404  Laure:  Der  erdkundliche  Unterricht.

aufeinander  folgende,  nicht  sich  durchdringende  Glieder,  so  gehört  doch  zur
Anschaulichkeit  mehr  als  bloßes  Einprägen  örtlicher  Verhältnisse,  gehört  Erweckung
  des  Verständnisses.  Auch  nach  dem  Lehrplan  für  die  Gymnasien
in  Hessen  soll  ‘auf  allen  Stufen  möglichste  Anschaulichkeit’”  erstrebt  werden.
Ebenso  wird  in  Baden  ‘besonderer  Wert  auf  möglichst  deutliche  Anschauung
der  geographischen  Verhältnisse  gelegt’.  Das  kann  natürlich  recht  äußerlich
durch  Kartieren  und  Vorzeigen  von  Bildern  in  einem  doch  wesentlich  topographischen
  Unterricht  geschehen;  aber  diese  Vorschriften  lassen  tüchtigen
Lehrern  die  Bahn  frei.  In  Preußen  und  den  Staaten,  die  sich  dem  preußischen
Unterrichtswesen  anschmiegen,  z.B.  in  Anhalt  oder  Braunschweig,  kommen
die  letzten  Lehrpläne  (1901)  dem,  was  Erdkunde  in  Wahrheit  ist,  am  nächsten:
“Verständnisvolles  Anschauen  der  umgebenden  Natur  und  der  Kartenbilder,
Kenntnis  der  physischen  Beschaffenheit  der  Erdoberfläche  und  der  räumlichen
Verteilung  der  Menschen  auf  ihr,  sowie  Kenntnis  der  Grundzüge  der  mathemstischen
  Erdkunde”.  Die  Erdkunde  hat  nach  Ansicht  dieser  Lehrpläne  die  Bedeutung
  einer  Naturwissenschaft,  aber  “die  physische  Erdkunde  darf  nicht  grundsätzlich
  vor  der  politischen  bevorzugt  werden;  beide  sind  vielmehr  innerhalb
der  Länderkunde  in  möglichst  enge  Verbindung  zu  setzen.’

Ungleich  unerfreulicher  für  den  erdkundlichen  Unterricht  in  Preußen  und

'  Sch.  in  Bayern,  |  |  f  c  g
Klassen-  |  Württemberg:  I  I,  M|/  IV,  V  VII|VO  VoO|  IX  '"58
bezeich.  |  Realsch.Preußen,  |  Ei:
|  Sachsen:  vlvw|im/Inm)ı  Ä  1233
nungen:  Alle  anderen  |  |  FE
Schulen:  vı|v|w|umlom  on|uıloı|$%*
aalenn  2  2'292  1  1  1  |  |  9
algymnasien  |  2  2  2  2ı  2  1  11
Preußen:  |  Oberrealschl.  |  2  ı  2  |121|2  Ä  2  |  ı  la  ı  |  ı  |14)
Realschulen  2  2'272  2ı2.2  129
Gymnasien  u  ee  re  Te  u  Su  Ä  9
Bayern:  |  Realgymnasien  |  2  2  2  2  2.  10
Realschulen  2  2  2  2  1  |  1  10
Gymnasien  1  2  2  2°%|  25  7
Sachsen:  |  Realgymnasien  |  2  2  2.2  2  1  1  1  18
Realschulen  2  2  2ı  2  2  23  12
Württemberg:  Gymn.  u.  Lyzeen  1  ı  1,1,  ıy,|  291  2  9
ymnasien  2  2  2  1  1  8
Baden:  |  Realgymnasien  |  2  2  2  2  2  |  10
Realschulen  el2|l2elela  10
Gymnasien  2  8  2  |,  1  1  8
Hessen:  |  Realgymnasien  |  2  2  2  2  2  1  1  1  1  |  14
Realschulen  2  8  2:  2  2  1  14
Mecklenburg-Schwerin:  Gymn.  |  2  2  2,  1  1  1  1  1  1  ||  12

ı)  Ähnlich  die  Oberrealschulen  von  Hamburg  nach  dem  Lehrplan  von  1905.  Da  hier
aber  auch  der  Biologie  eine  Stätte  in  den  Oberklassen  bereitet  wird,  so  werden  der  Erdkunde
nicht  8,  sondern  nur  2—3  Stunden  im  Überbau  der  Schule  eingeräumt.  Die  Verteilung  im
einzelnen  bleibt  den  Schulen  anheimgestellt.

x,  Im  etwas  abweichenden  Lehrplan  der  Berliner  Realschulen  haben  die  Klassen  II  und
I  meist  nur  1  Stunde  Erdkunde,  dafür  VI  und  V  oft  3.

°%  Nur  während  der  tinen  Hälfte  des  Schuljahres,  in  der  anderen  Hälfte  fällt  der  erdkundliche
  Unterricht  fort.  Daher  ist  in  der  Gesamtzahl  nur  1  Stunde  gerechnet.