416  Laurz:  Der  erdkundliche  Unterricht.

keine  Wechselbeziehungen  zum  Boden,  auf  dem  es  spielt,  namhaft  zu  machen
sind.  Wohl  bleibt  die  Erkenntnis  der  meisten  Länder  in  ihren  Staatsgrenzen
wie  Volksmischungen,  ihren  Kulturzuständen  wie  in  der  Verteilung  der  Siedelungen
  ohne  Vertrautheit  mit  der  geschichtlichen  Vergangenheit  leer;  deshalb
ist  ebensogut  manche  geschichtliche  Tatsache  wie  manche  geologische,  klimatologische,
  allgemein  naturkundliche  in  die  länderkundliche  Besprechung  hineinzuziehen;
  aber  wo  solche  Zusammenhänge  fehlen,  überlasse  man  Geschichtswiederholungen
  der  Geschichtsstunde  Freilich  wird  der  Geschichtsunterricht  entsprechend
  dem  auf  den  Mittelmeerkreis  und  auf  die  europäischen  Völker  eingeschränkten
  Begriff  "Weltgeschichte’  nicht  der  Geschichte  aller  Länder  gleichmäßig
gerecht.  Auch  im  naturkundlichen  Unterrichte  herrscht  nicht  Gleichmäßigkeit
der  Behandlung.  Die  anorganische  Natur  ist  meist  stiefmütterlich  bedacht,  und
so  muß  der  Lehrer  der  Erdkunde,  wie  er  bei  der  Kultur  Chinas  und  Japans
mehr  auf  geschichtliche  Abschweifungen  sich  einlassen  darf  als  bei  der  der
Mittelmeerländer,  auch  häufig  bei  der  Erläuterung  der  Wirkungen  des  gefrierenden
  Wassers,  der  Luft-  und  Meeresströmungen,  der  Gesteinsverwitterung,  bei  der
Bildung  von  Kohlenflözen  und  Steinsalzlagern  sich  mit  geologischen,  chemischen,
physikalischen  Einzelheiten  beschäftigen.  Petrographie,  Stratigraphie,  Paläontologie
soll  man  freilich  auf  der  unteren  Mittelstufe  noch  aus  dem  Spiel  lassen.  Dynamische
  Geologie  darf  in  Keimen  schon  die  Sextanergeographie  enthalten.
Auf  der  Oberstufe  wird  umgekehrt  die  Erdkunde  wegen  ihres  knappen  Raumes
im  Lehrplan  möglichst  viel  Lehrstoff  an  die  Nachbarfächer  abgeben,  Anthropogeographisches
  und  Verkehrsgeschichte  an  den  Geschichtsunterricht,  Meteorologisches,
  Erdmagnetisches,  Ozeanographisches  an  die  Physik,  andere  Teile  der
Özeanographie  und  die  Geologie  an  die  Chemie.  Von  alters  her  hat  man  die
mathematische  Geographie  auf  der  Oberstufe  der  Physik  und  Mathematik  überlassen.
  Da  es  wünschenswert  ist,  manche  mathematisch-geographischen  Verhältnisse,
  geologische  und  meteorologische  Tatsachen  durch  Vorführungen  im  physikalischen
  oder  chemischen  Lehrraum  zu  verdeutlichen,  wird  von  selbst  der
Verwalter  dieser  Lehrmittelsammlungen,  der  meist  den  physikalischen  oder
chemischen  Unterricht  in  den  Oberklassen  erteilt,  auch  der  geeignete  Lehrer
sein,  um  solche  Lehrgebiete  zu  vertreten.  In  jedem  Fall  ist  der  Lehrer  .der
Erdkunde  darauf  angewiesen,  mit  seinen  Fachgenossen,  den  Vertretern  der
Geschichte  wie  denen  der  Naturwissenschaften,  enge  Fühlung  zu  halten.  Leicht
könnte  sonst  der  Schüler  über  Vulkanismus  und  Korallenriffbildungen  oder
über  den  Wert  beispielsweise  des  Rheins  als  Grenze  im  naturwissenschaftlichen
  Unterricht  oder  im  geschichtlichen  etwas  anderes  erfahren  als  im  erdkundlichen.


3.  Die  Behandlung  des  Lehrstoffs.  Von  der  Heimat  ausgehend,
schreitet  der  erdkundliche  Unterricht  örtlich  zu  immer  weiteren  Fernen,  sachlich
  zu  immer  neuen  Begriffen  und  Vorstellungsreihen  fort.  Er  vertieft  dabei
ständig  die  Einsicht  der  Schüler  in  die  erdbildenden  und  siedelungsbestimmenden
  Tatsachen  und  Vorgänge  unter  nie  ermattender  Rücksichtnahme  auf  die
Anschaulichkeit  bei  jeder  Neudurchnahme,  unter  stets  wiederholten  Vergleichen