte  in  den  neueren  Lehrbüchern  ein  Hauptgewicht  gelegt  werden.”  In  dem
Vorwort  zur  ‘Oberstufe’  führt  Thiergen  sodann  weiter  aus,  wie  er  sich  den
Fortgang  des  englischen  Unterrichts  in  den  Oberklassen  denkt,  indem  er  sagt:
‘Nachdem  in  dem  ‚Lehrbuche  der  englischen  Sprache‘  der  Schüler  mit  seiner
Umgebung  vertraut  gemacht  und  in  den  Stand  gesetzt  worden  ist,  sich  über
die  Dinge  und  Vorkommnisse  des  täglichen  Lebens  zusammenhängend  zu  äußern,
habe  ich  in  der  ‚Oberstufe‘  den  Versuch  gewagt,  ihn  nach  England  zu
führen,  ihm  aus  dem  Leben  in  der  Hauptstadt,  aus  der  Geographie
des  Landes,  aus  Geschichte  und  Literatur  des  Volkes  charakteristische
  Züge  vor  Augen  zu  führen.  Der  Schüler  soll  gleichsam  mit  mir
in  England  leben,  und  indem  er  englische  Verhältnisse,  das  Leben  und  Treiben
der  Hauptstadt  usw.  beobachtet,  auch  die  Regeln  der  Sprache  beobachten  lernen,
wie  einer,  der  sich  im  Lande  selbst  aufhält...  Das  Lebensbild  einiger  großer
Männer,  die  Regierung  der  beiden  größten  Regentinnen  auf  dem  englischen  und
schottischen  Throne,  die  Entwicklung  der  englischen  Sprache,  ein  Schlachtenbild
  aus  alter  und  neuer  Zeit,  ein  Straßenbild  von  London,  die  Schilderung
einer  großen  Industriewerkstätte,  eines  historisch  und  baulich  wichtigen  Gebäudes,
  einer  Themsefahrt,  einer  Wanderung  durch  die  schottischen  Hochlande,
einiges  aus  dem  Sportleben  (Derbyrennen,  Ruderregatta,  Kricketwettkampf),  die
englische  Armee  und  Marine,  ein  Bild  englischer  Schuleinrichtungen,  einer
Parlamentssitzung,  dargestellt  an  der  berühmten  “Home  Rule’-Rede  des  Staatssekretärs
  für  Irland,  Mr.  Morley,  endlich  ein  Blick  auf  die  englischen  Kolonien
  unter  der  Regierung  der  Königin  Viktoria  und  zur  Probe  auf  das
Gelernte  —  die  Übersetzung  eines  Aktes  von  Bulwers  ‚Money‘  und  Lessings
‚Minna  von  Barnhelm‘,  das  sind  die  Stoffe,  die  ich  herangezogen  und  bearbeitet
  habe.’

Man  wird  zugeben  müssen,  daß  Thiergen  ein  volles  Verständnis  für  die