Lehrziel  des  erdkundlichen  Unterrichts.  407

wenn  ihnen  diese  Wissenschaften  fernliegen  sollten.  Deshalb  wird  kein  Unterricht
  an  den  einzelnen  Schulen  Preußens  von  so  viel  verschiedenen  Lehrern
erteilt  wie  der  erdkundliche,  deshalb  keiner  von  so  viel  Laien.  Oft  stehen  neben
diesen  wohlvorgebildete,  doch  in  ihrem  Fach  unbeschäftigte  Geographielehrer.
Die  preußischen  Lehrpläne  von  1901  mahnen,  es  sei  darauf  zu  achten,  daß  der
Erdkundeunterricht  an  den  einzelnen  Anstalten  nicht  unter  zu  viele  Lehrer  verteilt
  werde.  Diese  Anweisung  wird  aber  allzu  häufig  vernachlässigt.

Alt  wie  das  Menschengeschlecht,  das  bewußt  um  sich  zu  blicken  gelernt
hat,  ist  die  Erdkunde,  und  doch  ganz  jung  erst  ihre  wissenschaftliche  Durcharbeitung.
  Alt  ist  daher  wohl  auch  der  geographische  Unterricht  und  doch
ganz  jung  erst  in  seinen  Ansprüchen  an  die  Jugendbildung.  Alte  Anschauungen,
veraltete  Einrichtungen  ringen  deshalb  in  ihm  mit  Zukunftshoffnungen  und
Wünschen.  Vieles  ist  seit  früheren  Zeiten  gebessert;  noch  immer  gilt  es  aber
viele  Hemmungen  zu  überwinden;  deshalb  ist  ein  guter  Unterricht  in  der  Erdkunde
  eine  schwere  Aufgabe,  da  die  Tüchtigkeit  des  Lehrers,  die  bewußte  Handhabung
  einer  erprobten  Unterrichtsweise  nicht  nur  die  Schwierigkeiten  des
Lehrstoffs  sondern  auch  mancherlei  Mängel  der  Organisation  überwinden  muß.

B.  DIE  UNTERRICHTSWEISE.')

1.  Lehrziel.  Der  Erfolg  jedes  wissenschaftlichen  Unterrichts  hängt  von
dem  Takt  ab,  mit  dem  der  Lehrer  die  Ansprüche  des  Lehrstoffes  mit  den
Fähigkeiten  des  Lernenden  auszugleichen  versteht.  Auch  erdkundlicher  Unterricht
  übermittelt  nicht  Wissenschaft  an  sich,  sondern  soll  sie  Kindern  und  Jüngı)

  Lüdde,  Die  Methodik  der  Erdkunde.  Magdeburg  1842.  —  Lüdde,  Die  Geschichte
der  Methodologie  ‘der  Erdkunde.  Leipzig  1849.  —  M.  Geistbeck,  Geschichte  d.  Methodik
d.  geographischen  Unterrichts  (C.  Kehr,  Geschichte  der  Methodik  d.  deutschen  Volksschulunterrichte.
  Bd.  2.).  —  Peschel,  Die  Erdkunde  als  Unterrichtsgegenstand.  (In  Bd.  1  der
Abhandlungen  zur  Erd-  und  Völkerkunde.  Leipzig  1877.)  —  Günther,  Kirchboff,  Didaktik
  und  Methodik  des  Geographieunterrichte.  (Baumeister,  Handbuch  der  Erziehungsu.
  Unterrichtslehre  f.  höh.  Schulen.  München  1895,  Beck).  —  Wagner  in  Lexis’  Reform  d.
höh.  Schulwesens.  —  Schiller,  Handbuch  d.  prakt.  Pädagogik.  8.  614ff.  —  Böttcher,
Die  Methode  des  geogr.  Unterrichts.  Berlin  1886,  Weidmann.  —  Matzat,  Methodik  des
geogr.  Unterrichts.  Berlin  18856,  Parey.  —  Lehmann,  Vorlesungen  über  Hilfsmittel  und
Methode  des  geogr.  Unterrichts.  Halle  1891,  Tausch  u.  Große.  —  Lehmann,  Beiträge  zur
Methodik  der  Erdkunde.  Halle  1894.  —  Lehmann,  Bildungswert  der  Erdkunde.  Berlin
1896.  —  Oberländer,  Der  geographische  Unterricht.  6.  Aufl.  von  A.  v.  Weigeldt,  Leipzig
1900,  Seele  u.  Ko.  —  Rusch,  Methodik  des  geogr.  Unterrichte.  Wien,  Pichlers  Witwe.  —
Becker,  Methodik  des  geographischen  Unterrichts.  Leipzig  u.  Wien  1905,  Deuticke  (aus
Klar,  Die  Erdkunde,  Bd.  Ih).  —  Kerp,  Die  erdkundlichen  Raumvorstellungen.  Berlin
1899.  —  Kerp,  Die  Methodik  des  erdkundlichen  Unterrichts.  2.  Aufl.  Trier  1902.  —
H.  Fischer,  Methodik  des  Unterrichte  in  der  Erdkunde.  Breslau  1905,  F.  Hirt.  —  Poble,
Welche  Aufgaben  hat  der  erdkundliche  Unterricht  an  den  höh.  Lehranstalten  zu  erfüllen?
(Wiss.  Beil.  z.  Progr.  d.  Leibniz-Gymn.  Berlin  1889).  —  Gorge,  Zur  Methodik  d.  geogr.
Unterr.  an  den  Mittelschulen,  vornehmlich  in  bezug  auf  die  Konzentration  (ZSchg.  VII,  vgl.
such  VII,  97ff.)  —  Willmann,  Bildungsinhbalt  der  Geographie  (ZSchg.  1892  9.  129).  —
Piltz,  Über  die  Notwendigkeit  u.  Durchführbarkeit  geologischer  Belehrungen  in  den  höh.
Lehranstalten  (UMN.  XI,  121).  j