Länderkunde  und  Allgemeine  Erdkunde  in  Oberklassen.  415

der  Einzelkenntnisse  im  Rahmen  der  Allgemeinen  Erdkunde,  für  die  auf  der
Mittelstufe  kein  Platz  ist,  sowohl  anregende,  die  Teilnahme  erhaltende,  neue
Gesichtspunkte  wie  ausreichende  Möglichkeit  zu  Wiederholungen  der  tatsächlichen
  Verhältnisse  bieten.  Morphologie  der  Erdoberfläche  und  Klimatologie,
Völkerkunde  und  Anthropogeographie,  Wirtschafts-  und  Verkehrsgeographie
wären  die  großen  Gebiete,  aus  denen  dann  der  Lehrstoff  für  diese  Klassen  zu
entnehmen  wäre.  Vielleicht  läßt  sich  auch  noch  etwas  von  Kartenprojektionen
vorbringen.  Meist  wird  der  Unterricht  jedoch  auf  Wiederholung  der  Länderkunde
  sich  beschränken  müssen,  und  dann  fragt  es  sich,  ob  sie  in  Rücksicht
auf  den  geschichtlichen  Lehrstoff  erfolgen  soll  oder  nach  Maßgabe  der  in  der
Erdkunde  selbst  gelegenen  Bedürfnisse.  In  jenem  Fall  wird  in  Anlehnung  an
die  Geschichte  des  Altertums  das  Mittelmeergebiet  mit  Ausblicken  auf  die  Erdteile
  Asien  und  Afrika  zu  wiederholen  sein,  in  Verbindung  mit  der  Geschichte
des  Mittelalters  das  mittlere  und  nördliche  Europa  und,  wenn  das  Ende  des
Mittelalters  mit  der  Zeit  der  Entdeckungen  zur  Sprache  kommt,  Amerika,
schließlich  West-  und  Osteuropa,  so  wie  die  Staatengebilde  im  Verlauf  der
neueren  Geschichte  wichtig  werden.  Australien  ist  übriggeblieben.  Der  Lehrstoff
  ist  auf  diese  Weise  völlig  zerhackt.  Meist  wurden  ın  den  vier  unteren
Klassen  nacheinander  Heimat,  Mitteleuropa,  das  übrige  Europa  und  die  vier
anderen  Erdteile  in  ständig  sich  erweiternden  Kreisen  besprochen,  in  den  folgenden
  beiden  von  neuem  Deutschland  und  Europa.  Für  die  drei  Oberklassen
bliebe  also,  wenn  nach  rein  erdkundlichen  Grundsätzen  die  Auswahl  des  Lehrstoffes
  erfolgen  darf,  die  vertiefende  Wiederholung  der  außereuropäischen  Länder,
erneut  des  außerdeutschen  Europas  und  abschließend  Deutschlands  und  der  engsten
  Heimat,  so  daß  sich  Anfang  und  Abschluß  des  erdkundlichen  Unterrichts
in  der  Heimatkunde  die  Hand  reichen.  |
Schon  in  der  wissenschaftlichen  Forschung  ist  die  Abgrenzung  der  Erdkunde
  von  anderen  Wissenschaften  vielfach  dem  Ermessen  des  Gelehrten  anheimgestellt.
  Noch  schwieriger  ist  die  Umgrenzung  der  zum  erdkundlichen  Lehrstoff
  zu  rechnenden  Dinge  im  Schulunterrichte.  Kann  er  doch  weit  weniger
gleichmäßig  auf  Unterstützung  von  Nachbargebieten  her  rechnen.  An  sich  ist
nicht  genug  vor  Abschweifungen  auf  geschichtliche,  staatswissenschaftliche,
naturkundliche  Seitengebiete  zu  warnen,  nicht  dringend  genug  auf  das  rein  erdkundliche
  Ziel  des  Unterrichts  zu  weisen.  Und  doch  muß  der  Lehrer  bedenken,
daß  der  Erwachsene  mit  zahllosen  Begriffen  unbewußt  und  selbstverständlich
beim  Anschauen  einer  Landschaft,  zumal  in  Gebieten  alter  Kultur,  wirtschaftet,
die  dem  Kinde  noch  fremd  sind,  die  es  in  der  Erdkundestunde  zu  deuten  gilt.
Vornehmlich  die  erste  Heimatkunde  darf  nicht  zu  geographisch  sachlich  sein.
Weiterhin  gilt  es  aber  die  Unterrichtsfächer  zu  sondern.  Wenn  das  Pflanzenkleid
  eines  Landes  und  sein  Tierleben  besprochen  wird,  darf  die  Geographiestunde
  nicht  unversehens  eine  Zoologie-  oder  Botanikstunde  werden,  sondern
bedachtsam  ist  alles  fernzuhalten,  was  mit  dem  Boden,  der  Eigenart  des
Landesklimas,  kurz  mit  dem  Wesen  des  Landes  nichts  zu  tun  hat,  und  ebensowenig
  gehört  ein  geschichtliches  Ereignis  in  den  erdkundlichen  Unterricht,  wenn